Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 37-38 (16.9.1869)
- Date
- 1869-09-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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734 habe so Vieles auf dem Herzen, worüber ich mir Ihre gütige Aufklärung dringend erbitte." Mit diesen kurzen, aber herzlichen Worten wurden wir von oben angedeuteten Herrn Pastor empfangen und fuhr derselbe, nachdem er die Sache, betreffend einen zum Christenthum übergetrctcncn jungen Menschen, mit uns besprochen, in seiner Rede weiter fort. „Hören Sie doch einmal , l. Herr", so begann er wiederum, „da habe ich unlängst in verschiedenen Blättern und Zeitschriften gelesen, dasz mehrere Rabbiner und Gelehrte Ihrer Nation an sämmtliche israelitische Gemeinden und Vorstande Deutschlands, Frankreichs, Italiens und sogar bis jenseits desOceans — Amerika — Sendschreiben gerichtet mit dem Bemerken : Mitte Sommers in der Stadt Leipzig zu einer Synode zu erscheinen, um daselbst zu berathen „über eine Reform des Gottesdienstes", über „Rcgulinmg der Speisegesetze", über „Läuterung und Veredelung der Gebete" u. f. w. u. s. w. Eine Synode von Rabbinen und Laien über „Reform des Gottesdienstes" — inmitten der europäischen Iudeicheit? Welch' lbörichler Gedanke? welch' eitler Wahn? Als wenn der Gottesdienst bei Ihnen, l. Herr, rewrmirt zu werden braucht: als wenn er nicht schon Jahrtausende zum Segen und Heil, Nutz und Frommen aller Edlen und Religiösen bei Ihnen bestanden und vielen Millionen Ihrer Glaubensgenassen Trost und Zuversicht in Leid und Drangsal, Hoffnung und Vertrauen in den Zeiten mittelalterlicher Verfolgungen gebracht uitb die erquickt und ergötzt hat, die schon längst im L taube der Erde schlafen. Ich frage Sie um Gotteswillen, für wen ist denn eigentlich eine Reform des Gottesdienstes oonnöthen? - Etwa für diejenigen, die schon längst das ihnen von ihren Vorfahren unö Ahnen mit Schmerzen und Zähren durchwebte und verwebte Gewand eines treuen und wahren Juden abgestreift, sich in das chameleonartige schillernde Kleid eines „modcrnisirten Israeliten" geworfen und nur noch Juden und Anhänger des Mosaismns — dem Namen und der Abstammung nach sind? — Für solche gewiß nickt. Diele haben sich ja schon längst germaninren lassen und sind aus der Kette der Jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen; oder etwa bedarf's einer Reform für diejenigen unter Ihnen, die sich so gerne „der Gottheit" prahlen, wie Luther so 'ehr schön sagt und sich „Diener im Weinberge des Herrn" tituliren lassen > — Für diese doch sicher auch nicht! Sie. die doch dem Namen und Stande nach dazu berufen, die Feinde; Atheismus. JndifferentismuS u. f. w. in Schach zu hatten; sie, die doch wissen sollten, daß in allen Dingen das Alte und Erprobte, seit Jahrtausenden Bestehende am besten und zweckmäßigsten sei; ne, die doch einsehen sollten, daß Gottesberehmng, - Gottesdienst, — Religion und Moral nur da heilsam wirken, wo sie mit ganzem Herzen, mit Leib, Geist, Seele uitb Verstand ausgeübt werden; nicht gekünstelt, nicht aus andern Kulten hineingetmgcn, nicht mit den Haaren herangezogen mit Pomp und äußerm Gepränge, wie ich in großen Tempeln in Berlin und Hamburg mit eigenen Augen gesehen, sondern mit Andacht des Herzens — mit Verstand, Geist und Seele. Aber gerade sind es ja Ihre Herren Doktoren und Rabbinen neuern Styls und Datums, die den Ruin Ihres ganzen Mosaismns herbeitühren und herbeigeführt haben. Glauben vielleicht diese Herren durch öffentliche Aufforderungen, betreffend Modernisirung und Germanisirung des Iudenthums, Abschaffung der alten bei den meisten Israeliten in Fleisch und Blut übergegangenen Glaubensdogmen zu glänzen und in die Annalen der großen Reformatoren verzeichnet zu werden — so irren sie sich gewaltig, denn Nichts hat mehr Zukunft als Glaubenstreue, 'männlicher Mutti. Wahrheit und Aufrichtigkeit. Vor jedem Ihrer Glaubensgenossen habe ich Achtung, der es ernst meint mit sich selbst und Andern, sowohl in Wort als auch in Schrift, und haben sich Männer unter ihnen, wie Hirsch, Sachs u. a. m„ deren Schriften ich kenne, unsterbliches Verdienst und ein ewiges Monument. nicht prangend durch großartige Phrasen, sondern durch die Ihnen vorhin mitgetheilten Fakten, gesetzt. Eine Synode zur „Rcgulirung der Speisegesetze?" Nichts Einfältigeres und Abgeschmackteres kann es geben, als wenn Ihre Seelenhirten! ihre kostbaren Stunden über ein soches Thema verlieren, über eine Sache zu discutiren und zu berathen, die Ihnen sehr heilig und hehr erscheinen muß, da Sie hierdurch bis dato von andern Nationen geschieden, und vielen Jahrhunderten, ich möchte sagen Jahrtausenden, allen Einflüssen und Stürmen der Zeit getrotzt haben. Ist etwa das Speisegesetz bei den Gemeinden und von den Gemeinde-Mitgliedern, welche die Ehre hatten, ihre Seelenhirtcn nach der Metropole des Buchhandels und der Intelligenz zu einer Synode zu schicken, noch nicht früher übertreten worden, sind etwa solche Gemeinde- Mitglieder gezwungen, das Speisegesetz zu halten, sich nach den Dogmen der Kirche zu richten. wenn sie bei sich fühlen, davon dispcnsirt zu sein; oder steht etwa das Speisegesetz jetzt den Israeliten im Wege, wenn sie sich um eine Staatsstelle beworben, nachdem von dem humanen Wiggers in Berlin so warm für die Juden plaidirt und die Gleichstellung aller Confessionen parlamentarisch ausgesprochen ist? — Sicher nicht. Warum sich denn also um des Kaisers Bart streiten und Eulen nach Athen tragen, um über Dinge zu berathen und zu Beschlüssen zu erheben, über die man längst hinaus ist, über deren Erörterung noch die spätesten Geschleckter und Generationen die Achseln zucken und mitleidig täfeln werden! Ich erinnere mich noch aus meinein Universitäts- Leben, daß der berühmte Professor der Theologie und Philo-- sophie E.... in G.ctne stelle in seinem Pirtc Aboth" so übersetzte -): „Wer Viele zum Laster führt, (•f> ooi? oa v'vstvr, 17» Sr to frr>n \'b o*37C* r>f> rciw Sa T>\ZT3 H’3