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Der Israelit · 1869-09-08 · Heft 36 (8.9.1869) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 36 (8.9.1869)
Date
1869-09-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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katholische Zwecke verfolgen, Protestanten-protestamische unv Juden haben jüdische Zwecke zu /verfolgen und jüdische Zwecke in der jüdischen Lehrerwelt sind keine andern als religiöse. Allerdings wird noch ein anderer Punkt hervorgehoben, Verein anderes den jüdischen Lehrerstand besonders berührendes Interesse, als das religiöse hervorhebt, bei den Regierungen nämlich zu erwirken, den jüdischen Lehrern eine feste Anstellung zu verschaffen. (Punkt 2) Bedarf es aber für diesen Zweck eines neu zu gründenden allgemeinen Vereins? Wir wollen nicht davon sprechen, daß bei unfern jetzigen Staatsverhältnissen, diese Frage recht bald zum genügenden Abschluß gebracht werden muß, daß auf diesem Gebiete die Emancipation nicht lange mehr ein tvdter Gesetzes-Paragraph bleiben kann, sondern bald lebendige Wahrheit werden muß, wie dieselbe es schon auf anderen Gebieten geworden ist; wir wollen aus diesem Grunde allein nicht die Nothwendigkeit eines allgemeinen Vereins unter de^ jüdischen Lehrern in Abrede stellen — aber das glauben wir mit Recht annehmen zu können, daß diese Emancipationsfrage viel besser von den betreffenden Localvereinen, resp. Gemeindevorständen bei den betreffenden Landtagen und Regierungen zum Austrag gebracht werden kann. Betrachten wir aber einmal die anderen Punkte, die das Programm aufstellt, und sehen wir, wie sich die mit dem Princip der Tendenzlosigkeit in Betreff der Religion vertragen. 1. Der Verein wird sich bemühen , auf pädagogischem Gebiet die Mitglieder durch ein geistiges Band zu vereinen, dieselben durch Veröffentlichung ihrer Arbeiten zu rastlosem Studium anzuspornen u. s. w. Es soll also eine Zeitschrift gegründet werden, pädagogische Fragen zu besprechen. Aber wozu denn, wenn nicht dem jüdischen Lehrer ein Organ geboten werden soll, in welchem, das was den jüdischen Lehrer besonders interessirt, das den jüdischen Unterricht Betreffende, besprochen werden darf? Gibt es ja genug Fachitungen, in welche jeder Lehrer seine Erfahrungen, nsichten und Meinungen niederlegen, und aus welchen er sich trefflich belehren kann. Wollte man aber sagen: O gewiß darf ein jüdischer Lehrer in unserer neu zu gründenden Zeitschrift sich über Religionsunterricht, biblische Geschichte, Unterricht im Hebräischen aussprechen, alles was die jüdische Schule insbesondere angeht, soll in der Zeitschrift besprochen werden: nun dann sind wir ja mit beiden Füßen in die religiösen Tagesfragen hineingesprungen. Ist es-denn den Herren in ElmShorm gänzlich unbekannt, daß das Wieviel des hebräischen Unterrichts, die Behandlung der Bibel, des Religionsunterrichts, der biblischen Geschichte von dem jeweittlgen Standpunkte, den der Lehrer in seiner religiösen Anschauung inne hat, abhängt? Und was nun der 4. Punkt des Programms betrifft, die Einführung eines einheitlichen Unterrichts, „soweit solcher thunlich," j in den Elementarschulen rinzuführen, das soll von einem j Verein ohne religiöse Färbung auögehen? Da« wäre l wirklich ein Meisterstück, daS hieße entweder den Rej ligionsunterricht, und was damit zusammenhängt, ganz j umgehen — dazu bedarf es doch wahrlich nicht eines! Vereines jüdischer Lehrer — oder der Verein müßte! sich dazu hergeben, Schulen zu gründen, die den je-! weiligen Anschauungen der verschiedenen Vorstände und Lehrer entsprechen, hier würde nun die ganze Bibel in der Ursprache und Mischnah und Gemara gelehrt, dort würde kein jüdisches Wort gehört werden, ein wenig Katechismus mit Moraltheolo.zie, das wäre Alles; hier Belehrung über alle rabbinifche Gebote nebst Minhagim — dort pentateuchische Gebote mit Auswahl; hier 8—10 Stunden Unterricht im Hebräischen jede Woche — dort höchstens 2 Stunden, um doch dürftig lesen und noch dürftigeres Uebersetzen zu lernen; — in diesem Fall hätte der Verein an sich keine religiöse Färbung, denn er duldet alle Farben, und bekanntlich gibt eine Mischung aller Regenbogenfarben ein farbloses Weiß. Aber wie steht es denn mit dem einheitlichen Unterricht? Der Verein will aber alle Schulbücher ausarbeiten lassen, also auch die Religionsbücher, dies nun natürlich auch wieder farblos. Wunder über Wunder! ES sollten doch in unserer Zeit alle Männer zu dem Bewußtsein gekommen sein, daß der Standpunkt des Waschlederthums in der Politik sowohl wie in der Religion ein überwundener sei. Wie der Gothaismus in der Politik längst zur wohlverdienten Ruhe eingegangen ist, so ist er in der Religion auch schon ad j acta gelegt. Es wird sich keiner mehr darüber täni schen können, daß religiöse Farblosigkeit keine Religion ist; wir leben jetzt in einer Zeit, in welcher Jeder Farbe bekennen muß, wer das nicht mag oder nicht! kann, der gehört zu den Unfähigen oder Schwachen, die keine Berechtigung haben, irgendwie in daS öffentliche Leben eingreifen zu wollen. Derjenige, der eine bestimmte Tendenz hat, die confervativste oder destructivste, hat das Recht sich auszusprechen, er wird den Kampf herausfordern, nun gut, — die Zeit wird den Kampf entscheiden; der Schwächling, der es Allen recht machen will, entgeht der Gefahr des Kampfes, man kümmert sich weiter nicht um ihn, wenn er der Ruhe in seinen vier Wanden pflegt, wagt er sich aber in die O effentlichkeii, mitten in den Kampf der Zeiten hinein, so hat er sich selbst zuzuschreiben, wenn er in seinem Ruhebedürfniß die Hände weder hierhin noch dorthin ausstreckend, manchen Stoß von dieser und jener Seite ruhig hinnehmen muß, und wenn er nun einmal den Schaden hat für den Spott nicht mehr zu sorgen braucht. Liebe Herren College«! Sie sagen am Schluß Ihres Aufrufs, daß Sie sich auf Kritiken in den Zeitungen nicht einlaffen werden; diese Bemerkung war

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