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Der Israelit · 1869-09-16 · Heft 37-38 (16.9.1869) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 37-38 (16.9.1869)
Date
1869-09-16
Page
– (sequence 19)
Language
German
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735 der kann nimmermehr Buße thun, aber wer Viele zur Tugend leitet, der kommt zu keiner Sünde," und das möchten doch Ihre Herren Reformer berücksichtigen, daß diejenigen, welche noch nicht angelockt sind von der der Glaubensmode, sie, die noch wachen über ihre Gemeinden als wahre und treue Hirten und ihre Schaflein führen an den Born der Wahrheit, der Aufrichtigkeit u. s. w., sie bedürfen am allerwenigsten einer Reform der Gesetze und des Gottesdienstes. Also für wen ist eine Reform vonnöthen? Eine Reform zur Läuterung und Veredlung der Gebete? — Dieses ist cs, Herr Lehrer, worüber ich heule noch zuletzt mit Ihnen ein Wörtchen im Vertrauen sprechen möchte. Nach dem, was ich voir Ihren Gebeten erfahren und gelesen habe, muß ich gestehen, daß sie mir ganz großartig erscheinen sowohl hinsichtlich der Diktion, als ^auch des poetischen Inhalts. Es ist wahr, unter allen fremden Sprachen, die ich am dem Gymnasium uttb auf der Universität zu M. u. G. getrieben, ist mir die Hebräische Sprache am schwersten gefallen: aber das muß ich Ihnen eingeftehen, angezogen und begeistert hat sie mich sehr und rechne ich noch heute die Stunden, in welchen unser Professor ein Kapitel aus dem IesaiaS oder aus den Psalmen Davids im Urtext vortrug, zu den glücklichsten meines Lebens, und nicht weniger diejenigen, in welchen er einen Satz aus der Gemara erläuternd besprach. Änd diese Gebete, an denen Männer gearbeitet, wre Salomo Levi, Gabirol u. a. m.. Männer, die noch für alle Zeiten als Sterne erster Größe am Gelehrtenbimmel glänzen werden, Männer, welche ihre Kraft ihr Leben und ihr Herzblut daran gesetzt, das Volk ^Israel zu belehren und ihnen zu zeigen den Weg des Segens und Heils, und diese Gebete, die schon so lange Zeiten Ihre Nationerquickt und beseeligt, sollen so nolsns ▼olens über Bord geworfen, verstümmelt, in den Schuh der Mode eingezwangt und einer Versammlung von Rabbinen und Laien zur Secirung unterbreitet werden, die nicht würdig sind, den Verfassern und Ordnern Ihrer Gebete „den Schuhriemen zu löscil", um mich eines neuteftanrentlichen Ausdruckes zu bedienen? Wahrlich hier findet Anwendung: „Hie traorat aqua." Nachdem wir dem w humanen Herrn — ohne Falsch und Trug — die nöthige Aufklärung in Allem gegeben , empfahlen wir uns ihm bestens und drückten! ihm mit aufrichtigem Dank die Hand mit dem Bewußtsein, einen Mann kennen gelernt zu haben, wie es vielleicht unter der „anderen Nation", besonders unter deren Geistlichen, wenige gibt. Zuletzt rufen wir dem so liberalen Herrn noch ein Wort von Bürger zu: ..so ist es geschehen!" Allein er verbot mir den Namen. Gott laß es dem Edlen doch wohl ergehen! Das bet ich herzinniglich, Amen. Schötmar. Joseph Oppenheim, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. WeiHkirchern (Mahren). Wie Ihnen vielleicht bekannt, hat die mährische Gemeinde Weißkirchen den Prediger Herrn Dr. M. Deutsch au- Pilsen zu ihrem Rabbiner erwählt. Dieser Herr, ein echt orthodoxer Jehudi, ein pietätvoller Schüler und begeisterter Verehrer des Herrn Ihr. Hildesheimer, ist auch in weiteren Kreisen durch mehrere Predigten, die auf Wunsch des Pilsener Gemeindevorstandes gedruckt wurden, sowie durch sein Werk „Lol voäi, eine biblische Blumenlese" auf das Rühmlichste bekannt. Dem neulich gegebenen Beispiele eines Herrn Berichterstatters aus Crefeld folgend, erlaube ich mir Ihrem geschätzten Blatte hiermit einige Mittheilungen über dm wahrhaft schönen Empfang, der dem hochw. Herrn hier zu Theil wurde, zukommen zu lassen: Am Donnerstag den 29. Juli apy 's »ar unsere Stadt von einem ungewöhnlich regen, freudigen Treiben bewegt. Ueberall an der Straße und am Bahnhof wogten dichte Menschenmassen, die sich zusammengefunden, um den mit dem heutigen Tage ein- Ireffenden Herrn Rabbiner zu begrüßen. Als um 2lk Uhr der Zug anlangte, wurde der hochw. Herr von den Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in corpore empfangen und in ein am Bahnhof in Bereitschaft gehaltenes Zimmer geführt, damit er dort seinen Ornat anlege. In feierlichem Aufzuge, gefolgt von mindestens 30 Wagen und stets umdrängt von einer freudig erregten Menge, fuhr nun der Herr Rabbiner bis an das Stadtthor. Hier ragten aus dem Gewühl vier junge Leute hervor, die einen Baldachin trugen, unter den der hochw. Herr alsbald treten mußte. So wurde er nun unter ungeheurem Zudrang des Volkes, das Spalier bildete, nach der prächtigen Synagoge geführt. Diese selbst war auf das Schönste geschmückt und selbstverständlich bis auf den letzten Platz gefüllt. So mußte dann der Herr Rabbiner ohne Verzug, man kann wohl sagen, direkt vom Waggon auf die Kanzel steigen. In liberalster Weise hatten sich auch die christlichen Behörden an der Feier betheiligt und waren in ihren Spitzen vertreten. Der General mit dem ganzen Stabe, der Bürgermeister mit dem ganzen Stadtrathe, der Bezirkstzauptmann u. s. w. waren anwesend, und letzterer richtete nach der Predigt eine Ansprache an den Herrn Rabbiner, die dieser tiefbewegt erwiderte. Nach Beendigung der Feierlichkeit wurde der Herr Rabbiner wieder im Triumphzuge, von dem iör. Bürgermeister in seine schöne, geräumige Wohnung eingeführt, wo eine reichbesetzte Tafel, bedeckt mit vielen nnd werthvollen Geschenken.seiuer wartete. Nachdem dann bis Nacht der Ruhe und Erholung Zeit gegönnt war, stellte sich wieder der gesammte Vorstand beim Herrn Rabbiner ein, um ihn zu Dnyo r6’sn abzuholen Als der Herr

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