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Der Israelit · 1869-09-08 · Heft 36 (8.9.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 36 (8.9.1869)
Date
1869-09-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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708 einst ein liebenswürdiger, unterhaltender, freundlicher Mann; rasch gewann (ge Hr Vertrauen und als er sich anbot, sie auf schönen,. schnell zum ZDle Ährenden, angenehmen Wegen zu Ähren, da folgten ihm Alle gern. Er aber führte sie auf Abwege, wo im Hinterhalte Räuber lagen, und war dann der Erste, der über sie herfiel, sie zu lödten und zu berauben, und die unglücklichen Wanderer jammerten: Wehe, daß wir auf Diesen da gehört und uns von seiner glatten Zunge haben verführen lassen! — Die Kunde von dem Verführer gelangt wohl in die Welt, und wenn er sein schlimmes Werk von Vorne beginnen will, so hüten sich die Klugen vor ihm und meiden seine Gesellschaft, aber die Thoren vertrauen ihm stets aufs Neue. Lange dient der böse Trieb dem Menschen und schafft ihm seines Herzens Gelüste; er versorgt ihn mit lockern Weibern, er befreit ihn von dem Joche der Gotteslehre, erlöst ihn von dem Drucke des Gottesdienstes, und der Mensch jubelt ihm zu als Erlöser und Befreier und vertraut der Liebe des Verführers und derer, die mit ihm im Bunde sind, die da reden und predigen in Synoden und Reformtempeln: ,,WaS sollen uns noch die alten, hemmenden und beengenden Gesetze? Jeder Mensch ist frei und kann sich die Religion wählen, die ihm am Bequemsten ist." Und die Unglücklichen, die Verführten horchen ayf diese Schmeichelreden — es ist so bequem, so leicht das himmlische Joch abzuschütteln, nicht gehindert zu sein im Essen und Trinken und Erwerben, nicht gehemmt zu sein in der Liebe und im Genuß ~ aber diese Wege führen ins Gehmnom. — Vernunft und Weisheit sind der Verführung nicht unterworfen; nur das seelische Gelüsten und das körperliche Begehren sind es, die verführt werden können. pan ho 71*13, ach, der Weg auf dem alle Welt wandelt, das ist die Richtschnur der Töchter Lots. Mer nicht auf ihm wandele das Volk Gottes: Ahraham M»d auf am Morgen, um zu steigen auf den Berg Morijah, von dem ausgehen sollte die Lehre Gottes der WÄt, Jizchak ging hiuaus aufs Feld um zu beten, und Jakob sprach zu den Seinen; Wohlan, wir wollen hinaufziehen nach Bet-El, nach dem Hause Gottes. Hans JÄob's, wohlan, laßt uns wandeln im Lichte des Herrn'. — Offrnrr Gries it den Wohll. Vorstand des „israelitischen Lehreroers ein-" z« Frankfurt a. M, 16. August. Lieche Herren College«! Sie waren so freundlich, den Endesunterzeichne- -ton zum Beitritt zu dem von Ihnen gegründeten Mraelisischen Lehrerverern" einzuladen. Da aber diese Einladung nicht diiM pr. Post an mich, wie an kei- YM meiner Collzgen, HekomMy ist, sondern durch tehMNtmachung in diesen gLsch. Blättern, so werden ie mir es hoffentlich auch nicht übel nehmen, wenn ich Ihnen auf demselben Wege meine Antwort zukommen lasse, in welcher ich mir erlauben werde, Ihnen einige wenn auch unmaßgebliche, jedoch wohlgemeinte Bemerkungen zukommen zu lassen. Es wäre wirklich ein großartiges Werk, und glücklich der, dem der große Wurf gelänge, einen allgemeinen isr. Lehrerverein zu gründen! Den Lehrern, namentlich den jüdischen, thäte eine innige Vereinigung und Verbrüderung Noch, in der sie Kraft und Stütze fänden gegen äußere Unbill und Widerwärtigkeiten, eine Vereinigung zu gegenseitiger Belehrung und zur Verbreitung pädagogischer Lehren durch Herausgabe einer populär geschriebenen Zeitschrift, da den meisten Eltern das Interesse für Schulverhältnisse und somit die richtige Würdigung des Lehrerstandes fehlt, und ihnen eine Erziehung nach Grundsätzen, die einzige Möglichkeit, daß Haus und Schule sich einander in die Hände arbeiten, ein unbekanntes Gebiet ist. Wenn aber ein Verein dienen soll Grundsätze zu verbreiten und Charqctszx zu bilhen, so rpyß er selbst Grundsatz und ausgesprochenen Character haben. Wenn ich aber Ihr Programm durchlese, so vermisse ich dyrin Grundsatz und Character. Sie wollen einen „israelitischen Lehrerverein" gründen, so heißt's in der Ueberschrfft, aber ohne religiöse Färbung (Punkt 1.) Aber wozu dann einen israelitischen? We.yn Sie denn Hoch so ängstlich das Religiöse verstecken wollen, wqrpm wollen Sie denn so intolerant sein, Andersgläubigen die Aufnahme zu verweigern? Das Gebiet der Pädagogik ist weit, Erziehung im Mgememeu, Methode, Wissenszweige köuussn vom aflg^Mip menschlichen Standpunkte ohne Sonderstellung in einem Vereine, der aus Juden, Christen und Türken besteht, discutirt und gegenseitig güehrt werden, unbeschadet der individuellen religiösen Meinung, die Jeder für sich haben kann. Wenn aber ein Verein gegründet werden soll, dessen Hauptbedmgung ist, daß jedes Mitglied Jude sei, so kann doch in dieser Bedingung nur der Sinn liegen, daß eben das, was dem Juden Sonderinteresse ist, besonders gepflanzt und gefördert werden soll, und des Juden Sonderintereffe ist seine Religion. Wir haben dieselben politischen Interessen, wie unsere andersgläubigen Landsleute, wir haben uns mit ungezogenen Buben zu plagen, wie unsere andersgläubigen College». Darum bin ich der Meinung, daß einem iSrael. Lehrerverein, der nicht Wohlchätigkeiiszweckt verfolgt, Character und Grundsatz fehlt, sobald er ohne religiöse Färbung -sei» soll. Treten Katholiken zu einem katholischen Vereine zusammen, so sollen sir

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