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Der Israelit · 1869-09-29 · Heft 39 (29.9.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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gang 1868. Nr. 38 f. f.) ausführlicher auseiuandcrgesetzt, | einen mächtigen Reiz, wirken, wie ja bekannt, so schleij chend und unvermerkt auf das Gcmüth der Menschen i und in's Besondere aut das der unerfahrenen, leichti sinnigen und unbedachtsanten Jugend, das; bei ihnen; nach und nach alles Gefühl fürs Edle, wahrhaft j Schöne und Gute verloren geht und zuletzt jede Rej gung. jeder Keim für Religion und Tugend von Grund aus erstickt und zerstört wird. der dann durch kein Triebfeder mehr irr Bewegung gesetzt werden kann. Wie veredelnd wirkt dagegen das Streben nach guten Gesellschaften! Welchen entschiedenen, mächtigen und bleibenden Eindruck machen diese auf das Gemüth der zarten, für äußere Eindrücke leicht empfänglichen Jugend! Wie vortheilhaft wirken sie auf eine entschiedene, religiöse Richtung! Welch' ein schätzbarer Gewinn also für Kinder, welch' eine Freude für deren Eltern, wenn sie nur in gute Gesellschaften gerathen. in _ frommen Zirkeln sich bewegen! (Fortsetzung folgt.) Oestrich. M. Rosenwald. Lehrer. Indische Literatnrbriefe. Von Di'. Gustav Karpeles. VI. Als ich in meinem jüngsten Briefe Ihnen die Freude und das Vergnügen schilderte, das ich jedesmal empfinde, so oft ein Bericht über die Neugründung oder das kräftige Gedeihen einer echtjüdischen Lehranstalt zu mir gelangt, dachte ich nicht blos an den gehaltvollen Bericht der Rabbinerschule zu Eisenstadt, sondern auch an das gleichzeitig neu vorliegende Heftchen : Zweiter Jahresbericht über die hebräische Knaben- Unterrrchts-Anstalt des Dr. P. Neustadt in Breslau. (Breslau bei Sulzbach 1869.) Wie Ihnen bekannt, war der Schreiber dieser Zeilen selbst seit dem Entstehen dieser im Geiste des glaubenstreuen Judenthums organisirten Lehranstalt durch zwei Jahre an derselben thätig bis zu seinem Abgänge von Breslau. Es ist ihm dadurch das Kritikeramt wesentlich erleichtert; er braucht nur Gesehenes und Miterlebtes zu schildern, und kann so dem geneigten Leser ein getreues Bild vorführen, das als Ergänzung zu seinen mehrjährigen Berichten aus Breslau dienen mag. Obgleich zwei bedeutende — das heißt materiell bedeutende — Religionsschulen in der Breslauer Synagogengemeinde existiren, die beide ihren durch die religiöse Parteifärbung abgegrenzten Wirkungskreis haben, so hat sich doch in neuerer Zeit, adäquat dem unleugbar wiedererwacheuden religiösen Gefühle ein unabweisbares Bedürfnis nach einer Anstalt kundgegeben, deren Programm ein ausgedehntes hebräisches Wissen auf streng religiöser Grundlage bilden sollte. Dieses Verlangen sucht nun die nach den orthodoxen Musterschulen zu Frankfurt und Mainz organisirte hebräische Knabenunterrichtsanstalt des Dr. P. Neustadt aufs eifrigste zu befriedigen. Seit länger als 2 Jahren bestehend, zählt diese Anstalt nach dem vorliegenden Jahresberichte 72 Schüler jeglichen Alters von 4—14 Jahren, die je nach ihren Fähigkeiten von dem Leiter der Anstalt uno zwei akademisch gebildeten Lehrern unterrichtet werden. Doch der wesentliche Vorzug der Schule besteht in folgendem Umstande. Wie Ihnen, werther Freund, bekannt, beschränkt sich die Gesammtthätigkeit der sog. Religionsschulen in der Regel auf eine, höchstens zwei Stunden des Tages, gewöhnlich von 12—1 Uhr Mittags, wo die Kinder, man und ermüdet aus den Schulen kommen, und daher nur wenig Lust gerade zu dem Gegenstände mitbringen, der ihnen doch der wichtigste und heiligste im Leben sein soll. Diesem Grundübel suchte Herr Dir. Neustadt für Breslau auf eine sehr praktische Weise zu begegnen, indem nämlich die Stunden seiner Schule mit denen der öffentlichen Lehranstalten nicht collidiren und die Schüler zu jeder Tageszeit, sobald sie aus den öffentlichen Schulen entlassen werden, hier ihren Unterricht empfangen können. Gestattete es der Raum dieses geschätzten Blattes, so würde ich nicht anstehen, wenigstens den Lehrplan dieser trefflichen Anstalt, in der alle Gegenstände des jüdischen Wissens, vom hebräischen Lesen bis zur Gemara und den Ritual-Codices unterrichtet werden, an dieser Stelle mittheilen. Ich verweise jedoch statt dessen auf den höchst interessanten Jahresbericht selbst, der vom Herausgeber gegen eine freiwillige Spende für die zahlreichen armen Schüler der Anstalt gerne versandt wird. Dieser gehaltvolle Jahresbericht enthält nebst dem ausführlichen Lehrplan auch noch mehrere treffliche Schulreden des Herausgebers, eine Geschichte der Anstalt, und schließlich noch zwei Aktenstücke, die einen interessanten Beitrag zur Geschichte des gegenwärtigen Regimes im Staate der Intelligenz liefern. Herr Dr. P. Neustadt wollte nämlich, ausgehend von der Idee, daß wir unfern Kindern mindestens den Sabbath, die Grundsäule des Judenthums reiten müssen, sämmtliche Zöglinge seiner Anstalt zu dem in derselben stattsindenden Sabbathgottesdienste aus ihren Schulen für diese Stunden freibitten, wurde jedoch laut Beilage B. des Jahresberichtes von dem königl. Provinzial-Schul-Collegium — abgewiesen. Nach langen vergeblichen Versuchen, Recursen u. s. w. gelang es ihm endlich, daß den einzelnen Vätern gestattet wurde, ihre Kinder auf eine Stunde am Sabbath von 8—9 Uh r

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