Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 41 (13.10.1869)
- Date
- 1869-10-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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793 Höhen, auf dem Rücken der vom Sturm aufgethürntten Wellen. — Die Morgenröthe ersaht der Erde Saumen und gestaltet mannigfach die Wolkenhülle, wie d s Menschen Hand den bildsamen Ton." — Es werden die Sitten der Thiere geschi dert, des Waldesels und der Rosse, des Büffels, des Nilpferds und der Krokodile, des Adlers und des Straußen. — Wir sehen „den reinen Aether in der Schwüle des Südwindes wie einen gegossenen Spiegel über die dürstende Wüste hingedehnt." Wo die Natur kärglich ihre Gaben spendet, schärft sie den Sinn des Menschen, daß er auf jesen Wechsel im bewegten Luftkreise wie in den Wolkenschichten lauscht, daß er in der Einsamkeit der starren Wüste wie in des wellenschlagenden OceanS jedem Wechsel der Erscheinungen bis zu seinem Vorboten nachspürt. Das Klima ist besonders in dem dürren und felsigen Theile von Pa'ästina geeignet, solche Beobachtungen anzuregen. Auch an Mannigfaltigkeit der Form fehlt es der dichterischen Literatur der Hebräer nicht. Während von Iosua bis Samuel die Poesie eine kriegerische Begeisterung athmet, bietet das kleine Buch der ährenlesenden Ruth ein Nturgemäcke dar von der naivsten Einfachheit und von unaussprechlichem Reize. Goethe in der Epoche seines Enthusiasmus für das Morgenland nennt es „das lieblichste, das uns episch und idyllisch überliefert ist."- So dachte Alex. v. Humboldt über die Bibel und die bibliche Naturanschauung! Solch' herrliche Zeugen für die Göttlichkeit der beil. Schriften, wie es Humboldt war, wiegen mehr in der Wagschaale der öffentlichen Meinung, als die seichten Bibelcommmtare moderner Reformatoren, als das Juden und Zudenthum besudelnde Gebeifer der Judenfeinde alten und neuen Datums!- Breslau, im September 18^9. Adolph Kohut. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Fürth, Ende Tischri 5630. Erlauben Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, daß ich Ihnen hiermit von einem Faktum berichte, welches an das in einer neulichen Correspondenz Ihres geschätzten Blutes gemeldete so einige Auftreten der hiesigen reliaiösen Parteien hinsichtlich der konfessionell gemischten Schulen si h der Zeit und theilweise auch der Sache anschl eßend, einesteils manches Erfreuliche, anderseits aber auch nickt wenig vom Gegentheil bietet. Es betrifft die für die Hinterbliebenen des ermordeten Kübler veranstaltete Sammlung und was sich Alles daran tnüp't. Wie nämlich die geehrten Leser dieses Blattes theilweise aus Zeitungen vernommen haben, war am 15. September (also am 2"') ein christl cher Bürger von hier, der Mehlreisende Kübler, durch einen Raubmord in der Nähe von Küps in Obertranken um- L den gekommen. K. war in den ihm näher gesiandenen Kreisen sehr geachtet, und da er eine Wutwe mit 8 unversorgten Kindern nebst seiner alten, blinden Mutter hinterließ, die nun Alle ihres Ernähr rs beraubt waren, so wurde an demselben A^end (18 September), an dem man die so glänzend ausgefallene Abstimmung über die Schulfrage feierte, bei dem deßhalb veranstalteten Bank tte eine Sammlung unternommen, welche den unglücklichen Hinterbliebenen sofort ca. 70 fl. einbrachte. Auch an den folgenden Tagen geschah, namentlich in jüdischen Kreisen und auf Betreiben des Herrn Rabbiners vr. Loe.vi Bedeutendes zu einer dauernden Unterstützung der fraglichen Familie. Nichtsdestoweniger war es recht schön und dem Principe des Judenthums vollkommen entsprechend, daß der Herr Rabbiner auch sein geistliches Amt;ur Anregung für fraglich »tt Zweck benützmd, in einer Predigt am ersten Tage des LaubbüttenfefteS die Anwesenden zu weiteren Beiträgen "aufforderte, und auch in den übrigen Synagogen die Einleitung von Sammlungen veranlaßt; hatten die hiesigen Israeliten sich erst wenige Tage vorher der großen Majorität ihrer christlichen Mitbürger im Geiste gegenseitiger Toleranz angesch offen, so halten sie hier eine weitere Gelegenheit, ihrer toleranten Gesinnung Ausdruck und zwar klingenden Ausdruck zu geben. Jederzeit bereit, wo es gilt Wohlthaten zu üben, ent'prach man g-rne der Aufforderung des Rabbiners, namentlich von neologer Seite; was die ortbodexe b trifft, werden wir weiter unten ihr deßfallsizes Verhalten zu besprechen haben. ES wurden also auf die Predigt des Herrn vr. Loewi demselben sehr reichliche Gaben behändigt. Aber man behänd gte sie ihm — und jetzt kommt daS Gegentheil des Erfreulichen — theilweise am v"' selbst und entsprach auch hierin den Worten deS Herrn Vr. L., indem dieser in seiner Predigt auch hiezu auf gefordert hatte. „Bringet mir noch heute eure Gaben, ich nehme Gold und Silber", das waren ungefähr seine Worte, (wie dem Einsender von glaubwürdigen Ohrenzeugen versichert wurde, „für einen solchen Zw.ck ist daö keine Sünde." Eine solche Sprache hatte der Herr Rabbiner (vor seiner Dekonrung mit dem Michaelsorden) noch nie oder mindestens in sehr langer Zeit nicht geführt, und sie erregte begreiflicherweise bei allen Parteien gleichmäßig die gröpe Sensation, wenn auch m t sehr verschev?nem Erfolge. Bei den Anhängern deS traditionell n Judenthnms, welche doch nicht zum weitaus größten Tgeile besagte Worte persönlich mit angehört halten, w ckren dieielben, wie sich leicht denken läßt, sehr unangehme Gefühle, bei nicht Wenigen wuk.iche Entrüstung. Man fragte