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Der Israelit · 1869-09-16 · Heft 37-38 (16.9.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 37-38 (16.9.1869)
Date
1869-09-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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7L7 Syuode zugesagt hatten, sind am Ende noch einige, wie z. B. Stadtberge, Vlotho, PöckelSheim und andere, andern Sinnegeworden und haben ihre Abgeordnete ruhig zu Hause gelassen. Daß die Provinz Westphalen überhaupt nur ein kleines Contingent stellen würde, hatten wir früher auch vorhergesagt und bedurfte es hierzu für den, der mit den diesseitigen Verhältnissen nur einigermaßen vertraut ist, keiner Prophetengabe. Doch, eines hätten wir bald zu er- . wähnen vergessen; wir meinen nämlich die Vertretung des Lehrerstande-. Dieser war gar nicht eiugeladen, sondern völlig ignvrirt worden. Ueber eine solche Hintenan- und Zurücksetzung war man gewaltig in Harnisch gerathev, so daß sich in den neologen jüd. Zeitschriften (Zeit, d. I. u. iSr. Lehrer) eine heftige, in gegenseitig erbitterter Sprache geführte Polenek entspann; es wurde gewaltig auf die ComitLuntglieder und besonders auf Philippson, nach welchem nur diejenigen Lehrer bei der Synode zugelassen werden sollten, die jüd. theologisches Wissen besitzen, geschimpft. Andere meinten, solches ließe sich bei jedem jüd. Lehrer voraussetzen. Endlich, als man über diesen Punct lange genug hin- und hergestritten hatte, wurde beschlossen, diejenigen Lehrer, welche an öffentlichen jüd. Schulen angestellt sind, zur Versammlung zuzulaffen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Viftnstadl, Dienstag D'asn “vid^ 5629. Es gibt im jüdischen, wie im menschlichen Leben überbaupt Zeiten genug, in welchen man der persönlichen oder lokalen Interessen uneingedenk, die Gesammtheit und deren Anforderungen einzig und allein vor Augen haben muß. Der Mensch ist jedoch selbst im opferfreudigsten Iehudi selten so stark, daß er kn Zeiten, in welchen er seine eigenen, den Gesammtintereffen zum Opfer bringt, seines persönlichen Verlustes nicht einmal mit einigen Thränen gedenke.-Schreiber dieser Zeilen ist überzeugt, daß vr. Hildesheimer dem Rufe nach Berlin im Intereffe der Gesammtorthodoxie folgen mußte; und hatte es mich auch tief geschmerzt, daß den vaterländischen Juden eine solche Kraft entzogen werde, so wurde dieser Schmerz von der zuversichtlichen Hoffnung verwischt, daß Dr. Hildesheimer in Berlin angestellt, dieses zum Herzen der gesammten Orthodoxie machen werde, das allen entfernten Gliedern jüdischer Bevölkerung jüdische Gluch und jüdischen Geist zuführen wird. Heute jedoch, wo der Abschied nunmehr geschehene Sache ist, bin ich so durch und durch ungarischer, ja so durch und durch Eisenstädter Iehudi, daß auch dieser Bericht unwillkürlich das Gepräge meiner wehmüthigen Stimmung wird haben müssen. — Wer nicht die Hunderte von wunden Herzen, die thränerfüllten Augen einer zahllosen Menschenmenge gesehen, wer nicht gesehen, wie sich, nachdem der theure Rabbiner fortgefahren war, nicht nur die hiestgen Armen, denen er Alles war, sondern selbst Männer aus den angesehensten Ständen zur Erde warfen und herzzereißend jammerten und klagten; wer ferner nicht gesehen, wie die zurückgeblieben Dmra unter lautem Schluchzen dem scheidenden Meister i'v'!pK' h noch lange wehmüthig nachblickten; wer dies alles nicht mit angesehen, ttrfrb mich freilich kaum begreifen, wenn ich behaupte, daß ich als Nichteisenstädter und als einer von Jenen, den n"\v das Glück zu Theil wird, auch in Berlin Schüler dieses großen Mannes zu sein, dennoch heute das längere Hierbleiben dieses herrlichen Rabbiners gewünscht hatte. — So schied noch nie ein Rabbiner von seiner Gemeinde, nie ein Freund von Freunden, noch nie ein Vater von seinen Kindern und ein Lehrer von seinen Schülern; eS mußte eben ein Mann sein, der wie vr. Hildesheimer in Eisenstadt, Rabbiner und Freund, Vater und Lehrer zugleich ist. — „Schwer trenne ich mich von Ihnen, meine Freunde/ sagte unter Thränen der Gefeierte in seiner herrlichen Abschiedsrede, „aber ich folge dem Mahnrufe der allgemein jüdischen Intereffe« ebenso entschlossen, wie ich mich vor achtzehn Jahren auS dem Kreise meiner Theuren geriffen, um uneigennützig dem Rufe einer heiligen Pflicht hierher zu folgen." — Zu Ehren des scheidenden Rabbiners wurden einige Feste erhebendster Art veranstaltet, deren erstedas Abfchiedsfest der omna war, das am Donnerstage »van >d mob abgehalten wurde. — Am genannten Tage versammelten sich nämlich die noch anwesenden omria und von Nah und Fern hergezogene Freunde und Schüler des Gefeierten in'S Zimmer, wo die Feier um drei Uhr Nachmittags von vr. Holländer mit einer an Gehalt und Eleganz des Stils überaus glänzenden Rede eröffnet wurde. Redner besprach das achtzehnjährige Wirken des Gefeierten in Ungarn überhaupt und in der raw im Besonder», und ermahnte die Dmna in beredten Worten, an den Principien de- Gefeierten und der Eisenstädter Schule festzuhalten. Auf diese Ansprache erwiderte Herr vr. H. in überaus begeisternder Rede, in der derselbe besonders hervorhob, daß feine einzige Waffe die Ehrlichkeit und sein Bundesgenoffe das klare Sonnenlicht sei; und ist es dies ganz besonders, was seine Feinde nicht ertragen können. Wenn eS ihm gelungen, etwas Schönes zu wirken, so sei dies ein Zeugniß für die Trefflichkeit seiner Waffen, die er nun seinen geliebten Schülern empfiehlt. Nun wendete der Gefeierte die erste hbod des Wochenabschnittes auf seine Thätigkeit in Ungarn an und schließt mit der Hoffnung, daß seinen Schülern, unter denen er manche wackere zählt, die Aufgabe bedeutend erleichtert werde, indem der größte Thell seiner Gegner im Innern schon jetzt seine Principien

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