Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1869)
- Date
- 1869-10-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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773 reste intoleranter Zeiten, sondern um die sehr notwendigen Sabbathdrähte." Red.) Karlsbad. In Karlsbad wurde dieser Tage dev erste jüdische Bürger ausgenommen. Prosnitz. Unsere jüdische Gemeinde besitzt 14 wohlthätige Vereine. Vor Kurzem wurde wieder ein Gebäude, welches als Asyl für arme schwache Greise bestimmt ist und welches vr. Brecher-Stiftung genannt wurde, eingeweiht. Herr vr. Brecher ist Arzt und feierte vor einiger Zeit seinen 70. Geburtstag. Da wurde von Seiten des Vorstandes beschlossen, als Zeichen der Anerkennung seiner segensreichen Wirkung dies G'baude, welches semen Namen trägt, zu errichten. Herr Dr. Brecher practisirt bereits über 50 Jahre dahier und ist ein bis in die weite Ferne berühmter Arzt. Die Armen behandelt er nicht nur unentgeltlich, sondern verabreicht ihnen auch die Arzneimittel umsonst. Was wir aber besonders als große Seltenheit hervorheben wollen, ist, daß Herr vr. Brecher in der jüd. Literatur und hauptsächlich im Talmud bewandert ist und nicht versäumt, emige Stunden des Tages dem Studium im Talmud zu widmen. (Hamagid.) Die Stadt Gebtisch in Mähren wurde am 10. Sept. von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht. Das Feuer brach in einem dortigen Gasthause aus, theilte sich, in Folge des gerade herrschenden Orkans, mit rasender Schnelligkeit oen rechts und links angrenzenden Gebäuden mit unv nach kaum einer halben Stunde stand der ganze Stadtiheil in Hellen Flammen. Trotzd'm die gesammte Einwohnerschaft im Vereine mit den herbeigeeilten Nachbargemeinden wacker arbeiteten, um dem Brande Einhalt zu thun, wurden doch im Lause von wenigen Stunden 80 Wohngebäude sammt den dazu gehörigen Wirtschaftsgebäuden und Stallungen bis auf den Grund eingeäschert. Unter den niedergebrannten Gebäuden befinden sich die Pfarrkirche, die Schule und der israelitische Tempel. Am schwersten wurde von dem Brande die sogenannte Judenstadt betroffen. Leider kamen auch zwei Menschen ums Leben; ein Greisenpaar fand in den Flammen seinen Tod. Der durch den Brand verursachte Schaden soll sich auf mehr als 150,000 fl. belaufen. Peßch. Eine israelitische Deputation wurde am 5. Sept. in Pesth von dem ungarischen Ministerpräsidenten Grafen von Andrassy empfangen; der Sprecher der Deputation war cher Sanitätsrath Or. Ludwig Groß, welcher ein Memorandum überreichte, worin der Schutz für die in Serbien lebenden ungarischen Unterthanen mosaischer Religion erbeten wird. Graf Andrassy ließ sich die übrigen Mitglieder der Deputation und zwar die Herren: Ignatz Deutsch, Rudolph Herzog, Moritz Kanitz und Julius Wolfner vorstellen und gab die erfreuliche Antwort, daß er bei Gelegenheit der Aufhebung der Konsular-Gerichtsbarkeit, dem im Memorandum Vorgebrachten gemäß seine Aufmerksamkeit auch darauf richten werde, die Rechte der in Serbien lebenden ungarischen Unterthanen mosaischen Glaubens zu schützen. Pretzburg, 22. Sept. Die Affentirung der Stellungspflichtigen vom diesseitigen Komitat zog vorgestern die Aufmerksamkeit der Schaulustigen auf das Preßburger KomitathauS, vor welchem sich die Rekruten herkömmlicher Weise berauscht, durch Jauchzen und Schreien unterhielten. Unter den Zuschauern waren der Feiertage wegen namentlich viele Israeliten. Auf einmal entsteht ein Geschrei: „Rur kan Juden!" und die Berauschten fallen über die zusehenden Juden her, werfen ihnen die Hüte ab, und werfen selbst mit Steinen. Es wurden die Excedenten auseinander getrieben, einer aber, der sich besonders hervorthat, wurde unter ungeheurem Aufsehen durch Stadtgardisten und eine Militärpatrouille auf das Rathhaus gebracht, vor welchem sich eine große neugierige Menschenmenge ansammelte, die nur durch Drohung mit energischem Einschreiten auseinandergebracht werden konnte. Italien. Florenz. Herr R. G. Artom wurde mit großer Majorität zum Stadtratbsmitgl-ed in Casale wiedererwahlt. Dies ist um so erfreulicher, als die Wahl von einigen Blättern angegriffen wurde, weil Herr A. Jude ist. Rußland und Polen. Odessa- Man schreibt dem „Schwab. Merkur" aus Odessa, 16. September : Schlimme Folgen hatte ein gestern in der neuen jüdischen Synagoge vorgefallenes Unglück. Die jüdische Gemeinde hatte sich sehr zahlreich zur Feier des Versöhnungsfestes eingefunden, als gegen Ende des Gottesdienstes, um halb 6 Uhr Abends, plötzlich der Ruf „Feuer" im Tempel erscholl. Die Menge verlor, wie es bei solchen Fällen zu gehen pflegt, sofort total den Kopf, und namentlich die oben auf der Gallerte befindlichen Frauen stürzten mit solcher Gewalt aus die Treppe zu, daß in dem entsetzlichen Gedränge mehrere derselben umgeworfen und auf der Treppe jämmerlich zertreten wurden. Drei Frauen aus angesehenen hiesigen israelitischen Familien wurden lebensgefährlich verletzt hinweggebracht, und eine derselben soll bereits den erhaltenen Verletzungen erlegen sein. Der ganze Tumult war vollständig grundlos, da es nirgends im Tempel brannte; allem Anschein nach bat eine Bande von Dieben zuerst das Geschrei erhoben, um in dem Gedränge Beute zu machen, waS ihnen leider auch gelungen ist, ohne daß man bis jetzt derselben hätte habhaft werden können.