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Der Israelit · 1869-10-13 · Heft 41 (13.10.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 41 (13.10.1869)
Date
1869-10-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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799 Tarnrwar Kathedralkirche und vielleicht durch sie über die ganze Stadt Tarnow und ihre Bewohner bringen. „Der höllische Anschlag kam zwar schon zum Ansbruche, aber der Ewige hat in seiner unendlichen Barmherzigkeit es verhütet, daß das beabsichtigte Böse vollbracht wurde, daß es zu seiner Vollendung kam. Tausende von Menschen nahmen sich der Sache an, und es gelang der Umsicht der Rettenden, daß das zerstörende Clement endlich doch besiegt wurde. „Bei dieser Rettung und Abwendung der gräßlichen Gefahr von Kirche und Stadt haben ganz vorzüglich die Israeliten sich hervorgetban; klein und groß, jung und alt eilte zu Tausenden herbei, um zu helfen, und die Thätigkeit der Israeliten in Bezug auf Beischafsrrng des nöthigen Wassers zum Löschen war staunenöwürdig und verdient die ausgedehnteste Anerkennung. In Würdigung dessen erachtet es das Bischöfliche Consistorium als heilige Pflicht, ein löbliches Rabbinat zu ersuchen, am geeigneten Tage der israelitischen Gemeinde Unseren tiefgefühlten Dank für diese gebrachte Hilfe zur Rettung der Kathedralkirche von der großen Feuergefahr, in der Synagoge oder wie immer, vermelden zu wollen. Möge der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs über alle, die dabei betheiligt waren, seinen Segen im vollen Maaße auögießen. Vom Bischöflichen Consistorio. Tarnow am 4. Oktober 1869. In Dienstesabwesenheit des Hochwürdigen Herrn Bischofs. Franz Szlusarcrck General- Vikär. Vom Tarnower Bischöflichen Consistorio Z. 3716 an ein Löbl. Rabbinat in Tarnow. Holland. Haag, den 14. Sept. Cs gereicht mir zu besonderem Vergnügen, Ihnen mitzutheilen, daß Herr S. A. Levison hier der hiesigen Gemeinde ein kostbares Geschenk, bestehend in einer marmornen Treppe mit vergoldeter Gallerie vor der heiligen Lade bei der Feier des 25jährigen Bestehens der Synagoge D'Ujn "d verehrt hat. Die Synagoge war an diesem Tage reich geziert. Herr Rabbiner B. S. Berentstein hielt eine passende Rede, und unser Ober-Cantor Herr M B. Dessau verherrlichte durch seinen schönen Gesang diese Feier. Frankreich. Hegenhtim. (Elsaß.) Der Artikel „zur Hebung des Nothstandes in Westrußland" vom 16. Juli in Nr. 29 dieser werthgeschätzten Blätter, sowie der in demselben Blatte folgende, für jeden gefühlvollen Menschen wahlhast herzzerreißende Anfruf zu abermaligen Liebesgaben, veranlaßt den Unterzeichneten, seine, wenn auch minderwichtige Stimme zur Besserung der Lage dieser Bedauernswürdigen zu erheben, indem derselbe von dem Grundsätze ausgeht, daß es die Pflicht eines jeden Menschenfreundes sei, je nach seiner Kraft seinem leidenden Mitbruder rathend und helfend entgegenzukommen. Besonders hat nun besagter Aufsatz in Nr. 29, der die wahren Quellen des Nothstandes so gut aufdeckt, dem Verfasser dieser Zeilen es als eine Pflicht erscheinen lassen, meinen Brüdern und Schwestern, die sick eines glücklichen Wohlstandes freuen, ein Mittel zu bieten, mit welchem sie den Hungernden in Westrußland, wenn auch nicht gleich für den Augenblick, doch gewiß für die Zukunft, und diese fleht ja unter solchen Umständen am meisten in Gefahr, Brod für ihre Verschmachtenden bieten können, wenn sie nur wollen, uno daß sie helfen wollen, dafür bürgt mir die Natjpnaltugend Israels, ihre steten Liebesgaben auf dem Altar wahrer echter Menschenliebe und Brüderlichkeit duften zu lassen. — Zur nöthigen Klarheit über meinen Vorschlag, wiederhole ich nochmals einige Sätze aus dem Artikel von Nr. 29; dort heißt es: „Um ein richtiges Verständniß für die polnischen Verhältnissen zu erlangen, müssen wir zunächst die Ursachen der jetzigen, fast beispiellosen Noth aufsuchen. Solche bestehen nicht in Mißwachs und Theues rung; denn weder das eine noch das andere hat in den letzten Jahren stattgefunden, sondern nur in Erwerbsunfähigkeit und Nahrungslosigkeit des größeren Theils unserer polnischen Brüder, Uebel, nicht temporärer Natur, welche zu großen Leiden geworden und die erst beseitigt werden müssen, wenn wieder bessere und normale Zustände herbeigeführt werden sollen. —" Diese besseren Zustände einzuführen auf noch einem zweiten Wege, als durch Auswanderung nach dem Innern Rußlands sei heute unsere Aufgabe. — Gebt den Armen Arbeit und sie haben Brod, ist hier buchstäblich anzuwenden. Wie man aber den Armen zur Arbeit die richtige Anleitung gibt, zeigen uns zwei vortreffliche jüdische Anstalten Frankreichs, die Arbeiterschulen für arme und verwaiste Kinder in Mühlhausen und Straßburg. — Diese Anstalten wurden durch den Wohlthätigkeitssinn sowohl von Israeliten als Nichtisraeliten gegründet, und erfreuen sich von Jahr zu Jahr eines bessern Gedeihens. Die Zöglinge erhalten dort Kost, Logis und Wohnung, werden zu welchem Geschäfte oder Berufe, Handwerke k. k. sie sich auch widmen wollen zu tüchtigen Lehrmeistern geschickt und erhalten in den berufsfreien Stunden in der Anstalt von tüchtigen Lehrern in der Religion und allen notwendigen Kenntnissen für ihr künftiges Leben Untern — Solche Anstalten laßt uns auch für Westrußland gründen; die Kosten dafür sind weniger bedeutend.

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