Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1869)
- Date
- 1869-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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710 M-chtze einen avßeryrd »glichen Eivhxuck! auf ally Anwesenden, und als Hr. Samssn Rosenberg mit wenigen Ws«t« dankte und zn einem H-ch auf derWerr» vr. aufforderte, da stimmte die Versammlung stürmisch ein und begeistert rief einer der Anwesenden laut den Segensspruch aus: Gelobt seist Du Ewiger, unser Gott, König der Welt, der gegeben hat von seiner Weisheit seinen Verehrern. Nachdem noch Herr vr. Sternheim den Rabbiner im Namen der studirenden Jugend bewillkommnt hatte, bestieg man die bercitstehenden Wagen und suhr in langem Zuge nach der Wohnung. Diese war aufs Schönste dekorirt, die Treppen wie die Stuben mit Guirlanden und Blumen geschmückt, und auf dem Tische stand ein Frühstück für die von der Reise Erschöpften bereit. Doch zuvörderst wollte Herr vr. H mit einem min ->21 seine Wohnung einweihen und sprach sehr geistreich über 2 talmudische Stellen unter der gespanntesten Aufmerksamkeit der vielen anwesenden v'-lvid. Nun hielt Herr Jacob Bamberger eine Ansprache, indem er den Herrn Rabb. in seiner Wohnung willkommen hieß, ihm den nochmaligen Dank dafür aussprach, daß er von dem Schauplatz einer achtzehnjährigen ruhmreichen Thätigteit von dem Lande, das in ihm seinen ersten Führer ehrte, von der immensen Schülerzahl, die sin, um ihn als ihren väterlichen Lehrer geschaart, sich getrennt und dem Ruse nach Berlin gefolgt sei. Und daß Sie das gethan, fuhr der Redner fort, mit Hintansetzung alles persönlichen Vortheile zeigt nicht nur, wie edel Ihr Streben ist, sondern es erfüllt auch uns mit demstolzesten Bewußtsein, daß Sie uns solch großer Opfer für werth hielten. Und darum kann ich Ihnen auch die Versicherung geben, daß wir Alle mit allen unfern Mitteln, mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen Sie unterstützen und in Ihrem Streben und Wirken fördern wollen. '1 dbq *on -p-o Gesegnet seien Sie, der Sie gekommen sind im Namen unseres Gottes, vr. Hildesheimer ließ sich nun einige der Herren vorstellen und in der freudigsten, gehobensten Stimmung ging die Versammlung auseinander. Berlin, 27. Aug. Eine Eingabe als Gesuch um Einführung des jüdischen Religionsunterrichts als eines für die betreffenden Schüler obligatorischen Lehrgegenstandes in den höheren Lehranstalten ist, von einer großen Anzahl von Synagogengemeinden unterzeichnet, an das Cnltusministerium hier eingereicht. Der Inhalt spricht für sich selbst. Interessant ist Ihnen vielleicht die Notiz, daß z. B. in Köln, wo es nach vielen Mühen und unterstützt von zufälligen' Opportunitätögründen gestattet wurde, daß in der städtischen Realschule jüdischer Religionsunterricht ertheilt werden darf, das jährliche Schulprogramm ängstlich eine Erwähnung dieser gefährlichen Neuerung vermeidet und die Sache dem Publikum und andern Lehranstalten gegenüber todt schweigen zu müssen glaubt. Rrch mehr, der dyrttzx Wische Religiosslehrer muhte auf sskne Kostm Äßdnvere RsliKyM- Zeugmsse Lufertigeu lasten, da der Herr Minister seiner Zeit ausdrücklich decretirte, daß die Noten für den Wischen Religions-Unterricht auf dem Schulzeugnisse nicht figuriren dürfen. (!) Nur am Friedrich- Wilhelms-Gymnasium, an welchem derselbe Religionslehrer vr. Schwarz einen Gratis-Unterricht außerhalb der Schulzeit ertheilt, wird, wie wir hören, der jüdische Religions-Unterricht in dem Schulzeugnisse censirt. Die gedachte Eingabe kautet: Ew. Excellenz erlauben fich die Unterzeichneten nachstehendes Gesuch zu unterbreiten: Seit langer Zeit sind die Verhältnisse des jüdischen Religions-Unterrichtes in den höheren Lehranstalten des preußischen Staates Gegenstand, wir glauben, gerechter Klagen. Während den Bekennern der christlichen Confesfionen bis in die höchsten Elasten der Gymnasien kund Realschulen hinauf in den Räumen der Lehranstalten und während der gesetzmäßigen Besuchszeit Religions - Unterricht ertheilt wird, während derselbe für sie streng obligatorisch ist und daher eine den andern Disciplinen gleiche, ja, diesen übergeordnete Stellung auf den Schulplänen und in den Zeugnissen aller Lehranstalten einnimmt, wird jüdischer Religionsunterricht in denselben nicht ertheilt und findet auf Lehrplänen und Schulzeugnissen keinen Platz. Nur in den unteren Elasten wird in einigen Lehranstalten darauf gehalten, daß eine Bescheinigung über den Genuß irgend welchen Religionsunterrichtes beigebracht werde. In welcher Weste dieser' erheilt wird, das entzieht sich gänzlich der Kenntnißnahme der Schuldirektoren. In vielen Schulen und in den oberen Elasten aller höheren Lehranstalten wird von dieser wenig wirksamen Form gänzlich abgesehen. Welche Schädig»^ das religiöse Leben der jüdischen Staatsbürger durch diese Vernachlässigung, ja, durch den fast gänzlichen Mangel des Religions - Unterrichtes erleidet, kann Ew. Excellenz eben so wenig entgehen, als es eines-Nachweises bedürfen wird, wie hiedurch zugleich das Staatsintereste mittelbar geschädigt wird. Ew. Excellenz haben oft und mit Entschiedenheit erklärt, daß eine tüchtige Schulbildung nur auf dem Grunde des religiösen, ja, des streng confesstonellen Unterrichtes gedacht werden könne, daß die Schule weder ihre didaktischen noch ihre pädagogischen Ziele ohne Religions ' Unterricht zu erreichen vermöge. Die Juden bilden einen geringen, aber doch nicht ganz verschwindenden oder von der Regierung zu ignorirenden Bruchtheil der Bevölkerung; sie bilden einen sehr erheblichen Procentsatz gerade in den höheren Lehranstalten; der Einfluß der Juden ' auf die Entwickelung des geistigen Lebens in Deutschland ist ohne Zweifel oft überschätzt worden, aber er darfauch nicht ganz außer Acht gelassen werden: daher kann es für die höheren Gesichtspunkte der Staat--