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Der Israelit · 1869-09-16 · Heft 37-38 (16.9.1869) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 37-38 (16.9.1869)
Date
1869-09-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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780 die jetzige, — unter Zugrundelegung von Sam. I. 1,20 — sowie von der notwendigen Opferwilligkeit de< Volkes, und auch des Schützenfestes und seiner nationalen Bedeutung mit Bezugnahme auf Spr. Sal. 14, 28 gedacht), an selbem Nachmittage lief daö Telegramm von München an ihn ein. „Mit Allerhöchster Ermächtigung gratullre ich Ihnen zu der soeben erfolgten Verleihung des Michaelsordens I. El. gez. Ministerialrath Branca." Wir nehmen mit Vergnügen Akt von dem so prägnanten Ausdrucke konfessioneller Eintracht, wie er in vorliegendem Artikel des städtischen Organs enthalten ist. Leider ersehen wir in derselben Nummer gedachten Blattes die Kunde vor judenfeindlichem Geiste, der in einer uns nicht fernen Stadt noch immer nicht ganz erloschen ist. In Würzburg nämlich hat sich das (sicherlich bestimmt aufgetretene) Gerücht verbreitet, es würde», während die Garnison zum Zwecke des Schweinfurter Lagers abwesend sei, Unruhen gegen die dortigen Israeliten ausbrechen und hat sich die Behörde zu Ergreifung von Vorsichtsmaßregeln und öffentlichen Warnungen veranlaßt gesehen, welche die Ruhe aufrecht zu halten geeignet sind. Wir kehren nun zu unserm Gegenstände zurück. Von anderer Seite wurde es auch als „anerkennenswerthe Toleranz" hervorgehoben, daß die gelegentlich des Schützenfestes festlich dekorirte Synagoge (resp. Schulhof) die Aufschrift trug n" Diso üDnst ua-o oD'ty "n ns-a Der Segen Gottes über Euch? Wir segnen Euch im Namen Gottes. Mag man nun in religiöser Hinsicht ganz anderen Ansichten huldigen, als Herr vr. Loewi — auch als streng Orthodoxer darf man den Satz unterschreiben: Ehre, dem Ehre gebührt! Herr vr. L. hat bei Eingangs erwähnter Gelegenheit in warmer und mannhafter Fürsprache sich für seine bayer. Glaubensgenossen verwendet und sich dadurch die Achtung und die Gunst unseres hochherzigen Königs erworben. Wir dürfen daher ohne Unterschied der konfessionellen Parteiftellung über den ihm nun zngekvmmcnen Ausdruck der Königlichen Achtung und Gunst eine aufrichtige Freude hegen und dieselbe auch öffentlich äußern. Erblicken wir doch in dem mehrerwähnten Akte einen gerechten Lohn der Vorsehung, daß sich die Wirkung der damaligen Worte des Herrn Rabbiners, die volle Gleichberechtigung der Israeliten betr., so schön an ihm selbst bewährt bat. ms obs?E n"3"rn ms na». Aus Weftphalen. Die Zeiten, in welchen die Israeliten des FürstenthumS Lippe-Detmold noch unter eigenthürnlichen, vielfach nachtheiligen Ausnahmej gesehen lebten, sind, G. s. D. vorüber. Denn, hatte! schon das Jahr 1648 einen großen Thei! der Uebel, welche durch den auf ihnen seit, vielen Jahren lasten- I den Druck und durch die für sie noch bestehenden j staatsbürgerlichen und industriellen Sonderstellungen hervorgerufen waren, beseitigt, so sind mit der Inkrafttretung des norddeutschen Gewerbegesetzes endlich die letzten Spuren und Schranken der Ueberreste der der vormärzlichen Zeit angehörenden partikularistifchen und feudalistischen Gesetze geschwunden. Hiervon haben wir uns bei unserem kürzlichen dreiwöchentlichen Aufenthalte in unserem Geburtsorte Schötmar deutlich zu überzeugen Gelegenheit gehabt. Denn während noch bis vor Kurzem in genanntem Orte nur 3 jüdische Manufaktur Geschäfte bestanden — trotz langjähriger Petitionirung bei fürstlicher Regierung konnte außer jenen kein anderer Israelit die Genehmigung zur Etablirung eines Geschäftes, wenn er dasselbe nicht ordnungsmäßig erlernt hatte, erw'rkm — sind in jüngster Zeit deren mehre, sowohl in sch., als auch in anderen Orten des Landes gegründet worden. So können jetzt auch Israeliten als Abgeordnete zum Landtage und für den norddeutschen Reichstag gewählt werden, während ihnen früher sogar das active Wahlrecht versagt war. — Nicht so rosenfarbig wie in politischer-, sieht es dort in jüd.-religiöser Beziehung aus. Schon in unserm früheren in diesen geschätzten, auch in Lippe- Detmold verbreiteten Blättern veröffentlichten Berichte über gedachtes Ländchen (Siehe Jahrgang 1868, Nr. 38) haben wir eS ausgesprochen, daß die Israeliten des in Rede stehenden Landes, die früher mit Leib und Seele dem wahren, orthodoxen Judenthume anhingen, jetzt, leider! von Jahr zu Jahr sich immer mehr und mehr von der Zeitströmung mit fortreißen lassen, dem traditionellen Iudenthum und seinen heilbringenden Lehren immer mehr den Rücken kehren und daß der Landrabbiner I)r. Fahrenbach, gelinde gesagt, an diesen unseligen Zuständen einen nicht kleinen Theil der Schuld trage. Zur näheren Begründung und Bekräftigung dieser Behauptung hatten wir damals Facta, sowohl auö dem Privatals auch aus dem öffentlichen Leben desselben mitgetheilt, die aber von der geschätzten Redaction aus uns nicht bekannten Gründen gestrichen wurden. Bei unserer kürzlichen Anwesenheit in mehre Male erwähntem Lande ist unS wiederum von glaubwürdigen College» und Freunden so Manckes von dem Privat- und öffentlichen Leben deS Hrn. L. M. erzählt worden, daß wird nicht anstehen, wenigstens Dasjenige, was denselben als D'am N’Dno characteristrt, den geehrten Lesern hier mitzutheilen; denn mb TOD ppbm s'-r Divn b?b»n »w d?poa, zumal solchen Rabbinern gegenüber, die sich so gerne als rechtg!äubig geriren und bei an sie gestellten rituellen Anfragen strenge nach der npiDB robn zu entscheiden sich den Anschein geben und so dem Unwissenden Sand in die Augen streuen. Doch zur Sache: Bor noch nicht langer Zeit — so wurde uns erzählt — kam ein da- Lippe'sche Ländchen durchreisender, bettelnder Israelit aus Ostpreußen, der nebenbei gesagt, ein tüchtiger

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