Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1869)
- Date
- 1869-09-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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70» Italien. Florenz. Herr Jesaia Ghiron wurde mit dem Kronenorden decorirt. England. London. Der berühmte Orientale, Herr Z ebner, Bibliothekar für die jüdische Literatur am Britisch Museum, von dem wir erst jüngst in unserem Londoner Berichte gesprochen, war in Folge von Kränklichkeit gezwungen, seine Stelle aufzugeben. Er hat London verlassen und sich in Berlin niedergelassen. Dem Museum wird es schwer fallen, diesen so fähigen Mann wieder zu ersetzen. Rußland und Polen. In Petersburg ist kürzlich der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden, deren Bau 250000 Rubel kosten wird, welche unter den Juden des Czarenreiches gesammelt wurden. Die Regierung hat gar nichts zur Herstellung dieses Bethauses beigesteuert. Warschau. Wir haben schon früher unfern Lesern mitgetheilt, daß acht arme Juden aus Zamoöcz von der russischen Regierung zum Tode verurtheilt worden sind, und daß Herr Ad. Cremieux in Paris bei der russischen Regierung Schritte gethan hat, daß wenigstens eine nochmalige Untersuchung über den Thatbestand vorgenommen werden möge. Die Sache selbst verhält sich folgendermaßen: In Rußland befindet sich die Kriegskasse stets auf einem Wagen auf öffentlicher Straße. Ein Posten ist zur Bewachung darvorgestellt. Im April 1868 fielen in der kleinen Stadt Zamoscz mehrere als Officiere verkleidete Männer über den Posten her, knebelten ihn und nahm die Kriegscasse weg. Sofort stellte man die genauesten Nachforschungen an, aber sie blieben resultatlos. Vier Wochen später gab der in Zamoscz restdirende General plötzlich, ohne daß auch Jemand eine Ahnung davon hatte, den Befehl, alle Brücken daselbst zu reinigen. Während man mit dieser Arbeit beschäftigt war, schrie ein Soldat, welcher sich unter einer Brücke befand und etwas Großes in den Händen hielt: Da ist die Militärcaffe, ich habe sie wiedergefunden. Und in der That hatte er Recht, und merkwürdigerweise war sie noch unangetastet geblieben und fehlte nichts von dem Gelde. Sofort wurde von Warschau eine Commission zur Untersuchung hingeschickt. Da es in Rußland Gebrauch ist, daß eine jede Commission unter allen Umständen die Spur der Schuldigen aussinben muß, so geschieht eS sehr oft, daß, wenn die wahren Schuldigen nicht bekannt werden, unschuldige Leute dafür bezeichnet, arretirt, eingesperrt mü> als Verbrecher bestraft werden. Die öffentliche Meinung klagte die Officiere dieses Diebstahls an, aber die Commission wollte sie nicht als Diebe bezeichnen und hat nichts befferes gefunden als acht arme Juden damit zu beschuldigen. Man hat sie inS Gefängniß gesetzt, sie mißhandelt, gefoltert, um sie zu zwingen, ein Verbrechen einzugestehen, das sie nicht begangen. Um den fortgesetztm schrecklichen Torturen, die sie jeden Tag zu erleiden hatten, ein Ende zu machen, und da sie den Tod den täglichen Leiden vorzogen, gestanden Sie endlich, obwohl sie ganz unschuldig sind, daß sie die Schuldigen seien. (Solche Thatsachen sind in Rußland nichts Neues.) In Folge dieses Geständnisses wurden sie zum Tode verurtheilt. Welches Resultat die Intervention des HerrCrsmieux gehabt, haben wir noch nicht erfahren. Serbien. Belgrad. Wir freuen uns, die Mittheilung geben zu können, daß auf die Intervention des Loara of Deputies die englische Regierung vereint mit der französischen Veranlassung genommen hat, in einer energischen Note an die serbische Regierung, die neue Constitution, welche die Juden allein noch von der Gleichstellung ausschließt, zu tadeln. Auch die österreichische Regierung hat ähnliche Vorstellungen gemacht. Griechenland. Corfu. Der König von Griechenland besuchte bei seiner jüngsten Anwesenheit auf der Insel Corfu auch die Synagoge in der Hauptstadt Corfu. Die Synagoge war bei dieser Gelegenheit decorirt und in derselben ein Thron errichtet, auf welchem der König saß, während der Rabbiner bei geöffneter Lade eine Anrede hielt und ein Gebet für den König und sein Haus aussprach. Brasilien. Para. Die Stadt Para besitzt die einzige Synagoge in Brasilien, obgleich an noch mehreren andern Plätzen Juden leben. Asien. Aus dem Kaukasus- Der „Hamagid" veröffentlicht zwei Briefe, die an Herrn Joseph Tscharni, welcher im Aufträge der All. iar. den Kaukasus bereist, gerichtet sind. Der erste Brief ist von der jüdischen Gemeinde in der Stadt Zchinwal in Geor-