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Der Israelit · 1869-10-13 · Heft 41 (13.10.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 41 (13.10.1869)
Date
1869-10-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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VW Qesterreichischer Karserstaat. Krakau. Wie der Kraj aus Krakau berichtet, kam es den 29. v. M. daselbst zu einem Zusammenstöße zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung. Die Ursache dieser Schlägerei war folgende: Drei jüdische Mädchen kamen den 29. v. M. g-zen 11 Uhr Vormittags in das Kloster der Norbertinerinaen am Zwierzynic, zeigten einen Revers des Consiftoriums vor, woraus ersichtlich war, daß sie zur katholischen Kirche übergehen wollten, und baten auf Grund dessen um Ausnahme in das Kloster. Die Oberin verweigerte ihnen aber dieselbe, indem sie behauptete, sie hätte keinen Platz für sie, und rieth ihnen, irgend einen andern Aufenthalt zu suchen. Auf Anrathen des Geistlichen Piksa wurden dieselben von dem Volksschullehrer Herrn BrzoSzinSki am Zwierchnic ausgenommen. Gegen, drei Uhr Nachmittags erschienen gegen zwanzig Juden im Kloster und verlangten die Herausgabe der Mädchen. Trotz der Versicherung der Oberin, daß sich dieselben im Kloster wcht befänden, wollten die Jud n das Kloster nicht verlassen, und erst als ihnen bedeutet wurde, wo die Vermißten zu finden seien, begaben sie sich dahin. Inzwischen war eine große Anzahl Juden herbmgekommen, stürmten das Haus des Herrn BrzoSzinski, schleppten die Mädchen auf die Gasse und schlugen dieselben unbarmherzig. Als einige christliche Bürger dieser Vorstadt diese Mädchen vettheidigen wollten, wurden sie mit Steinen beworfen und beschimpft. Es kam zu einer Schlägerei, die noch größere Dimenstonm annehmen konnte, wenn nicht der Herr Polizeicomm ffär Pafchma dazwischen gekommen wäre, die Mädchen per Wagen in das Haus ihrer Eltern und die Excedenten auseinander gebracht hätte. F e u i I I e t p n* Kraf oder Jude? ui. Marinka. Hell erleuchtet sind die Prunksäle des Hohensteinschen Palastes; die Tochter des Hauses soll sich mit dem reichen Grafen Dörnbach vermählen. Graf D. hat bisher als Rittmeister in der kaiserlichen Armee gedient, jetzt aber hat er seinen Abschied genommen, um seine junge Frau auf seine großen Güter zu führen. Es ist der Vorabend des Hochzeitstages; ein großes Fest wird gefeiert; Wagen aus Wagen fährt vor, und der dienstthuende Kammerdiener des Freiherr» ruft anmeldend die ersten und vornehmsten Namen der Kaiserstadt durch die geöffneten Flügelthüren. Schon ist die Gesellschaft ziemlich vollzählig; man harrt, um den Ball zu eröffnen nur noch des Brautpaares. Reich geschmückt sitzt die Braut in ihrem! Gemache mit Ungeduld auf dm Grafen wartend, der sie in den Salon führen soll. Wo weilt Graf Dorn-- bach so lange? ist es erlaubt, an diesem Abende auf sich warten zu lassen? Ach, wie gern würde Graf D. schon beim Feste sein; allein, gerade im Begriffe fortzugehen, war er aufgehalten worden. Aus Brünn, seiner früheren Garnisonsstadt, war eine ehemalige Geklebte auf die Kunde von seiner Vermählung herbeigeeilt und hatte sich dem Grafen zu Füßen geworfen und unter heißen Thränen ihn beschworen, sie nicht zu verlassen. Graf Dornbach hatte eine gefüllte Börse genommen und sie der Weinenden in die Hand gedrückt. Marinka, so hieß die Verlassene, hatte unter fürchterlichen Flühen, die sie auf das Haupt des Treulosen herabrief, die Börse weit weg geschleudert. „ Schändlicher,^ rief sie, „ich werde mich rächen!" Dann war sie davongeeilt. Der Graf konnte sich lange nicht erholen. Marinka war eine Waise, die sich von ihrer Hände Arbeit ernährt hatte. Der Graf hatte sie zufälliger Weise kennen gelernt und sie erst nach vielen Anstrengungen zu gewinnen vermocht. Nun hat er sie verlassen, die arme Tochter des Volkes! Er hatte ihr einen Brief geschrieben, in welchem er ihr die Nolhwendigkeit, sich standesgemäß zu vermählen, auseinander setzte. Graf Athur Dörnbach war der Letzte seines Stammes, und seine großen Güter waren LehnSgü'.er, die nur durch ebenbürtige Ehe seinen Nachkommen erhalten weroen konnten.. Auf diesen Brief hin war Marinka nach Wien geeilt und hatte den Grafen am Vorabende seiner Vermählung mit Bitten und Thränen vergeblich zu rühren gesucht. Lange nachdem Marinka mit dem Schrei der Verzweiflung ihn verlassen, saß Graf Arthur noch in seinem Zimmer, düster vor sich hin starrend, bis et sich endlich aufraffte, ins Hohenstein'sche Palais fuhr, um hier mit der ungeduldig harrenden Braut den Festball zu eröffnen. Am andern Tage fand im Stephansdome unter großem Gepränge die Trauung statt. Als der Priester die Hände des Brautvaares in einander fügte, hallte ein düsteres Hohnlachen durch die stillen Räume des Domes; hinter einem Pfeiler verborgen hatte Marinka der Ceremonie mitangewohnt. Graf Dornbach führte sein junges Weib nach Italien, wo die Neuvermählten den Rest des Winters verbrachten; als aber der Früh ing ins Land kam, da bezog daS gräfliche Paar das Stammschloß der Grafen von Dornbach. Hier verlebten sie stillvergnügt den Sommer, einem frohen Ereignisse entgegensetzend, und als der Wind über die Haferstoppeln fegte, da hatte dag alte Geschlecht der Grasen von Dornbach neue Reiser getrieben: G.ästn Agnes hatte Zwillinge geboren. — Mtt tiefem Schmerze hatte Marinka den Stephansdom verlassen; sie hätte sich ein frühes Grab

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