Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1869)
- Date
- 1869-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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704 ganz unnöthig. Zeder weiß es ja, daß so liebe freundliche Herren, die Dilles mit Glacvhandschuhen anfassen, zu öffentlichen Kämpen nicht diSponirt sein können, auf der Mensur müßte man ja die Handschuhe ausziehen. Ich aber durfte meinerseits nicht so unhöflich sein, Sie ohne Antwort zu lassen, wenn ich auch mit Bedauern auf die Anzeige des richtigen Empfanges meiner Zeilen im Voraus schon verzichten muß. Mit ausgezeichneter Hochachtung Dr. S. Jeitungsnacdi'Lchten und Corvefpondenzen. Deutschland. Berlin. Das von Frau Lina Morgenstern im Frühling dieses Jahres vor dem Halle'schen Thore in Stettin gegründete Säuglings-Asyl hatte sich wegen Mangels an geschickten Kinderwärterinnen an die dortigen Urselinnerinen gewendet. DerSchritt erweckte von Anfang an starke Bedenken, sowohl wegen der aus dem Gelübde der Nonnen selbst nothwendig hervorgehenden Unbekanntschaft mit den Pflichten der Mutter, deren Herz sie bewähren sollten, als auch wegen der confessionellen Beziehungen, deren Einmischung erfahrungsgemäß zu befürchten stand. Unter Erfüllung mancher lästigen Bedingungen deputirte die Oberin des Urselinerinnenstiftes wie die „Zukunft" meldet, mehrere graue Schwestern dahin, welche ihre Pflicht zwar getreu, aber nur mit Widerwillen erfüllten. Die Schwestern erklärten, in einer confessionSlosen Anstalt nur aus besonderen Wunsch deS geistlichen Raths Müller Dienstleistungen zu thun. Schon seit einiger Zeit wurden diellrselinerinnen widersetzlich, sie beanspruchten die Leitung der Anstalt für sich, was natürlich nicht zugestanden werden konnte. Dem fügten sie sich, angeblich auf den Trost des geistlichen Raths Müller: „Ich glaube, daß es Ihnen schwer wird, unter dem Befehl von Juden stehen zu sollen (Frau Morgenstern ist Jüdin), allein wir haben schon längst danach gestrebt, ein solches Institut zu begründen und können hier auf eine gute Manier zu einem solchen kommen; harren Sie nur noch aus." — Unter solchen Umständen war ein ferneres Zusammenwirken der Vorstandsdamen mit den Schwestern nicht mehr möglich und am Sonntag wurde denn das bisherige Verhältniß gelöst. (Frkf. Iourn.) Oesterrcichischer Kaiserstaat. Wien, im August. Das hiesige „Fremdenblatt" berichtet folgende komische Geschichte: Zu einer ruhigen Familie in der inneren Stadt kam vor einigen Wochen ein ältlicher Herr und wollte ein Monatszimmer miethen. Er erklärte sich mit dem ziemlich hohen Miethspreise ganz einverstanden, doch machte er die Bedingung, die Partei möge ihm ein Revers unterschreiben, daß sie ihn. in seinem Studium nicht stören wolle. Diesem Verlangen wurde bereitwilligst Folge geleistet und der vermeintliche Studiosus zog ein. Am nächsten Morgen, als alle noch im tiefsten und besten Schlummer lagen, wird die Familie durch eine seltsame Musik aus der Ruhe gebracht. Erschrocken fahren sie aus den Betten auf und glauben, eS brenne im Nachbarhause: denn ähnliche Töne wie sie dem Alarmhorne der Feuerwehr entlockt werden, dringen an ihr Ohr. Die seltsame Musik kömmt auS dem Zimmer des Aftermiethers und im tiefsten Neglige und in der höchsten Wuth stürzt der Hausherr hinein und fragt entrüstet den Bläser: „Herr, was machen Sie für Lärm und stören meine Hausruhe?" Der Angeherrschte setzt ein eigenthümliches Instrument, welches er bisher am Munde gehalten hatte, ab und erwiderte ganz kaltblütig: „ Ich studire." „Halten Sie mich nicht für einen Narren," ruft noch wüthender gemacht, der um sein Morgenschläfchen Gebrachte, — „ was studiren Sie denn?" „Ich bin der Schosarbläser in der Synagoge," erwiderte der Miether ganz kaltblütig, „und übe mich ein. Wissen Sie denn nicht, daß es bei uns Israeliten Sitte ist, am Neujahrstage die Posaune (Nodokar) zu blasen, deren Töne an die Klänge der Posaune des jüngsten Gerichtes erinnern sollen?" Gehen Sie aus die Schmelz hinaus blasen, aber hier dulde ich dies nicht." Der Synagogenbläser weigerte sich, dem Rathe Folge zu leisten und der wüthende Hausherr eilte zum Bezirksgerichte, um dort Abhilfe für seine Beschwerde zu finden. Allein der vorgeladene Miether producirte vor Gericht seinen Revers, dessen Wortlaut ihm das Recht einräumt, in seinen Studien nicht gestört zu werden und da ein Sachverständiger das Votum abgab, daß dieses Hornconcert in der That ein schwieriges und mit vielfachem Ceremoniell verbundenes sei, daher tüchtig eingeübt werden müsse, so wurde der Kläger abgewiesen. Die Familie harrt nun sehnsüchtig des jüdischen Neujahrstages, der die Studien ihres Miethers beenden wird. Wie». Herr 1)r. Tedesko in Prag hat den Franz-Joseph Orden erhalten und wurde in den Adelstand erhoben. Ebenso wurden mit dem goldenen Verdienstorden decorirt, die Herren Dr. Marcus Tler in Prag und vr Samuel Menz, Bürgermeister der jüdischen Gemeinde in Hohenems. Bvsdy Herr Maier Kallir von hier wurde in den erblichen Adelstand erhoben.