Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1869)
- Date
- 1869-10-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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X. Jahrgang. Beilage z« Nr. 41 des Israelit. Leitender Artikel. Die jüdische Ehr nach biblischen und talmudischen Grundsätzen. Von Dr. Aron Hirschfeld. (Fortsetzung.) Darum ist also früh schon als charakteristisch bei der Trauung der Ring eingesührt worden, der von Seiten des Bräutigams der Braut in Gegenwart mehrerer Zeugen feierlich übergeben werden soll, um symbolisch damit anzuzligen, daß obwohl er nun ein eigenes Reich beziehe und eme eigene Herrschaft sich gründe, so tleile er mit seiner Lebensgefährtin diese Herrschaft vollkommen gleichmäßig, indem sie vermöge des ihr übergeben'n Ringes nach Willkür schalten und walten könne*) Aber auch das übliche Umgehen der Braut um den Bräutigam, das die Rcformsucht unserer Zeit aus Unkcnnlniß der wahren Sachlage mit höhnischem Achselzucken belächelt und abznschaffen sich unbefugt anmaßt, soll die bildliche Darstellung des in der heilichen Schrift bei der Bestimmung der Gattin gebrauchten Ausdruckes ->:y sein. Denn dieses Wort bedeutet, wie bereits erwiesen, ursprünglich nichts anders als ein Umschließen, Umgeben und zeigt darauf hin, daß die Frau den Mann von nun an fest wie eine Mauer umgeben wird, und sollte dadurch der Gattin Werth und Einfluß vor aller Welt anschaulich gemacht werden, daß sie wie ein schützender Engel aller Orten ihn zu umgeben berufen ist, obwohl sie der schwächere und leicht unterliegende Theil ist. Daß sie aber von dem Manne nicht rauh und unfreundlich behandelt werden *) Ton den Israeliten ist später dieser Ring urter demselken Cpmtol er ch in die christliche Kirche ribtreegangen. Hier jedcch werden fälschlich die Ringe bei der Trammg gewechselt. Tenn nicht die Fron, scndcrn der Mann hat Herrschaft zu übergeben. Nur er, der Mcnn, begibt sich durch das Ueberreichen des Rrrxes an die Frau seiner Macht und thrili sie mir ihr gleich« asig Es beruht daher auf Mißverstand und Jrrthrm, wenn eich Israel,len aiS Rachaficrei und Rachatnmnossncht das Wechseln der Ringe bei der Trauung einsühren woMen". So hat ai ch Papst Gregor VII. bei der Einführung der Investitur! dem Ringe diese christliche Deutung gegeben, so wie der Fischer- > ring, den der Pabst selbst als Zeichen seiner eignen Macht und J Drude tragt. Em ähnl ch^s Tlwondmß batte aber auch der! Ring des vcnctlanischen Tog«n. Aus den Ring als Zeichen der Herrschast wurde ich von weinen, gelehrten Cchwiegervatcr im Allgewkinen ousmertsam gern echt und darüber weiter nachder.kend bin ich zu diesem Ergebnist gekommen. darf, soll in dem Zerbrechen des GlaseS, das an die Zerbrechlichkeit und Hinfälligkeit alles Irdischen erinnert, versinnbildlicht werden. Denn vorzüglich die Frau ist ein, dem Glase gleich, nur schwaches und zartes Geschöpf, daS bei der mindesten rauhen Berührung zerschmettert werden kann. Darum muß sie behutsam und mit Zartheit behandelt werden, wenn sie nicht leicht in Trümmer wie ein Glas zerfallen soll. Indch ist aber nicht zu leugnen, daß, trotzdem der Man« sich die größte Mühe gibt, seiner Gattin mit der größten Liebe und Feinheit entgegenzukommen, nichts desto weniger das Eheleben leider so oft durch Disharmonie und Uneinigkeiten getrübt wird. Aber solche unerquickliche Erscheinungen dürfen nicht Wurzel fassen, sondern müssen wie plötzlich erschienen« trübe Wolken, die nur auf Augenblicke d u heitern Scnnenglanz verdecken, bald vorübergehen und die Reinheit des mit Freudensternen besäeten Ehestandes desto klarer und ungetrübter wieder erscheinen basft«. Worin haben aber solche Zwistigkeiten und Friedensstörungen ihren Grund? Sie nisten größtentheits ln dem trüben Schlamme der Nahrungsstockung. O, Wfe oft entsteht durch die Gereiztheit und Empfindlichkeit des von Sorgen schwer heimgesuchten GemütheS ZUriß und Zwietracht unter sonst sich liebenden und gegewseitig zuvorkommenden Eheleuten, wie auch dieses' von unfern, des MeuschenherzenS so kundigen Weift« schon erkannt worden ist. (Baba Mez. S. 59.) Doch damit solche unheimliche, leicht in Fehden übergehende Sorge nicht allzusehr die Brust beider beängstigen und bedrücken darf: sollen beide stets eingedenk sein des während des TraunngSactes ihnen dargereichtrn Kelches des göttlichen Segens. Denn dieser, unter dem Trauhimmel ihnen zum Genüsse dargebotene Kelch des durch einen Segensspruch geweiheten Weines M ihnen die trostreiche Mahnung ans Herz legen, dsH, wenn auch der Ehestand ihre Bedürfnisse jetzt steigert und vermehrt, sie doch voller Zuversicht und Hoffnung der Zukunft entgegen gehen können, weil dieser unter dem Einflüsse des göttlichen Segens steht. Beide, Bräutigam sowohl wie Braut, müssen daher von diesem Segenskelche trinken, weil beide gleichen Antheil an den Freuden des Lebens hoben, ohne Unterschied sollen sie nun zusammen aus einem und demselben Borne der Glückseligkeit schöpfen, ohne Vorrecht genießen und ihres Daseins froh werden. Demnach deuten auch alle Ceremonien und Gebräuche, wie sie das Iudenthum beim Trauacte zur Anwendung gebracht hat, darauf hin, daß die Frü« dem Manne vollkommen gleichgestellt ist. Wenn nun schon seit dem frühesten Alterthume