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Der Israelit · 1869-09-08 · Heft 36 (8.9.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 36 (8.9.1869)
Date
1869-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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707 Die Einnahmen des Waisenhauses betrugen im verflossenen Jahre 45691 Dollar (11422? fl.), die Ausgaben 59691 Doller (136,727 ff.) Pon Seiten der WohlthLtigkeitsgesellschaft erhielten 8926 Arme 13425 Dollar (33462 fl.) ITew-Uork. Die jüdischen Wohtthätigkeitsgesellschastin vertheilen im Durchschnitt per Jahr 75000 Dollar (187500 fl. an die Armen. Feuilleton. Nie Ariestajche. VI. Frangois Boaeherat. Eines Tages, es war schon gegen Abend, schritt Alfred gedankenvoll seiner bescheidenen Wohnung zu; die drei Monate waren bald zu Ende; dann war sein Cvntract abgelausen, und noch war eö seinen angestrengtesten Bemühungen nicht gelungen, eine andere Stelle zu erhalten. Ja, Stellen gab es genug für ihn, aber überall sollte er den Sabbat entweihen, und das wollte er unter keiner Bedingung. Lausend Pläne hatte er schon für seine Zukunft gemacht und hatte sie alle wieder verworfen; um irgend Etwas selbstständig anzufangen, bedurfte er eines kleinen Capitals, und woher sollte er daS nehmen? Ms Alfred den boulevard du temple verließ, um durch die rue des Alles du calvaire nach der rue St. Louis zu gehen und seine Wohnung aufzusuchen, sah er einen alten Mann vor einem Fleischwaaren-Laden stehen; der GreiS zog Alfreds ganze Aufmerksamkeit auf sich. Der alte Mann sah auch sonderbar genug aus; klein und untersetzt, in fadenscheiniger Kleidung, trug er, trotz deS heißen Sommer - tsges eine dicke Pelzmütze aus seinem fahren Schädel; sein Gesicht, von unzählichen Falten durchfurcht, ließ auf ein sehr bewegtes Leben schließen. Mit sehnsüchtigem Auge schaute der alte Mann auf die schön uyp zierlich ausgestellten Fleischwaaren, die so appetitlich daS Auslagefenster schmückten. Große hebräische Buchstaben verkündeten, daß man hier „Kescher-Fleisch" haben könne. „Ja, ja", seufzte der Alte, ,^va» hilft es, wenn das Fleisch koscher ist, und man kein Geld hat, sich davon zu kaufen?" Unwillkürlich blieb Alfred stehen. „Sie sind Jude?" fragte er den Greis. „Ja, mein Herr", entgegnete dieser, „ich bin Jude, und dieses Koscher-Fleisch, diese Wurst sind hier so lockend für Jemanden, der seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen hat!" Alfred zog sein Portemonnaie und reichte dem Men einen Frank. „Hier, mein Freund", sagt er, nehmt diese- und stillt Euren Hunger!" „Ich danke Ihnen, Herr", entgegnete der Alte, indem er Alfred dankbar anblickte. „Himmel", rief er plötzlich, „welche Aehnlichkeit! Sagen Sie, junger Herr, heißen Sis etwa Cerf, sind Sie aus Bischheim? „„Ich heiße Cerf und bin auS Bifchheim!"" „O, dann sind Sie der Sohn meines alten Freundes Benjamin!" „„Wie, Sie kannten meinen Vater?" „Er war mein bester Freund drüben in America!" „Da sind Sie...." „„Wplf Petit!" „O, kommen Sie mit mir in meine Wohnung, erzählen Sie mir von meinem Vater!" „„Heute nicht, junger Freund, heute nicht; doch geben Sie mir Ihre Karte — ich werde Sie aufsuchen; ich werde bessere Tage sehen, dann werde ich zu Ihnen kommen! Lächeln Sie nicht so ungläubig, ich habe schon oftmals des Schicksals Wechsel empfunden. Noch heute kann sich mein Loos zum Bessern wenden."" Alfred reichte dem alten Manne seine Karte; difser nahm sie und lief eilig in den Laden, um die ersehnte Wurst zu kaufen, wahrend Alfred sich langsam entfernte. Als Wolf Petit sich Brod und Wurst gekauft hatte, war ihm von dem geschenkten Geldstück noch so viel übrig geblieben, daß er eine Brauerei aufsuchen und sich ein Glas Bier geben lassen konnte. Da saß er am Boulevard Beaumarchais und aß und trank und käuete mit b^den Backen. Wie schmeckte dem Hungrigen das einfache Mahl! und doch weilten seine Gedanken nicht bei dem Genüsse. Er gedachte der Zeit, da er jenseits degroßen Meeres ein geachteter Kaufmann gewesen, da er sich mit Benjamin Cerf auSeinandersetzte und Jeder von ihnen eine halbe Million Franken aus dem aufgelösten Geschäfte zog. BMamin wollte mit dem vielen Gelde zu den Seinigen zurückkehren und war seit jener Zeit verschollen; sein Freund Wolf wollte mit der halben Million noch Millionen gewinnen, hatte gewagt und gewonnen und wieder verloren, bis ihm nach zwanzig Jahren kaum so viel übrig geblieben war, daß er zurückkehren konnte nach der alten Heimath, nach welcher ihn eine unnennbare Sehnsucht erfaßt hatte. Arm hatte er einst Europa verlassen, arm kehrte er wieder zurück, arm, ohne Freunde und Verwandte. Vergehens bemühte er sich, in Paris das alte Glück wieder zu erjagen. Bald war das Wenige, was er mitgebracht hatte, verzehrt; schon hatte er seine Uhr und seine Garderobe verkaufen müssen. Er schlief in einer elenden Mansarde, und hatte bereits einen ganzen Tag hungern müssen, als ihm der Sohn feines Freundes das Geld»

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