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Der Israelit · 1869-09-29 · Heft 39 (29.9.1869) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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) 758 \) gut glauben, in einem Concertsaal sich zu befinden. — Nun muß ich Ihnen doch endlich von unserem Zemeinde-Vorstande ein characteristisches Histörchen erzählen, das dem Ganzen die Krone aufsetzt, ihm das ausgeprägteste Relief verleiht. Es ist dies wohl die dunkelste Partie in meinen neueren Berichten. Hören Sie und erstaunen Sie ob der Wundermähr! Bor etwa zwei Jahren machte derselbe einem von allen Seiten hochgeachteten jüdischen Literaten, welcher grundsätzlich jede amtliche Stellung stets zurückwies, um besser der Wahrheit dienen zu können, das Anerbieten zur Uebernahme einer kleinen Function. Der Literat, welcher der Gemeinde wie seinen Glaubensgenoffen überhaupt in vielen Fällen schon uneigennützig gedient hatte, erbat sich erst acht Tage Bedenkzeit, ehe er auf die Offerte einging, ehe er das Danaergeschenk annahm: immer und immer rumorte ihm der alte lateinische Vers im Kopf herum: timeoDanaos et dona ferentes. Doch endlich willigte er ein: das Princip der Unabhängigkeit wurde bei ihm von der Rücksichtsnahme auf eine ihm nahestehende unglückliche Familie, gegen die er die heiligsten Verpffichtungen hat, vollständig besiegt. Da geschah es plötzlich vor den hohen Festtagen, daß derselbe Vorstand, welcher ihm die Offerte so zu sagen aufdrang, diese ihm wieder entzog, und zwar aus dem — wahnsinnigen Grunde (so nennen ihn nämlich alle vernünftigen Menschen, die davon Kunde erhielten,) weil der ehrenwerthe Gelehrte das für die übernommene Function erhaltene Geld nicht in seinem Nutzen verwenden, an jene oben gedachte arme vielgeprüfte Wittwe nebst Waisen verschenken soll. Wie gefällt Ihnen das? Und ein solcher Vorstand mit solch sauberen Grundsätzen, mit solch sittlichen Anschauungen, der obendrein säst das ganze Jahr hindurch nicht das Gotteshaus besucht, und alles hebräischen und rabbinischen Wissens baar ist, der wagt es das altehrwürdige Iudenthum zu reformiren, seine ewigen Institutionen anzutasten, seine Fundamentalsäulen frevelhaft zu erschüttern! Wie, dieselben Männer vergießen im Theater bei einem Rührstücke Thränen darüber, daß eine junge Baroneß einen armen bürgerlichen Commis heirathet, den sie als einen edlen Wittwen- und Waisenbeschützer kennen gelernt h rt — ein solches Stück wurde hier wirklich neulich gegeben — und eben dieselben, welche einem solchen Menschen im Leben begegnen, kehren ihm gerade deßhalb den Rücken, fühlen sich von ihm, den sie zuerst ausgesucht haben, plötzlich zurückgestoßen! Doch nein, so verstockt ist die menschliche Natur nicht, der angegeben: wahnsinnige Grund, wie er hier allgemein heißt, wird wohl ein leerer Vorwand gewesen sein für die factisch erfolgte Entziehung des offerirten Beneficiums; der wahre Grund wird vielmehr verletzte Eitelkeit sein: darüber nämlich, daß gewisse Vorstandsmitglieder, welche gern eine öffentliche Rolle spielen möchten, nicht genug und nicht gehörig von jenem Literatew und Zeitungsschreiber beweihraucht wurden. Rmc illae lacrymae! — In meinem vorigen Brief sprach ich zweimal von einer Arbeitseinstellung der hiesigen Chebra-Kadischa, der geringeren Druckfehler in demselben Schreiben nicht zu gedenken. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. Sept. Die „Politik" berichtet folgenden kaum glaublichen Fall von hirnverbranntem a Fanatismus. Der den sch-historische Verein von Böhmen hielt kürzlich in Trautenau seine zweite Wanderversammlung. Es war nach dem Festbankette, und wie dies immer der Fall zu sein pflegt, man blieb noch beim W^ine; noch immer wurde toastrt, berufen oder unberufen, es sprach ein Jeder, der nur sprechen wollte. Nun ließ es sich auch ein Jude aus dem nahegelegenen Städtchen Eipel einfallen, die Rednertribüne zu besteigen. Kaum war dieses geschehen, als sofort ein Murren und Brummen den Saal erfüllte und Stimmen sich vernehmen ließen mit den liebenswürdigen aufmunternden Worten: „Herunter mit dem jüdischen Aas," oder: „Nieder mit dem Judcnhund" u. dgl. Bestürzt stieg der junge Mann von der Rednerbühne Herab, ohne auch nur ein, die Gesellschaft irgendwie beleidigendes Wort gesprochen zu haben, und nun fand ein Act der Rohheit und Brutalität statt, wie er nicht unter dem niedrigsten Pöbel, geschweige denn der „gebildeten intelligenten, deutschen Bevölkerung" Trautenaus stattstnden sollte. Nachdem nämlich der erwähnte junge Mann die Tribüne verließ, sielen die meisten der Anwesenden üb.r ihn her, hieben mit Fäusten auf ihn ein, ja ein Beamter vergaß sich so weit, eine volle Weinflasche dem Unglücklichen an den Kopf zu schlendern, so daß das Blut herabströmte und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte, um nur ein gänzliches Verbluten zu verhindern. Und keiner, ja keiner dieser Herren, die sich in ihrem verlendeten Eigendünkel intelligente Menschen zu nennen wagen, kein Mitglied der hochgeehrten Gesellschaft, die noch in pleno versammelt war, versuchte es, diesem rohen Treiben Einhalt zu thun. Witen Generalmajor Benedek beantwortete in der eilftm Sitzung der ungarischen Delegation die Interpellation des Herrn Ob.rgespan Ludwig v. Tißa in Betreff des Gottesdienstes in der Armee, daß eS Jedermann gestattet ist, seine Andacht zu verrichten. Ferner im Kriege wird in der mobilen Armee auch ein Rabbi angestellt. Niederlande. Amsterdam. Das dahier erscheinende „Weekblab voor Israeliten" berichtet, daß eine hundert-

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