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Der Israelit · 1869-10-13 · Heft 41 (13.10.1869) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 41 (13.10.1869)
Date
1869-10-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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794 sich^ ob denn wirklich ein so äußerst dringendes Bedürfniß voilag, um von Seilen des Rabinats di« Erlaubniß zu v"' did'N zu veranlassen. Die Antwort war freilich leicht zu ertheilen, und mußte entschieden mit Nein ausfallen, Angesichts der obenerwähnten Thatsachen, daß bereits vor lj"> eine beträchlliche Summe gesammelt wurde. Angesichts des ferneren Umstandes — um auch noch diesen statt vieler Anderen hieber gehörigen zu erwähnen, — daß die fraglichen Unterstützungsbedürftigen ja in Fürth wohnen, und Nicht aus einem abgelegenen Dorfe, inmitten einer humanen Bevölkerung von mindestens 24000 Seelen, die ja größtentheils christlicher Confesston sind: kann da etwa von nupsj nuoD oder von ot^n dr^'N und demnach vorhandener dringender Psticht für die Juden, sofort am D"' ihre Börsen zu öffnen, die Rede sein? Gewiß nicht im Entferntesten. Da erinnerte man sich denn auch ungern daran, wie damals, als Herr Dr. Loewi um seine Initiative zu Gunsten der hungernden Juden Westrußlands angegangen wurde, er dieselbe Anfangs vei weigerte und erst später, als die Orthodoxen schon Bedeutendes geleistet hatten, sich zu einer Predigt für diesen Zweck entschloß. Einsender dieses will den Vergleich der beiden hier in Betracht gekommenen Nothfälle — die Hungersnoth einer ganzen Provinz gegenüber der Bedürftigkeit einer Familie — nicht ins Einzelne ausmalen, will die Gründe, die den Herrn Rabbiner in dem gegenwärtigen Falle zu einem so äußerst rührigen Eifer bestimmten, wie die, welche ihn bei dtm f üheren, sicherlich weit bedenklicheren Falle anfänglich mit solcher Unlust anS Werk gehen ließen, nicht näher untersuchen. Er wollte uns diesen Vorfall, der in den hiesigen orthodoxen Kreisen mehr oder weniger großes Äergerniß hervorgerufen, dem geehrten Leserkreise des „Jeraelit" zur Kenntniß bringen und mit der Veröffentlichung an und für sich schon einen Protest im Sinne des orthodoxen Judenthums gegen das obengeschilderte Verfahren des Herrn vr. Loewi kundgeben. Schließlich ist noch, wie oben angedeuttt, zu erwähnen, daß das Resultat der in den Synagogen selbst N"N veranstalteten Sammlungen ein ziemlich unbedeutendes war und dies wahrscheinlich deßhalb, weil der Ort hierzu nicht passend gewählt war, vielleicht auch, weil die Gemüther d^r Orthodoxen noch zu sehr durch die oben kntisirten Worte des Herrn Doctor verstimmt waren, als daß sie seiner Anregung so rasch Folge geleistet hätten. Einzelne sonstige Bestrebungen für Sammlungen in den Häusern der orth. Partei mußten deßhalb eines ansehnlichen Erfolges entbehren, da, weil diese Bestrebungen einer christlichen Familie galten, auch Christen mit Juden gemeinschaftlich fie hätten ins Werk setzen sollen; sonst mußten diese Sammlungen zu einseitig und in einer Stadt von der Größe Fürth's, wenn von Juden allein vorgenvmmen, als moralisch kaum berechtigt erscheinen. Bei einer von Juden und Christen gemeinschaftlich veranstalteten Hauscollecte würden die Anbänaer der Orthodox e gewiß nickt mit ihren (v?rhältnißmäßkgen) Gaben hinter ihren neologen Gl ubensgenossen zurückgestanden haben. Daß es ihnen um Eintracht und gegens itig humanes Verhallen der verschiedenen Eonfessionen ernstlich zu thun ist. das haben sie bei der Abstimmung über die Sckulsrage deutlich bewiesen und daß sie gerne und reichlich zu geben ein Herz haben, das l aben sie bei den Sammlungen für Westrußland aufs Schönste manisestirt. nrp w'n Ende September. Der Berliner Reformtempel wurde bekanntlich den verstossenen Sommer als Concertsaal benutzt; der hiesige Tempel scheint dagegen zu einem Theater umgewandelt worden zu sein. Denn, lieber Leser, bist Du gerade während des Laubhütteufestes tn Leipzig zur Messe, wie es bei mir der Fall war, und willst den Gottesdienst im Tempel besuchen, da schließen sich plötzlich die Pforten des HeiligthumS vor dir. „Hier kostet es Entree, das Bille.t zu allen Logen wird zu 1 Thaler verkauft." Und wenn Du glaubst, geschätzter Leser, der hochweisliche Vorstand zu Leipzig habe eine Ueberfüllung des Tempels zu befürchten gehabt, indem durch den Zudrang vieler Fremden, die zur Messe in großer Anzahl hier sind, die Gemeindemitglieder ihrer Plätze beraubt werden und dadurch Unordnung entstehen könnte — so bist Du gewaltig im Jrrthume. Augenzeugen haben mir mitgetheilt, daß der Tempel auch nicht einmal zur Hälfte voll war. Warum aber wird Entree erhoben? Antwort: Um den Gemeindesäckel zu füllen; und was schadet es dem Fremden, wenn er in Leipzig 1 Thaler mehr aus gibt, kann er sich ja dafür im Tempel so recht von Herzen erbauen und — amüsiren; ein Theaterbillet kostet's ja auch. Doch hat der Tempel schlechte Geschäfte gemacht; wie ich vernommen, haben sich nur wenige Fremde ködern lassen. Dieselben haben lieber in Privatbethäusern ihr Gebet verrichtet. M. S. Posen Der Kaufmann Elkeles, welcher vor einigen Jahren in Calisornien all sein Hab und Gut durch die Flammen einbüßte, verlor dabei aus Schrecken sein Gehör- und Sprachvermögen. Seitdem wohnte derselbe dahier bei seinen Verwandten, und konnte er seine Gefühle nur durch Gebärden oder Schreiben zu erkennen geben. Unlängst an einem Samstag, als er in der Synagoge und im Gebete vertieft war, stieß er auf einmal zur Verwunderung aller Anwesenden Laute aus, und seit dieser Zeit hört und spricht er wieder.

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