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Der Israelit · 1869-09-08 · Heft 36 (8.9.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 36 (8.9.1869)
Date
1869-09-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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711 ' leitung nicht gleichgiltig stin, wrnn die jüdische Zugend gerade der gebildeteren Stände, welche die höheren Lehranstalten vorzugsweise besucht, in der Schule und durch die Schule selbst dazu angeleitet wird, den Religionsunterricht (und damit nur zu oft die Religion selbst) als Nebensache anzusrhen und allen Fleiß und alle Aufmerksamkeit anderen Lehrgegenständen zuzuwenden, von denen Lob, Auffteigen und Versetzung allein abhängt. Ew. Excellenz um Abhilfe zu bitten, berechtigt uns die Verfassung des preußischen Staates. Es scheint uns mit der gesetz lick anerkannten bürgerlichen Gleichstellung der Juden nicht vertraglich, daß der jüdische Religions-Unterricht zum Schaven der jüdischen Staatsbürger in so herabwürdigender Weise hintangesetzt werde. Soll die jüdische Religion keine „geduldete" sein, soll die Gleichstellung der Juden mit ihren christlichen Mitbürgern auch in diesem Punkte eine Wahrheit werden, so dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, Ew. Excellenz Gerechtigkeitssinn werde unser Gesuch als ein wohl begründetes anerkennen und demgemäß verfügen, daß wie in den höheren Schulen vieler anderen deutschen Staaten und Oesterreichs, so auch in denen Preußens der jüdische Religionsunterricht unter die Zahl der für die jüdischen Schüler obligatorischen Lehrgegenstände ausgenommen werde. In Erwartung eines günstigen Bescheides verharren wir Ew. Excellenz gehorsamste rc (K. Z.) Berlin, den 1. September. Heute ist Herr Rabbiner vr. Hildesheimer von Eisenstadt hier angekommen und am Bahnhofe feierlichst empfangen worden. Die Begeisterung ist eine großartige, durchschlagende. Wir hoffen, daß sich im Laufe der Zeit ein Dritttheil der Gemeinde, circa 1000 isr. Familien, der neuen Gemeinde Adath Jisrael anschließen wird. Nächstens s. G. w. Näheres. (Wir rufen dem gefeierten Manne mit jener römischen Prinzessin (Sanhedrin 14 a.) zu: nwo rmoifin nrcno rpojn nai ubwb *)”no ym ttnrui. Du Lehrer Deines Volkes, Führer Deiner Nation, Du lichtvolle Leuchte, es sei Dein Kommen zum Frieden! — Red.) Königsberg. Briefe von M. Almoni (M. Freyftadt Dr.). Fünfter Brief vom 30. August 1869. In voriger Woche sind zwei reiche ehrwürdige Königöberger israelitische Frauen, die eine hier, die andere zu Berlin, zur Erde bestattet worden, welche abgesehen von ihrer Frömmigkeit und Wohlthätigkeit eine gewisse historische Bedeutung hatten. Die hier begrabene Greispi Henriette Tobias war die leibliche Mutier des berühmtesten jetzt lebenden SanscritikerS, Hrn. Prof. vr. Th. Goldstücker in London, welcher direkt auö weiter Ferne zur Beerdigung hergekommen, noch jetzt unter uns weilet. Ein anderer Bruder, aus zweiter Ehe, Or. W. Tollias, ist ein hiesiger talentvoller Arzt und Verfasser mehrerer medieinisch-philosophischer Schriften. Viel bekannter in der jüdischen wie in der kommerziellen Welt war die im Kreise der Ihrigen zu Berlin hochbetagt verstorbene Frau Deborah Pollack, die Beschützerin der Armen und Nothleidenden, die Trösterin der Wittwen und Waisen, die strenggläubige Befördert» wahrhaft israelitischer Interessen. Die Geschäftswelt und namentlich in unserer Provinz hat sie ein halbes Jahrhundert hindurch als Besitzerin der vor einigen Jahren aufgelösten bestrenommirten Königsberger Zuckerraffinerie unter der Firma: H. Pollack'e Erben gekannt. Aber auch anderen Kreisen des In- und Auslandes hat sich die Dahingeschiedene durch einen überaus wohlthätigen und frommen Sinn bekannt gemacht, der sich besonders auch dadurch kundgab, daß dieselbe vor längerer Zeit einen Theil des Oelbergs (v'N'M in) bei Jerusalem ankaufte uud ihn guten Zwecken widmete. Sie war die intime Freundin des seligen Königsberger Oberrabbinen Jac. Hirsch Meklenburg Vst der ihrem Andenken einen Theil seines berühmten Pentateuch - Co mmentars widmete, sie stand ferner in fortwährender Correspondenz mit Sir Moses Montefiore in London und war eine nahe Anverwandte des Schreibers dieser Zeilen, der ihr oft rathend zur Hand ging. Mögen beide genannten Frauen jetzt den Lohn ihrer edlen Thaten ernten na"»am. Mit der Einführung der projectirten Orgel-Sy nagoge in unser Gemeindeleben wird es wohl dieses Jahr so schnell nicht gehen. Ein Hauptagitator dafür, ein Sohn des verstorbenen Danziger Oberrabbi'S L., mußte bereits widriger Verhältnisse wegen von seinem Ehrenposten weichen, und von den übrigen alten Mitgliedern des Vorstandes wer weiß, wie viele dieselbe erleben werden? Glauben Sie aber meinen Worten, daß gerade die jüngere Generation bei uns gegen jene mechante Neuerung energisch Front macht und lieber sich von der allgemeinen Synagoge trennen, als bei den Klängen eines ihrem frommen Sinne widerstrebenden Instruments ihre Andacht verrichten wird. Die Einführung einer Orgel wird jedenfalls hier das sichere Signal zur Entzweiung der bisher friedlich nebeneinander lebenden Parteien sein. Einstweilen wird an den bevorstehenden hohen Festtagen wieder in 6 Hauptgotteshäusern gebetet werden, deren Extreme die russisch-polnische Chassidimschule und die alljährlich für kurze Zeit sich etablirende deutsche Reformgemeinde bilden. Letzterer hat diesmal einen Hrn. Goldmann aus Ostrowo, eine noch unbekannte Größe für ihre Zwecke engagirt. Der frühere Prediger H. Jolowicz scheint dem Enterpreneur, einem — mirabiie dictu — Vorstandsmitgliede der Hauptsynagoge, nicht mehr zu genügen. In dieser fungirt nach wie vor der eben so fromme als musikalisch gebildete Canor H. Weintraub, genannt Kaftan. — Ich reihe hier-

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