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Der Israelit · 1869-10-06 · Heft 40 (6.10.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 40 (6.10.1869)
Date
1869-10-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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770 rung ihren israelitischen Unterthanen volle und unbeschränkte Freizügigkeit innerhalb des großen Czarenreiches gewähre. 3) Man hat vorgeschlagen, in den verschiedenen Districten Fabriken zu errichten, welche Tausende von Arbeitern beschäftigen und dadurch Arbeit und Brod gewahren. Dieses Project würde, wenn ausgeführt, ebenso schleunige wie wirksame Hilfe bringen. Freilich hat die Ausführung ihre großen und bedeutenden Schwierigkeiten. 4) Man bat ferner vorgeschlagen, gleich wie im Elsaß und in Paris, jüdische Arbeiterschulen zu gründen. Diese Anstalten würden allerdings erst für die Zukunft segensreich wirken; doch würden sieden vielen Waisenknaben, welche der Hungertyphus zurückgelassen hat, sofort zu Gute kommen. Aus allem dem ergibt sich, daß vor allen Dingen viel, viel Geld erforderlich ist, und daß die zur Disposition stehenden 74,000 frs. (24,000 von der Familie Rothschild) erst den Anfang vom Anfang zu bilden, hinreichen würden; ich glaube jedoch, daß die beispiellose Mildihätigkeit unserer Glaubensgenossen große Summen aufbringen würde, wenn man nur erst mit praktischen, einleuchtenden und ausführbaren Plänen, die geeignet sind, der gegenwärtigen Noth abzuhelfen, und unter göttlichem Beistände ihre Wiederkehr zu verhindern, vor das Publikum treten würde. Es ergibt sich ferner, daß es nothwendig ist, eine Deputation nach Rußland zu senden, die sich durch eigene Anschauung von der Lage der Dinge überzeuge, darüber dem Publikum Bericht erstatte, angemessene Vorschläge zur Realisirung in Rußland selbst entgegennehme und zu den wirksamsten und ausführbarsten sofort den Grundstein lege. Zn Bezug auf die hierzu geeigneten Personen erlaube ich mir gleichzeitig einen Vorschlag zu machen. Die Deputation muß bestehen, 1) aus einem Manne, der seit langer Zeit die Gründung, Leitung und Beaufsichtigung von Wohlthätigkeitsanstalten zu seiner Lebensaufgabe macht, — also Sie, verehrter Herr; 2) aus einem praktischen Kaufmann, von hohen Fähigkeiten und durchdringendem Buck, der die Fähigkeit besitzt, schwierige Verhältnisse rasch zu übersehen und energisch zu deren Lösung zu schreiten. Ich kenne solch einen seltenen Mann; es ist Herr Joseph Hirsch ir>^ Halberstadt (Chef der Firma Aron Hirsch & Sohn); 3) aus einem jüngern Rabbiner, der zugleich als Secretär fungire, wozu ich Herrn Rabbiner Fr ei mann in Filehne (Schwiegersohn des Qberrabbiner Ettlinger zu Altona) vorzuschlagen mir erlaube. Sie waren so freundlich, mir mitzutheilen, daß unser hochverehrter Freund, Herr Crömieux bereit sei, eine Reise nach dem Norden und speciell nach Petersburg für obigen Zweck zu unternehmen; ich begrüße diese Nachricht mit Freuden. Eine solche Reise wird aber erst dann ersprießlich sein, wenn man mit praktischen Vorschlägen vor die russische Regierung zu treten im Stande sein wird. Vielleicht wird es mir möglich sein, Herrn Crömieux zu begleiten. An gewichtigen Empfehlungen an die höchsten und hohen Personen in St. Petersburg würde es mir nicht fehlen. — Sie wissen, Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland ist die Schwester meines Landesfürsten, Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen. Wie wäre es, hochverehrter Herr, wenn Sie die von Ihnen projectirte Reise nach dem Orient verschieben und erst diese so hochwichtige Angelegenheit erledigen möchten? Sollte das jedoch nicht möglich sein, so wünsche ich Ihnen eine recht glückliche und segensvolle Reise sowie eine fröhliche Wiederkehr, rm -an by um pnsr In bekannter Hochachtung und Freundschaft Ihr ergebener Lehmann. Mainz, den 29. September 1869. Gegenwärtiger Zustand unserer «othleidrnden Glanbeasbrüder tu Westcnsttand. Zu den Feiertagen hat Herr Ad. Crsmieux im Namen der All. Zsr. Unio. einen Aufruf zu Gunsten unserer Glaubensgenossen in Westrußland erlassen. Eine in Folge dessen veranstaltete Sammlung hat ca. 50,000 Fr. ergeben. Herr Albert Cohn fragt nun den Unterzeichneten um seine Meinung, wie diese Summe am Zweckmäßigsten zu verwenden sei. Folgendes ist die Antwort auf seine Anfrage: Ihr werthes Schreiben vom 17. hat den Entschluß, womit ich mich seit einigen Tagen getragen, rasch gezeitigt; das, was ich Ihnen aus eigener Zmtiative, um es bei der Alliance zu beantragen, zu empfehlen mir vorgesetzt, wird nun Beantwortung Ihres werthen Briefes. Als ich die Depesche erhielt auf die Alliance Fr. 5000 zu entnehmen und nur gleichzeitig auch einige Exemplare des Aufrufs unseres lieben und verehrten Präsidenten Herr Ad. Cremieux zugingen, war ich in einiger Verlegenheit, denn daß dieser Aufruf nicht 5000 sondern 50,000 Fr. bringen würde, das war mir sofort klar. Was aber mit dem Gelde beginnen? Zwar brauchte man sich deßwegen keine graue Haare wachsen zu lassen. Die Summen und wären es Millionen, sie würden in diesen 3 bis 400 ausgehungerten Städten wie ein Regentropfen nach langer Dürre,

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