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Der Israelit · 1869-10-20 · Heft 42 (20.10.1869) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 42 (20.10.1869)
Date
1869-10-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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808 kennSng aus und forderte dazu auf, daS Interesse für die in Rede stehende Zwecke auch in Oestreich rege zu machen, wo Redner bisher der Einzige gewesen. der Etwas dafür gethan habe, der circa 7000 fl. dafür gesammelt. Der berühmte Dichter, Herr Berthold Auerbach, stellt den Antrag, sür's Erste bei den zu stellenden Zwecken zu bleiben und die Art und Weise der Herbeischaffung der Mittel auf später zu verschieben. Herr Vicepräsident Goldschmidt aus Paris macht den Vorschlag, ein Comite zur engeren Berathung zu erwählen. Derselbe verlaßt dann die Versammlung, um Herrn Cremieux am Bahnhofe abzuholen; auch Herr Albert Cohn, im Begriffe nach Jerusalem zu reisen, verläßt unter den Segenswünschen der Anwesenden den Saal. Herr Sanitätsrath Waldeck aus Berlin befürwortet die Begünstigung der Auswanderung nach Amerika. Herr Rabbiner Di\ Landauer aus Dresden schließt sich diesen Ansichten an. Herr Prediger vr Goldschmidt aus L e i p - z i g schildert die Zustände in Rußland; derselbe war ehemals Prediger in Warschau und kennt die Zustände aus eigener Anschauung. In Rußland sei nicht zu Helsen; es sei auf eine Auswanderung nach Amerika hirnuwtrken. Herr Vr. R ü l f meint, nur die Schlechteren würden auswandern; man s.lle lieber Schulen gründen. Herr vr. Goldschmidt aus Leipzig entgegnet: Von Schulen in Rußland sei nichts zu hoffen Was solle man von Schulen erwarten, wenn an den Rabbinerschulen Männer wie Büchner wirken, der die Stirn gehabt hat, ein Buch zu schreiben, das den Titel führt: „der Talmud in seiner Nichtigkeit" und der dafür von der russischen Regierung noch ist ausgezeichnet worden? Herr vr. Goldschmidt tritt ferner den geäußerten Ansichten von der niedrigen Culturstufe der Israeliten in Rußland entgegen. Die russischen Juden seien jedenfalls civilisirter als die russischen Christen. Der Präsident spricht für die Auswanderung nach Amerika. Man müsse Pioniere hinübersenden; 'das Beispiel würde die Andern uachziehen. Der Herausgeber dieser Blätter gibt den Rath, >9 durch. die Presse, namentlich durch die französische, die russische Regierung auf die Schäden und Uebelstände in der Behandlung ihrer jüdischen Untcrthanen aufmerksam zu machen. Herr vr. Trauenfels aus Stettin nimmt die Priorität des Planes der Auswanderung nach 'Amerika. für sich in Anspruch. Man müsse jedoch sich vorher mit den Glaubensgenossen in Amerika in Verbindung setzen; sonst würden dieselbe die Hinübergeschickten wieder zurückschicken. Er selbst habe sich schon an daS doard of d Jegates in New-Aork gewandt und eine abweisende Antwort erhalten. Herr Advocat Leven aus Paris hält eine Rede in französischer Sprache, in welcher er rath, ein Comite in Rußland niederzusetzen, das diejenigen designire, welche zum Auswandern am geeignetsten wären Herr Rabbiner vr. Aub aus .Berlin behauptet, die Auswanderung sei aus politischen und materiellen Gründen nicht möglich; er macht den Vorschlag, eine Anfrage dieserhalb an die russische Regierung zu richten. Herr Direktor Joseph Lehmann aus Berlin, Redacteur des Magazins für die Literatur deS AuSlandes, hält es, Herrn Advokat Leven gegenüber, für rathsamer mit der Sorge für die Organisation der Auswanderung die Cvmite'en an der Grenze zu betrauen. Herr Rabbiner vr. Landsberg auS Lie g - nitz meint, die Alliance israelifce universelle solle dafür Sorge tragen, daß die Auswanderer in Amerika eine gute Aufnahme fänden. Hiermit schloß die Debatte; es wurde sodann eine Commission von 15 Mitgliedern gewählt, die den während des Abends gegebenen Stoff sammeln, sormuliren und in einer am Donnerstag den 14. d. M. unter dem Präsidium des Herrn Cremieux abzuhaltenven Versammlung darüber Bericht erstatten soll. Unsere geehrten Leser baben aus dem Vorstehenden ersehen, welch eine glänzende, durch Intelligenz und Bildung hervorragende Versammlung hier gestern tagte; in ihrer Mitte Männer von europäischem Ruse wie Berthold Auerbach, Albert Cohn, vr. Hildesheimer, Joseph Lehmann, Professor Lazarus rc. rc. *) Allein im Ganzen und Großen ergab sich doch, daß die Versammlung vollständig rathlos war. Was der Eine verschlug, wurde von dem Andern als geradezu unmöglich und unausführbar bekämpft. Aber auch das ist schon ein Gewinn, zu wissen und zu erkennen daß es nicht in unserer Macht steht, ausreichend zu Helsen. In Folge dessen werden wir wenigstens die Ueberzeugung gewinnen, daß Gott, der Herr, allein es ist, Er, der jene herbe Prüfung nach Seinem allweisen Rathschluß unfern leidenden Brüdern geschickt hat, der auch ausreichend helfen kann und wiro. Ueber die Mittel und Wege, deren Anwendung zu versuchen, schließlich beliebt wurde, Näheres in der nächsten Nummer. *) Er waren noch viele Männer Non Ruf anwesend, die bei der großen Rcdefülle — die Versammlung währte von 5 bis lt>Vg Uhr — es vorzogen zu schweigen, so-Herr Rabbiner vr. Schwarz aus Köln. /

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