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Der Israelit · 1869-10-13 · Heft 41 (13.10.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 41 (13.10.1869)
Date
1869-10-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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800 der Nutzen für die Zukunft aber unberechenbar. Auf solche Art wird ein gebildeter und den Anforderungen der Jetztzeit entsprechender Handwerksstand hervorgerufen, wird den Familien eine feste Basis gegeben, ihr Brod nicht von bloßen Zufällen, sondern durch eigene Kraft herbeizuschaffen, und gewiß wird den Hungernden mehr genützt werden, als wenn man Tausende und aber Tausende ihnen zusendet, des Uebels Quelle aber nicht zu verstopfen sucht. - Freilich ist dieser Plan nur für die Zukunft nützend, kann der augenblicklichen Noth nicht entgegentreten; allein er wäre, wenn die beabsichtigte Colonifirung in Innern Rußlands stattfindet, für die in ihrer Heimath Bleibenden berechnet; denn, daß nicht Alle auszuwandern vermögen, läßt sich wohl leicht fassen; aber auch für die Zurückbleibenden muß gesorgt werden, und dies ist wohl nicht leicht auf anderem Wege möglich als auf diesem. Sind solche Anstalten gegründet, so würden sicherlich bei richtiger Leitung tüchtige Arbeitskräfte entwickelt und wer zu dieser Zeit arbeiten vermag, der hat sein gesichertes Brod, d as wissen wir ja Alle. Man wird vielleicht vor den allzugroßen Kosten zurückschrecken. Auch diese sind nicht so bedeutend. Bedenkt man, daß eine Provinz Elsaß allein zwei solcher Anstalten besitzt, so wird es gewiß einleuchten, daß das große Deutschland (und gewiß auch andere Länder werden sich nicht ausschließen) einige solcher Anstalten mit Leichtigkeit in größeren Städten ins Leben rufen kann, um so den großen Gedanken unserer französischen Glaubensbrüder auch bei un? zu verkörpern. Meine theueren Brüder und Schwestern, die Ihr von Gott mit irdischen Gütern gesegnet, legt diese meine wenigen Zeilen nicht gleichgiltig hinweg, bedenkt, daß sie niedergeschrieben in der aufrichtigen Meinung und mit dem herzlichen Wunsche, nicht Einem, sondern Tausenden von Hungerden ein bessere Zukunft zu schaffen, und wenn dieser mein Vorschlag das Glück haben sollte, von bekannten und tüchtigen Männern befürwortet zu werden, so tragt denn auch Euer Schärflein zu seiner Verwirklichung bei. Um aber mit dem guten Beispiele voranzugehen, zeichne ich, obwohl nur auf daö jährliche Einkommen eines Lehrers angewiesen, (und daß diese gerade nicht am Glänzendsten bezahlt werden, bedarf keiner Erinnerung) 50 Franken pro anno und bin fest überzeugt, daß wenn alle Jene von Euch, die mehr als das Tausendfache als ich besitzen, ebensoviel zeichnen würden, in Kurzem alle Schwierigkeiten überwunden wären. Aron Suhler, Deutscher Lehrer. Paris. Herr Simon Levy, Kapitän im 2. Artillerieregiment, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. (Univ. Jsr.) Paris. „Le Monde," ein nicht sehr judrnfreundliches Blatt, brachte jüngst einen Bericht über die Geld- Aristokratie in Basel, aus welchem nur folgende Stelle hervorheben: Wenige Städte besitzen so viele Millionäre als Basel, und was das Beste dabei ist, daß alle diese reichen Kapitalisten Christen sind. Bis vor Kurzem waren die Juden in dieser Stadt nicht geduldet, und heute zählt man nur sieben jüdische Familien daselbst, welche noch nicht die Zeit gehabt haben, sich auf Kosten der Christen zu bereichern. Wir fügen diesen Worten nichts hinzu, sie sprechen ihr eigenes Urtheil. Paris. Herr Ernst Hendle, Tochtermann des Herrn Albert Cohn, wurde zum General-Secretär der Gesellschaft für den Elementarunterricht ernannt. Paris. Herr N. Leven, Secretar der All. isr., hat einen großen Verlust erlitten. Seine erst 26 Jahre alte Gattin mit welcher er seit 3 Jahren verheirathet war, ist am ersten Tage der verflossenen Halbfeiertage gestorben. In Frau Leven haben viele Armen eine Stütze verloren. (Univ. Jsr.) England. London. Der Prozeß der Gräfin Alteyrac wurde auf später verlegt, weil ein jüdischer Zeuge (SimmonS) wegen des VersöhnungSfeftes nicht erscheinen konnte. Italien. Venedig. Die „Zeitung von Venedig" schreibt: Drei arme scrophulöse Kinder kamen jüngst nach Verona, um hier in dem milden Klima Genesung für ihr Leiden zu finden. Diese drei Kinder fanden eine wahre Mutter in der Person der Frau Guiseppina Jacur Consolo (Israelitin), welche alle Kosten, die die Heilung der armen Kinder erforderte, bestritt und mit mütterlicher Sorgfalt über sie wachtet Das ist wahre Wohlthätigkeit, welche nur ein edles Herz auszuüben vermag. S p a n i e n. Madrid. Die spanische Regierung hat auch für die Insel Cuba Gewissensfreiheit proclamirt. Madrid. Der berühmte Deputirte der spanischen Cortes, Emilio Castellar, hielt sich jüngst in Biarritz (Frankreich) auf. Mehrere Israeliten, Mitglieder des Local-Comitös der „All. Jsr." nahmen diese Gelegenheit wahr, um Herrn Castellar, dem unerschrockenen Verteidiger der Gewissensfreiheit in Spanien, ihren Dank auszusprechen.

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