Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-09-16 · Heft 37-38 (16.9.1869) · page 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 37-38 (16.9.1869)
Date
1869-09-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447432--07599-2463207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

736 Doctor nach Beendigung des Gottesdienstes die Synagoge verließ, erglänzten auf dem Schulhof viele schöne mit sinnreichen Inschriften versehene Transparente. Dann vereinigte man sich in der Behausung des Herrn Rabbinen zu einem Festessen. Um 9 Uhr wurde dem Herrn Rabbiner ein solenner Fackelzug, begleitet von der städtischen Schützenmusik dargebracht. So wurde denn bis spät in die Nacht hinein getrunken, toastirt und gesprochen, während die Weihe des Festes durch die Anwesenheit des pp"i V'dn pwn :nn erhöht wurde. Am folgenden Tage liefen viele werthvolle Geschenke ein, und am naa/ predigte der Herr Rabbiner unter ungewöhnlichem Bdisall. Wahrlich! Eine Gemeinde, die einem solchen Manne einen solchen Empfang bereitet, ehrt sich selbst damit nicht minder als den Mann ihrer Wahl und legt ein erfreuliches Zeichen ab, von dem echt jüdischen und religiösen Geiste, der in ihr lebt und wirkt. G. K. Galizien. Wie aus Lemberg berichtet wird, wurden in der vorgestrigen Sitzung des Gemeind erathö die bisher bestandenen Beschränkungen, die Wählbarkeit der Israeliten in den Gemeinderath betreffend, einstimmig aufgehoben. Tarnow. Herr Lehrer A. Süßkind aus Iaroslau veröffentlichte vor einiger Zeit im „Hamagid" folgende Begebenheit: Vor zwei Zähren verheiratete ich meine Tochter an einen jungen Manne aus Tarnow. Derselbe verließ aber, nachdem er das Vermögen seiner Frau in kurzer Zeit verschwendet hatte, seine Frau und wanderte nach America aus. Die Frau hatte unterdessen einen Sohn geboren, als nach Verlauf eines Jahres von Hamburg aus ein Brief vom Manne einging, in welchem er alles Geschehene zu bereuen schien, ein besserer Mann zu werden versprach, und seine Frau dringend bat, zu ihm nach Hamburg behufs Uebersicdlung nach Amerika zu kommen. Nachdem er mehrere solche Briefe geschrieben und zuletzt die Drohung ausgesprochen, daß er im Falle der Weigerung niemals zu seiner Frau zurückkehren werde, entschloß diese sich endlich die Reise zu unternehmen. Sie verkaufte einen Theil ihrer Schmuck- | sachen, um die Reisekosten zu bestreiten. In Hamburg traf sie ihren Mann und reiste v t ihm nach London.! Von ihrem Gelde waren ihr nur noch 35 Thaler übrig j geblieben. Der Mann «achte den Vorschlag vorerst in London nach Arbeit zu suchen und nachdem er nach wenigen Tagen auch das wenige Geld aufgrzehrt war, wußte er feine Frau, die nichtes Böses ahnte, zu bereden, ihre mitgebrachten Kleider zu verpfänden, damit er für den Erlös allein nach Amerika reisen könne, woselbst eS ihm ein Leichtes wäre, in kurzer Zeit so viel zu erwerben, um seine Frau mit ihrem SÄHae Nachkommen zu lassen. Der schlechte Mann verließ zum zweiten Male seine Frau, die nun hilflos und fast nackt in der großen Stadt zurückblieb. Die Frau klagte ihre Noth ihrer Wirthin und diese erzählte es in einem CaffeehauS, wo gerade mehrere GlaubcnSgenoffen, unter Andern auch der in diesen Blättern schon mehrmals rühmlichst erwähnte Herr G. Worms zugegen war. Derselbe hatte Mitleiden mit der Frau, sandte ihr seine Adresse nebst 1 Pfund Sterling, daß sie nach seinem Hause fahren könne. Daselbst angekvmmen, empfing sie Herr Worms auf'S freundlichste, redete sie in deutscher Sprache an und erkundigte sich genau nach ihren Verhältnissen. Nachdem er sich überzeugt, daß sie eine rechtschaffene Frau sei, und nachdem er ihr vorgeschlagen, daß sie ihm ihr Söhnchen zur Erziehung überlassen möge, sie aber erklärte, daß trotz ihrer Armuth und Hilflosigkeit sie sich nicht von ihrem Kinde trennen könne, sprach er zu ihr: Seien Sie unbesorgt, ich werde dafür Sorge tragen, daß Sie wieder zu Ihren Eltern zurückkehren können. Zugleich gab er ihr wieder 1 Pf. Sterling und ließ sie in das CaffeehauS zurückkehren und gab daselbst Ordre, daß man sie und ihr Kind auf seine Kosten speise. Am zweiten Tag kam Herr Wcrms in Begleitung des Prediger» Herrn Green zu ihr und machte ihr die freudige Mitteilung, daß er auf dem Pfandhause ihre Kleider eingelöst, und daß er eine Schiffskarte für sie gelöst, damit sie zunächst nach Hamburg fahren könne. Außerdem versah er sie reichlich mit Geldmitteln zur Bestreitung der Reise bis in ihre Heimath. Nachdem sie Herr Worms ersucht, ihn lei ihrer Ankunft in Hamburg und jZaroslau von ihrem Befinden und dem ihres Söhnckcns zu benachrichtigen, reiste sie von London ab. Vier Wochen nach ihrer Ankunft in der Heimath, unter vielen Dankesbezeugungen, erhielt ich einen Brief von Herrn Worms mit einer Anweisung an die Eökomte-Gesellschaft in Wien auf 125 Thlr. zur Bestreitung der nöthigen Einrichtung für meine Tochter. Diese edle Handlung des Herrn Worms bedarf keiner weitern Lobeserhebung, die Thot spricht für sich. Frankreich. Paris. Ein junges kathol. Mädchen wurde jüngst, nachdem es den entsprechenden religiösen Unterricht erhalten und vorher viele Beweise seiner vollständigen Urberzeugung gezeigt hat, in den iSr. Glauben ausgenommen. (TJn isr.) BkranuvorUiche Kcbocfoii: Dr. Lehmann. — Berlag der Le Roux',chm Hostuchhandlung. — Lan-Pf-Schnellvreffendruck von I. GvttSleben in Rain».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.