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Der Israelit · 1869-09-08 · Heft 36 (8.9.1869) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 36 (8.9.1869)
Date
1869-09-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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7i 2 an die Mittheilung eines CuriofumS, über das ich, aus besonderer Rücksicht, selbst in der Königsberger „Hartung'schen Zeitung" leider bisher geschwiegen habe. Dasselbe betrifft eine eigenthümliche — Arbeitereinstellung Es giebt jetzt wenige große Städte in Norddeutschlind, in welchen sich nicht ein oder mehrere Strikes vollziehen. In Berlin, Stettin, Hannover und Posen feiern die Maurer, die Zuckersieder, die Schmiede und die Cizarrenmacher: warum nicht auch — da rs zumal d’Dip geschah — die ehrwürdigen Mitglieder der hiesigen Chewra-Kadischah bei Gelegenheit eines Begräbnisses? In der That erfolgte einmal im Laufe des verflossenen Jahres die Arbeiteinstellung der letzteren bei der Beerdigung eines reichen Garyons, dessen Erben sich weigerten, dem Gesetze des Schulchatt Aruch gemäß (non n« paip p n^DS — rpbDa *6« Ioreh - Deah §. 35 l, 2.) dem Tobten einen Talis mitzugeben. Bestärkt wurden diese Gesetzesverächter durch den Gemeindevorstand und dessen ich weiß nicht welche geistliche Autorität, die fromme Brudergesellschaft aber legte mit vollem Recht für den Fall ihre Functionen nieder und überließ deren Ausführung einer — gemietheten Söldlingöschaar. So wird allmählich ein. heiliger Gebrauch nach dem andren abgeschafft — und selbst die Tobten verschonen diese gedankenlosen Neuerer nicht mit ihren pudelnärrischen Reformen. Sie gleichen in der Regel dem Fibeldrucker Ioh. Ballhorn, der ebenfalls glaubte, Wunder was gethan zu haben, wenn er dem Hahne auf dem Titelblatte die Sporen nahm und ih,n dafür Eier unterlegte. - Doch Ende gut, Alles gut. In das hiesige Comit4 für die Arrangirung der Festivitäten zu Ehren deS jetzt bald nach der Provinz kommenden Königs von Preußen nebst hohem Gefolge sind auch zwei angesehene Israeliten gewählt worden: unser Obervorsteher und Bankdirektor Gabriel und Geh. Commerzienrath Goldschmidt aus Danzig. Schließlich bitte ich, in der ersten Spalte meines 3. Briefes unten „sondern" statt fordern lesen zu wollen. Leben Sie wohl und flehen wir gemeinschaftlich zu Gott Enr6 npinoi mio ru» wdv. Tuchel, 23. August. Ein ebenso interessanter als betrübender Vorfall, der merkwürdigerweise bis jetzt noch nicht durch die Presse zur öffentlichen Kenntniß gelangte, hat augenblicklich einen Grad erreicht, welcher eben nicht sehr discret behandelt zu werden verdient. Möge nunmehr aber, da es mein Princip ist, stets offen mit der Wahrheit jedem Schuldigen vor's Gesicht zu treten, diese kurze unparteiisch aufgenommene Betrachtung zur Beurtheilung des Gegenstandes dienen. Die hiesige nicht unbedeutende Gemeinde, noch vor zwei Jahren in jeder Beziehung als ein Musterbild bezeichnet, steht heute zerrüttet da, zwei Parteien bildend, kämpfend, sich selbst vernichtend. Und dies Alles, seitdem dem Zeitgeiste Rechnung getragen und der hiesige Rabbinerstuhl durch einen „modernen Mann" besetzt ist. Rach dem Dahinscheiden des sel. Rabbiners Horwitz trat die Frage auf, was jetzt zu thun sei. Man hat darüber im Schooße der Gemeinde verschieden gedacht, aber natürlich konnte nur eine Meinung zur Geltung kömmen, nämlich einen Rabbiner „der Jetztzeit", welcher durch eine runn mnn seine Fähigkeit Nachweisen kann, zu engagiren. In Folge dessen wurde der vr. G., welcher seine Fähigkeit durch eine ,-iion mnn vom sel. Rabbinctts - Assessor Rosenstein in Berlin nachgewiesen hatte, als Rabbiner der hiesigen Gemeinde engagirt. Nachdem seit der Wahl etwa 1 Jahr unter Leid und Freud' verflossen war, ereigneten sich hier Umstände, deren Schilderung zu weit führen würde. Genug, der Gemeinde-Vorstand hatte Veranlassung genommen, bei Herrn Rosenstein anzufragen, in wie weit dem obenerwähnten von vr. G. vorgelegten Zeugnisse eine Wichtigkeit beizulegen sei, worauf derselbe in einem officiellen Schreiben geant« wortet hat, daß er dem Letzter» dasselbe nie ertheilt habe. — Ganz dasselbe geschah auch von Herrn Rabbiner A. Lichtenstem in Hamburg, vr. G. hatte auch von diesem ein RabbinatSdiplom vorgezeigt, während derselbe ihm ein solches nie gegeben zu haben erklärte. — Ob den Erklärungen der Herren Rosenstein und Lichtenstein oder den Widersprüchen des vr. G. mehr Gewicht beizulegen ist, sei zur Beurtheilung dem. Leser überlassen. Die Folgen dieses Vorfalles können ihrer Dimensionen wegen nur im Wesentlichen dahin berührt werden, daß sich die Gemeinde in zwei Parteien gespalten hat, wovon eine bereits über i Jahr ihren eigenen Vorbeter und Schächter unterhält. Inzwischen wurde ein neuer Vorstand gewählt, der aus Freundschaft für vr. G. und zum Trotz der Gegenpartei Großartiges bewirkt hat. Der Vorstand mochte indetz jetzt kurz vor dem pn Ov das Unrecht des vr. G. eingesehen haben und verlangte von ihm, daß er sich als Rabbiner prüfen lasse, womit derselbe auch zufrieden war. In Folge dessen legte Herr vr. G. vor etwa 14 Tagen dem Vorstande eine njom nnnn vom pH Salinger aus Inowraclaw vor. Der Vorstand trat mit der Gegenpartei unter Vorlegung einer Abschrift dieses Zeugnisses, in der unter andern die Worte nniro ’ifim" enthalten waren (denn eö handelt sich hier nur um ein richtiges Prüfungözeugniß von einer rabb. Antorität, indem alles Geschehene vergeben wird), in Friedenöunterhandlung. Es wurde iudeß für unerläßlich gehalten, an He^n Salinger die erforderliche Anfrage zu richten, worauf derselbe in einem Schreiben, das ich Ihnen, Herr Redacteur, im Original hier beizufügen mir erlaube, erklärt hat, baß er gar nicht berechtigt ist, solches Zeugniß zu ertheilen und dem vr. G. dasselbe durchaus nicht

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