Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-09-29 · Heft 39 (29.9.1869) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447433--07625-2463234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Beilage z« Nr. 39 des Israelit. Leitender Artikel. Aphorismen.- Pädagogischen und religiösen Inhalts. In verschiedenen Nummern des vorigen Jahrgangs dieser geschätzten Blatter haben wir Dir, lieber Leser, zu zeigen uns bemüht, wie an dcm Religionsverfalle, sowohl die häusliche-, als auch die Erziehung in dir Schule den größten Theil der Schuld tragen; haben nachgcwiesen, wie sowohl die Eltern, als auch die Lehrer und Rabbinm, als die 3 Hauptfaktoren bei der Erziehung, Lotung und Bildung der Jugend die Ursachen des erwähnten U bels sind. Nicht ohne Grund und Absicht legen wirken Hauptton auf das Wort „Hauptfaktoren;" denn, wenn wir auch in dem angeführtem Aufsätze uns nur mit diesem beschäftigt und manche andere Nebenfakteren, die ebenfalls, wenn auch nicht in dem Maaße, wie die dort zur Erörterung gekommenen, einen großen Einfluß auf die Erziehung und Bildung, also auä, auf die religiöse Richtung der Jugend üben, unberücksichtigt gelassen haben, so geschah das nur aus G'unde', um jenem Aufsatz keine zu weite Ausdehnung zu gebrn und das dort Versäumte in diesen B-ätrern nachzuholen, häufig hört man in der Ietzize't auch von rcligiöstn Eltern die Klage: Was. kann es uns helfen, wenn wir unsere K'nder auch noch so religiös erziehen, geben wir ilnen auch mit reit besten Beispielen voran und lassen v u )1? .v ch noch so Hebrä sch lernen und den bcst n Rclßsi nkunttnicht genießen: Drr „Umgang" und böse Gesellschaften sind mächtiger, als die E-z-ehnng im Hanse und in d"r Schule, üben einen weit stä kern und mächtigern Einfluß auf das Gcmüth der zarten Jugend und lasten einen bei weitem bleibenderen und anhaltenderen, bis ms späte Alter bei ihnen haftmden Eindruck zurück, als j ne. Und wenn nun erst unsere Kinder dem elterlichen Hause und der Schule entwachsen, unserer Beaufsichtigung, Leitung und Führung entrück: sind; wenn sie das elterliche HauS und vielleicht :uch die Heimath verlassen müssen; wenn sie in die Fremde, in die weite, wite Welt kommen, wo sie keinen Rathgeber, keinen Führer und Leiter haben und sich nun selbst rachen, sich selbst helfen und für sich selbst sorgen müssen; wenn sie, was besonders in größeren Städten häufig der Fall ist, in Gesellschaften gerathen, wo ihrer nur Verlockungen und Verführungen warten, wo die Schlange des Verderbens ihren Untergang entgegen steht; dann, dann, leider! wird der durch die! religiöse häusliche- und durch d'e Erziehung in der i Schule bei i-nsern Kindern gelegte gute Grund meder-! gerissen, jede, selbst die geringste religiöse Re, ung und der letzte religiöse Funke, von d.m man noch, falls er angpfacht werde, ein wobltbuendes erwärmendes Feuer zu erwarten berochtigt war, in ihnen er stickt. Daß dieie Klagen nicht ganz nngegründet und daher unserer Beachtung wohl werth sind, kann n'cht geleugnet werden. Wir erlauben uns daher, obige Frage zum Gegenstände unserer heutigen Erörterung zu machen und im Verlaufe derselben noch manches Andere, Verwandte und mit denselben im Zusammenhänge un* in engster Verbindung stehende mit in den Kre's unserer Besprechung hineinzuz'ehen. I. Umgang. Schon der weise Salomo warnt vor schlechtem und verderblichem Umgang, wenn er uns zürnst cn ’ju wn vn Q’NEn nnr\ Mein Sohn! wenn Sünder Dich verführen wollen, so willige nicht ein. Aehnliches sagen auch einige allbekannte deutsche Sprichwörter, von denen wir nur einige anführen wollen: Böse Beispiele verderben gute Sitten. Ein faules Ei verdirbt viele gute. Ein räudiges Schaf steckt die ganze Heerde an. Wenn Du mir sagst, mit wem Du umgehst, so will ich Dir sagen, wer Tu bist. In allen diesen und ähnlichen Sprichwörtern liegt eine tiefe Wahrheit, und verdienen dieselben deshalb auch unsere Aufmerksamkeit und Beherzigung: besonders aber sollten diejenigen Ettern und Erzieher, denen das körperliche und geistige Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, sie tief auf die goldenen Tafeln ihres Herzens schreiben und darnach handeln. Denn sicher ist es eine der ersten Hanptpflichten sowohl der Eltern, als auch des Erziehers, ihre, ihnen von Gott anvertranten und ihrer Fürsorge, Leitung, Bildung und Erziehung übergebenen Kinder vor bösen und verderblichen, sie ort am Körper wie am Geist für Zeit und Ewigkeit verderbenden Umgang zu bewahren: und gewiß ist es auch, daß sie kein zu wachsames Auge auf ihre Pflegebefohlenen haben, daß sie nicht vorsichtig und aufmerksam genug auf sie sein können. Denn bekannt ist es ja und bedarf daher keiner weitern Beweisführung und weitläufigen Auseinandersetzung, daß die zarte flatterhafte und unbeständige Jugend leicht empfänglich und daher nur zu geneigt ist, Gewohnheiten und Sitten, die sie an Andern sieht, anzunehmen und nachzuahmen: und leider ist sie es mehr für's Böse und Lasterhafte, als für das Gute und die Tugend. Böse Beispiele haben, wie wir solches auch schon in unserem Aufsatze: „Wer ist Schuld daran" u. s. w. (S. Jahr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.