Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 37-38 (16.9.1869)
- Date
- 1869-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Das ist der Davids-Segen, der uns stärkt und kräftigt und ernmthrgt in allen Lagen des Levens. Das ist die ununterbrochene Kette des Segens der Väter. An Abraham knüpft Jizchak, an Jizchak Jakob, an Jakob Moscheh, an Moscheb David an; fo reiht sich Geschlecht an Geschlecht, und jedes Geschlecht, vererbt stets den Segen des vorangegangenen an das kommende. Und wir sollten jdiese Kette zerreißen, sollten uns außer Zusammenhang mit unserer großen Vergangenheit setzen wollen, sollten uns die Hoffnungen der Väter rauben, das Gesetz unseres Gottes umformen lassen? Nimmermehr! An den natürlichen Verlauf des Jahres knüpft sich der Verlauf der Vorlesung aus der Thora. Wehe den Armen, denen das Verständniß von Israels höchstem Schatze abhanden gekommen, die sich langweilen beim Vorlesen der ihnen unverständlich gewordenen Gottcslehre und die deßhalb durchaus diese Vorlesung gekürzt haben wollen, wehe ihren Verführern und Jrreführern! Statt des Volk zu belehren, statt die Jugend in der Thora und für die Thora zu erziehen, wollen sie nichts als fortschneiden, niederreißen, zerstören; wehe ihnen und den Unglücklichen, die ihnen vertrauen! Aber Heil dem Mann, der nicht wandelte im Rache der Frevler, der auf dem Wege der Sünder nicht stand und auf dem Sitze der Spötter nicht saß; der an Gottes Lehre Wohlgefallen findet und in Seiner Lehre forschet Tag und Nacht; er wird sein wie ein Baum gepflanzt an Wasserquellen, der zur rechten Zeiten seine Früchte reifen läßt und dessen Blatt nie verwelkt. In Allem, was er thun wird, wird Gottes Beistand ihn zum Glücke führen! JeitirngSnachriehten und Correfpondenzen. Deutschland. Furth, im Elul 5629. Wir haben heute von einer ehrenvollen Auszeichnung zu berichten, welche dem hiesigen Rabbiner Hrn. Dr. Loewi zu Theil wurde. Derselbe erhielt" nämlich von Sr. Majestät dem Könige von Bayern den Michaelsorden I. Klasse. Wiewohl die Verleihung derartiger Auszeichnungen an Israeliten in Bayern nicht mehr zn den Seltenheiten gehören und auch Herr Rabbiner Aub in München bereits mit demselben Orden bedacht ist, so glauben wir die verehrten Leserdes „Israelit" doch auf den wahrscheinlichen Grurd dieses Ereignisses Hinweisen zu dürfen, daß nämlich, wie Manchem derselben aus diesen geschätzten Blättern noch erinnerlich sein dürfte, unser allgeliebter Monarch gelegentlich seines Besuches der Stadt Fürth, gegen das Ende des Jah- . re» 1866, auch die Synagoge besuchte und, von Rab-! biner und Vorstand aus solenne Weise empfangen, den Worten deersteren mit sichtlichem Interesse zuzuhören geruhte, sowohl denen, die sich auf die von dem Könige verlangten Erklärungen synagogüler und ritueller Gegenstände bezogen, als — woraus wir hier besonderes Gewicht legen — der Ansprache, die Herr I r. Loewi an Se. Majestät richtete. In dieser betonte der Rabbiner namentlich die edlen, der Emancipation der Israeliten Bayerns so günstigen Gesinnungen König Max II. und bat, ja beschwor den jugendlichen, für alles Edle so empfänglichen Herrscher, in den von ihm betretenen Fußtapsen seines höchftseligen Vaters fortzuwandeln zum Heile aller, wie insbesonj bete seiner jüdischen Unterthanen. Der König erwiederte damals tiefgerührt die Worte: „Ja. das will ich, das werde ich". Jene feierliche Stunde schwebte sicherlich dem Geiste König Ludwig II. vor, als er gelegentlich seines hohen GeburtS- oder" Namensfestes unter den mannigfachen mit Titeln und Orden Beschenkten auch Herrn Rabb.! Dr. Loewi auSzeichnete, ja, wir glauben nicht fehlzu- , greifen, wenn wir annehmen, daß das in dieser Woche! hier stattfindende bayerische Schützenftst, in dessen Mitte 1 der Königstag fiel, wie es die Gedanken unseres Kö- : nigs nach seiner getreuen Stadt Fürth überhaupt richtete, so insbesondere die Erinnerung an jenen, wenn auch sehr kurzen Aufenthalt in hiestger Stadt und an die in der Synagoge verlebte Stunde in seinem Herzen wachries. Daß die obgedachten Worte des Hrn. Dr. Loewi auch für die Dauer nicht ihres Zweckes, das Wohl der Israeliten Bayerns betr., verfehlt haben, wiewohl sie nicht allein dasselbe bewirkten, das zeigt sich,:neben mancherlei anderen seitdem stattgehabten Akten I Königlicher Gunst gegen Israeliten, wohl am schönsten i dadurch, daß der Monarch jetzt nach 3 Jahren sich - des Redners, der zu seines Königs Herzen sprach,! wohlgefällig erinnernd, ihm sein königliches Wohlgefallen durch Verleihung des Verdienstordens bezeigte. Das hiesige „Tagblatt" — das Hauptorgan hiesiger Stadt — drückt in einem Leitartikel seine Freude über dieses Ereigniß aus. Es sagt gleich im Eingänge: „Den Glanzpunkt unseres Schützenfestes bildet unstreitig der Königstag nnd er wird Allen um j so mehr unvergeßlich bleiben, als unser in allen Kreisen der hies. Bevölkernnq hochgeehrter Herr Rabbiner Dr. Loewi von Sr. Maj. mit dem Michaels-Orden I. Cl. bedacht wurde. Am selben Tage, an welchem Herr I r. Loewi in seiner Synagoge die Festpredigt hielt und das Thema erörterte: „Wie kann das bayer. Volk seinem Könige die Regierurigssorgen erleichtern:" (wobei er, wie auch das „Tagblatt" auSeinandersetzt, von der Wichtigkeit des KönigthumS sprach und von seinen schwierigen Pflichten, namentlich in Zeiten wie