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Der Israelit · 1869-09-29 · Heft 39 (29.9.1869) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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753 dem Herrn Rabbiner in feierlicher Weise überreicht werden solle. Auf die Seitens des Stadtmagistrats an Herrn Dr. L. ergangene Einladung sprach derselbe jedoch wiederholt die dringende Bitte aus, daß von irgend welchen Feierlichkeiten hiebei Umgang genommen werden möge, indem er bei seiner leidenden Gesundheit von derartiger Aufregung schädlichen Einfluß zu befürchten hätte. „Dieser Bitte", so lautete der officielle Bericht, „konnte nicht entgegengetreten werden und so -vurde dann der Orden in der Wohnung des Herrn Rabbiners ihm von dem Vorstande der städtischen Behörde überreicht." Am 30. August, Abends 9 Uhr, ward dem Herrn Rabbiner eine eben so schöne als ehrenvolle Ovation bereitet, indem die zum Schützenfeste hier gewesene Musik des kgl. 1. Infanterie-Regiments aus München — ihren berühmten Dirigenten, Herrn Obermustkmeister Siebenkäs, an der Spitze — am Schluffe ihrer sämmtlichen ^Vorträge vom Festplatze aus, unter Begleitung einer unabsehbaren Menschenmenge vor die Wohnung des Herrn Rabbiners zog und ihm eine Serenade brachte. Tiefzerührt dankte derselbe in wenigen Worten, indem er hauptsächlich der Gnade des Monarchen gedachte, und ein dreifaches Hoch auf Seine Majestät ausbrachte, in das die Menge unter den sofort angestimmten Klängen des „Heil unserm König Herl" begeistert einstimmte. Aus llnterfranken. Es ist heutzutage nicht selten der Fall, daß man jüdische Institute antrifft, in welchen dec Religionsunterricht mit einer solchen Nonchalance und so compendiös ertheilt wird, daß die Kinder, wenn sie die Schule verlassen, kaum das Nötigste wissen. Ein um so erfreulicheres Bewußtsein gewährt es dem religiös-denkenden Israeliten, wenn er Gelegenheit findet, Schulen zu besuchen, in welchen die verschi denen Zweige der ReligionSlehre mit aufrichtiger Gewissenhaftigkeit und mit wahrhaft regem Eifer gepflegt werden. Solche Schulanstalten verdienen alles Lob und jede Anerkennung und können m unserer Zeit nicht laut genug gepriesen werden. — Ich kann es daher nicht unterlassen, die erfreulichen Resultate, die die jüngste Relivnsprüfung an dem Handelslehrinstistute des Herrn Direktors Hirsch zu Mainstockheim geliefert hat, in Ihrem vielgelesenen Blatte zu regiftriren und den Beweis zu liefern, wie eS möglich ist, neben gründlichem Elementar- und Realunterrichte auch einen vollständig genügenden Religionsunterricht zu ertheilen. Es war am 22. August d. I., als Herr Distrikts- Rabbiner S. B. Bamberger zu Würzburg die P üfung in den Religionsfachern an dem genannten Institute vornahm. — Kinder, die dieses Institut erst kurze Zeit besuchen, können bereits den ganzen Pentateuch übersetzen und größtenteils die darin vorkommenden Gebote nach dem Buche Mizwoth Haschem erklären. Im Uebersetzen der Propheten und in der biblischen Geschichte wurde Ausgezeichnetes geleistet. Biele der Schüler konnten die D’JH, die ste im Bia "N gAernt hatten, auswendig. Ich konnte mich eines freudigen Staunens nicht enthalten, als ich auch die Prüfung in nvntyo und &od:i ein günstiges Resultat liefern sah. Die Leistungen des Herrn Directorö Hirsch auf dem Gebiete der übrigen Wissenschaften sind hinlänglich bekannt und ich behalte mir den Bericht über die Prüfung in den Elementar- und Handelsfächern auf später vor, da dieselbe in Folge einer Anordnung der Schulmspection auf das Frühjahr verlegt wurde. Ich halte es für ein verdienstliches Werk, diejenigen Ettern, denen es neben gediegener Bildung um gründlichen Religionsunterricht zu thun iit, äuf das Handelslehrinstitut des Herrn Hirsch zu Mainstockheim aufmerksam zu machen und kann hier den Wunsch nicht unterdrücken: Möge mehrerwähntes Institut sich immer wie bisher einer zahlreichen Frequenz erfreuen. Helios. Dresden. Der Direktor des preußischen Telegraphenamtes in Dresden soll dem „Iew. Rec " zufolge, ein Jude sein, welcher früher Officier in der preußischen Armee gewesen sei. Königsberg. Briefe von M. Almoni (vr. M. Freystadt.) Sechster Brief vom 17. Sept. 1869. Die auch von vielen unserer Glaubensgenossen besuchten Festivitäten zu Ehren seiner Majestät des Königs von Preußen und feines hohen Gefolges sind leider am Montag Abend während der königlichen Gondelfahrt auf dem romantischen Schloßteiche, dessen Gärten alle prächtig illumimrt waren, durch eine furchtbare Katastrophe getrübt und unterbrochen worden. Das Geländer der mit Zuschauer überfüllten Schloßteichsbrücke brach plötzlich ein und Hunderte von Menschen stürzten ins Wasser, von denen über 30 Personen, darunter eine ganze Familie ertranken. Von Juden ist Niemand umgekommen. Schreiber dieses passirte 5 Minuten vor dem entsetzlichen Unglücke die verhängnißvolle Brücke, und wird so oft er an die Stelle kommt, Gott für das ihm erwiesene Wunder danken und preisen (DJ nffj/Kf nin DipD3.) Der König war tief ergriffen von dem schrecklichen Ereigniß, bestellte sofort alle weiteren ihm zugedachten Festivitäten ab und spendete 1000 Thlr. für die Hinterbliebenen. — Den Abend darauf begann das Kol-NidreFest und alle sechs Synagogen waren von einheimischen und fremden Betern und Beterinnen überfüllt. Von einer Orgel, diesem dem jüdischen Gemüthe fremdartigen Instrumente, sind wir diesmal noch gottlob verschont geblieben. Die in der einzigen Reformgemernde angestimmte Musik zu dem vom Prediger allein vorgetragenen deutschen Gebeten — Hebräisch versteht Herr Goldmann aus Ostrowo nicht — kommt gar nicht in Betracht. Man konnte eben

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