Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1869)
- Date
- 1869-10-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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m das aber in jeder Beziehung ein Musterspital zu werden verspricht, mehr besitzen. Donaufürstenthümer. Bukarest!, 1. Oktober. Ich habe Ihnen seinerzeit gemeldet, daß der während der Abwesenheit Cogolnitscheano's mit der Leitung des Ministeriums des Innern betraute Iustizminister Boeresco in Folge einer energischen Vorstellung der österreich-ungarische Vertretung eine Depesche an die Präfecten erlassen hat, welche den früheren Ministerial - Erlaß bezüglich des Vorgehens .gegen Juden auf den Dörfern" in einer milderen Weise zu interpretiren gestattet. Kaum hatte Herr Cogolnitscheano seine Portefeuille wieder übernommen und Herr Boeresco der Hauptstadt den Rücken gewendet, so fand er es für gut, durch eine neue Circular-Depesche jeden Zweifel zu beseitigen, welchem die letzte Note seines Vorgängers bei denjenigen Beamten. die dieselbe in humanem Geiste aufzufassen Lust hatten, aufzukommen gestattet. Herr Cozolnitscheano will von Concessionen den Juden gegenüber ' ein für allemal nichts wissen; sie dürfen unter keinem Vorwände, Pachtungen Schankhäuserrc.habender Aufenthalt auf dem Lande bleibt ihnen versagt. Es hat sehr den Anschein, als habe der Herr Minister seine neueste „Juden-Note", wozu der Moment nicht den entferntesten Anlaß gegeben, in der Ansicht nur vom Stapel gelassen, um gegen die österreichisch-ungarische Regierung einen Trumpf auszuspielen. Die Regierung muntert dadurch zu noch größeren Ausartungen auf, die auch nicht auf sich warten lassen. So sehen wir seit einigen Tagen an den Mauern der Häuser allenthalben ein Placat mit Riesenlettern prangen, welches von dem leicht reizbaren rumänischen Pöbel förmlich verschlungen wird. Es ist die Ankündigung eines Pamphlets in Form einer Broschüre. Die Invasion Rumäniens durch die Juden, oder: Kirche und Synagoge," heißt die Mache; alle verbrauchten mittelalterlichen Anschuldigungen Ammenmärchen, Verleumdungen und Aufreizungen begreift das Jnhaltsverzeichniß. Und die fürstlich rumänische Polizei läßt derartige Ankündigungen ruhig geschehen und an die Mauern kleben! — (N. fr. Pr.) Feuilleton. Kraf oder Jude? IV. Joseph jtatt Bruno Während die erzählten, furchtbaren Ereignkffe sich auf Schloß Dornbach zutrugen, war Marinka mrt dein geraubten Kinde in den Wald geflohen. Als sie bemerkte, daß sie nicht verfolgt wurde, suchte sie die Heerstraße wird kraus und wanderte dem nächsten Städtchen zu. Roch immer schlummerte das Kind, und als es erwachte und um Nahrung schrie, kaufte Marinka ein mit einem Gummischlauch versehenes Fläschchen, ging in eine Herberge und gab dem weinenden Knaben zu trinken. Aber nicht lange hielt sie sich hier auf; die Furcht, verfolgt, entdeckt und verhaftet zu werden, trieb sie weiter. Unterdeß wurde ihr das Kind im höchsten Grade beschwerlich, und sie dachte daran, sich desselben zu entledigen. Noch besaß sie von ihren Ersparnissen fünfzig Gulden; diese wollte sie für die Unterbringung des Kindes verwenden. Als sie so auf der Landstraße weiterschritt, holte sie eine Bettlerfamilie ein. Ein von einem Esel gezogener Karren trug die ärmlichen Habseligkeiten dieser Familie, die aus Mann und Frau und drei zerlumpten Kindern bestand. Es waren Juden, die nach Pilsen zu Markte zogen. „Leute" redete Marinka sie an, „wollt Ihr fünfzig Gulden verdienen?" „„Fünfzig Gulden'."^ ries d^r Bettler; in seinem ganzen Leben hatte er eine solche Summe nicht besessen. „Seht dieses Kind — es ist das Kind meiner Schwester; sie ift tobt und ihr Liebhaber, ein Graf, ist tobt. WrS soll ich nun mit dem Kinde machen? Wollt ihr es zu Euch nehmen und es aufziehen, so gebe ich Euch fünfzig Gulden!" „„Aber,"" eutgegnete der Händler, „„wir sind Juden!'" „Nun," lachte Marinka, „was schadet das? Macht meinetwegen einen Betteljuden ans dem Grafensprößling!" „„Fünfzig Gulden,"" sagte der Bettler, sich den Bart streichend, „„es ist gar viel Geld, ich könnte mir in Pilsen Waaren einkaufen und einen Handel ansangen. Was meinst Du dazu, Riwkoh?"" „Ich meine," entgegnete das Weib, das wunderschöne Knäblein freundlich anblickend, „ich meine, wir nehmen das Kind. Es ist bei uns besser aufgehoben als bei der Mamsel. Und weißt Du, Kalmaun, wir sagen, es sei mein, und in Pilsen gehen wir zu den reichen Prager Juden, die dorthin zu Markte kommen, und bitten den Einen zum Gevatter und den Andern zum Mohel (Beschneider), so bringt es uns noch ein schönes Stück Geld ein." „Gut, Mamsel," sagte der Bettler, „wir wollen das Kind nehmen. Aber Sie müssen noch Etwas