Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1869)
- Date
- 1869-10-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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798 die Stellung der Frauen bei den Israeliten eine solche war, deren sie sich heute in der civilisirten Welt zu erfreuen haben, so ist dies ein unleugbarer Beweis von der Größe und Erhabenheit des JudenthumS mit allen seinen Institutionen und Intentionen. Obgleich seine Aufgabe war, durch das eifrige Forschen seiner Himmelslehre Licht und Erkenntniß (min) allenthalben zu verbreiten, obgleich seine Religionsrichtung stets eine strenge, der Kontemplation sich hinneigende und gewissermaßen eine abgeschlossene war, um durch einen aScetischen Lebenswandel (miay) sich von allen irdischen Schlacken zu reinigen, und seinem Urbilde, der Gottheit, durch Erhebung über die sinnliche Erdenwelt zu nähern: so hat es nicht minder die reinste Humanität, die höchste Liebe und Menschlichkeit (onDn ni^va) zum Ziele. Denn während die ganze Welt um Israel in den Zeiten des frühesten AlterthumS von der tiefsten Finsterniß des Un- und Aberglaubens durch den, hie ganze Natur vergötternden Polytheismus umnachtet war, und die krasseste Sinnlichkeit den Menschen bis zum Thiere herabgewürdigt, hat Haß und Verfolgung die Gemüther derart furienartig entzweit, daß sie mit kannibalischer Wuth sich gegenseitig zu vernichten strebten. Blicken wir in die einzelnen Familien der heidnischen Völker, so sind auch diese durch ein lockeres Band oberflächlich nur zusammengehalten. Denn das sie vereinigende Band, die Ehe, hatte nicht die unverletzbare Sanktion, die erforderlich ist, um einen Brennpunkt zu bilden, von welchem allein uns alle Radien der einzelnen Glieder, wie eine Centralsonne ausgehen, um die sich Schaaren von Sternen, denen sie Licht und Leben gibt, drehen. Ziehen wir selbst das gebildetste Volk des AlterthumS, die Griechen, in Betracht, so kann ihre Ehe schon insofern keine innere Weihe und Heiligkeit erlangt und mithin auch keine wahrhaft beglückende Häuslichkeit erzielt haben, wenn einer ihrer genialsten Denker und Philosophen, dessen Aussprüche gleich einem Orakel galten, einen idealen Staat entwirft und in diesem die Gemeinschaft der Weiber und Geschlechtsverbindung aufs nachdrücklichste anempfiehlt.*) (Schluß folgt) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, den 6. Oktober. Wir kommen soeben von einem traurigen Gange zurück; wir haben die *) Plato in seiner Republik Buch 5 sagt, „daß diese Weiber alle allen diesen Männern (Hütern des Staates) gemein seien, keine aber irgend einem eigenthümlich angehöre und so auch die Kinder gemein, so daß weder der Later sein Kind kenne, noch auch sein Kind seinen Vater." sterblichen Ueberreste eines der edelsten Menschen, eines wahrhaften Jehudi, dem Mutterschooße der Erde übergeben. Herr Hugo Lob von hier, Associv der Firma Bondi & Lob, ist nicht mehr. Er starb, erst 45 Jahre alt, und um ihn trauern nicht allein seine Gattin, seine Kinder und seine übrigen Verwandten, sondern Alle, Alle, die das Glück hatten, diesen seltenen Mann zu kennen. Wollten wir die zahllosen guten Eigenschaften des edlen Herzens, das jetzt stille steht, aufzählen, wir würden kein Ende finden. Diese innige Frömmigkeit und Gottergebenheit, diese Begeisterung für das Judenthum und die heilige Gotteslehre, diese Freudigkeit in der Pflichterfüllung, diese grenzenlose Wohlthatigkeit, die größtentheils im Geheimen geübt, nur bann an die Oeffentlichkeit trat, wenn sie beispielgebend wirken wollte, diese vollständige Selbstlosigkeit, die nie an sich, aber stets an Andere dachte, — die Vereinigung all dieser herrlichen Eigenschaften und noch zahlloser anderer wird selten mehr auf Erden gefunden. Wir kannten nur Einen, der ihm ähnlich war, das war der Schwager des theuren Dahingeschiedenen, R. Schalom Hirsch von Halberstadt, der heute vor zehnjJahren ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Herr Hugo Lob war zu Bingen geboren. Väterlicherseits stammte er von dem berühmten Kur- Kölnischen Landrabbiner Rabbi Juda Mehler mütterlicherseits von dem noch berühmteren Mainzer Oberrabbiner Rabbi Herz Scheuer Schon früh verlor er den Vater und noch als Jüngling auch die Mutter. Der Großvater war's, der ihn erzogen. Und wie erzogen! Denn außer den köstlichen Eigenschaften des Herzens, die wir oben erwähnten, war sein Geist hochgebildet sowohl in den talmudischen als auch in den profanen Wissenschaften; zugleich war er ein tüchtiger, intelligenter Kaufmann. Unsere Religionsgesellschaft, deren Vorstande der Heimgegangene angehörte, unsere Unterrichts anstatt, zu deren Schulrath er gehörte, haben einen unersetzlichen Verlust erlitten; nicht minder alle Armen, Bedürftigen und Hilfesuchenden nicht bloß hier, sondern weit und breit. Seinen Freunden wird er ewig unvergeßlich bleiben. n*aWn! Österreichischer Kaiserstaat. Tarnow, (Galizien) 5. Oct. Das hiestze bischöfliche Consistorium hat das folgende Schriftstück, das die größtmögliche Verbreitung verdient, an das hiesige Kreisrabbinat ergehen lassen: „Nr. 3716. Note! Ein gräßliches Unglück, eine schreckensvolle Gefahr und in deren Folge einen völligen Ruin wollte in den vergangenen Tagen die höllische Bosheit und menschliche Verruchtheit über die