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Der Israelit · 1869-09-01 · Heft 35 (1.9.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 35 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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686 Den Schluß seiner Jugendstudien bildete Würzburg, wo er die Universität besuchte, den Vorlesungen des berühmten Professors Wagner mit besonderem Fleiß oblag und dabei unter y'i u*a ernax Y'-nna seine Talmudstudien weiter trieb. Nachdem er so die gründlichsten umfassendsten Talmudstudien gemacht und dabei die profanen Wissenschaften mit Fleiß gepflegt hatte, trat er die Bezirksrabbinerstelle in Gailingen an, wo er 22 Jahre lang segensvoll wirkte. Die letzten 18 Jahre wirkte er in Tauberbischoföheim. Seine ganze Amtsthätigkeit vom ersten bis zum letzten Tage läßt sich in die Worte des Propheten resumiren: imspa rrd nYyi ursn nrvn nn« mm pya a»Brn D’mi m« -pn -intnai aftara. „Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde; Unrecht wurde auf seinen Lippen nicht gefunden; in Friede und Biederkeit wandelte er mit mir und brachte Viele von »er Sünde znrück." Moritz Fuld. J? Tauberbischofsheim, 29. Juli. Wir haben Aute einen Mann zu Grabe geleitet, dessen Andenken allen Denen theuer sein wird, die ihn näher gekannt, und seinen reinen mackellosen Wandel zu würdigen in die Lage gesetzt waren: Bezirksrabbiner Löwenstein wurde plötzlich nach 3tägiger Krankheit unserer Mitte entrissen, nachdem er 18 Jabre hier segensreich gewirkt. An ihm verliert die Familie einen liebevollen Gatten und Vater, die isr. Gemeinde seines Bezirks einen gewissenhaften Seelenhirten, die Gesellschaft einen braven treuen Bürger. Der außergewöhnliche Leichenzug gab auch Zeugniß von der Liebe und Achtung, die er sich allenthalben durch sein stilles Wirken, durch feine edle Bescheidenheit erworben. Verflossenen Samstag feierte derselbe seinen 70. Geburtstag und zugleich sein 40. Dienstjahr. Diesen Tag, an welchem ihm so viele Beweise der Anhänglichkeit, der Achtung und Freundschaft von Allen bekundet wurden, rechnete er zu den schönsten seines Lebens. Schon aber warf der Todesengel seine düstern Todesschatten vor sich her; nur er jedoch bemerkte dieselben und seine freundliche Heiterkeit verscheuchte sie vor den Blicken Anderer, damit die Festeöfreudnachi nicht getrübt werde. Willenskräftig wie Wenige, enthaltsam bis zur Kasteiung, suchte der Verblichene seiner Familie alle erlaubten Vergnügen zu bereiten; kein Opfer war ihm zu groß, wenn es sich darum handelte, seine Angehörigen zu erfreuen. Er war aber nicht nur Vater der Seinigen sondern auch Vater der Armen. Wo es galt, Hilfsbedürftige zu unterstützen, Nothleidenden zu helfen, Trauerte zu trösten, war er bereit, und nie glaubte er darin genug gethan zu haben; in ihm verlieren Viele einen freundlichen Helfer, einen treuen Rathgeber. Die isr. Gemeinde betrauert in ihm einen edlen Seelevhücten. Ihm war die Kanzel eine geweihte Stätte van welcher das Gotdeswort rein und unverfälscht gelehrt wurde; dort strafte und ermahnte, rügte und warnte, lehrte und unterwies er; aber außerhalb des Gotteshauses war er Menschenfreund im edelsten Sinne des Wortes, fremd jedem Fanatismus, feind jeder Verdammungssucht, liebevoll gegen Jedermann, bescheiden und bieder in seinem Umgänge. Nichts gibt einen glänzenderen Beweis von der Reinheit seiner Gesinnung, von der Erhabenheit seiner Grundsätze, von der Lauterkeit seines Charakters, als die in seinen letztwilligen Anordnungen, theils an seine Hinterbliebenen, theils an seine unter seiner geistigen Leitung gestandene Gemeinde gerichteten Worte: „Folgende theils moralische, theils religiöse Pflichten, gegen welche aus menschlicher Schwäche oft gefehlt wird, empfehle ich meinen Hinterbliebenen. Liebe und Eintracht zwischen Familienmitgliedern, Dankbarkeit gegen Gott unter allen Umständen für seine unzähligen Wohlthaten. Dankbar gegen Menschen, welche ihre Güte, wäre es auch nur ein einziges Mal, uns erwiesen haben. Von Niemandem in seiner Abwesenheit Böses reden. Niemanden zu verurtheilen, so lange man nicht von der Verwerflichkeit seiner Handlungen unumstößlich überzeugt ist; selbst bei einem tadelnswertheu Menschen seine gute Eigenschaft nicht zu verkennen. Vor der Einsenkung des Sarges werde in meinem Namen Folgendes verkündet: Ich danke meinen zahlreichen Gönnern im RabbinatSbezirke für die vielfachen Beweise ihres Wohlwollens und ganz besonders den hiesigen Gemeindegliedern. Ich verzeihe von ganzem Herzem Jedem, der mir zu nahe getreten ist, wie auch Gott ihm verzeihen möge. Ich bitte Jeden um Verzeihung, dem ich vielleicht in Ucbererlung zu nahe getreten bin, wie auch Gott mir verzeihen möge. Ich bitte sämmtliche Bezirksangehörige, das Institut der Sammlung von Spenden für die Armen des heiligen Landes nickt eingehen zu lassen." Mit diesen Lehren stand sein Leben in vollem Einklang; Wort und That stimmten überein; was er lehrte, war aus voller Ueberzeugung entsprungen. Theorie und Praxis bildeten keinen Gegensatz. So gewissenhaft und pünktlich der Heimgegangene jedoch in der Erfüllung seiner Pflichten war, so strenge er selbst alle Vorschriften der Religion beobachtete, über Andersdenkende und Andershandelnde urtheilte er stets milde; er beklagte den Unglauben, allein den Ungläubigen verdammte er nicht. Aber auch Bürgersinn wohnte in seinem edlen Herzen. Lebte er auch zurückgezogen, so verschloß er sich dennoch der politischen Bewegung nicht. Immer freute er sich, wenn in unserer Stadt oder in unserm engern oder weitern Vaterland ein, die hohen Zwecke der Gesellschaft fördernder Fortschritt auf irgend einem Gebiete sich kund gab. Doch blieb er den polnischen Kämpfen stets fern. Sein Beruf war das Lehren. Schwach wie ec war, unterzog er sich gern dieser Mühe undließ sich durchrms nicht abhalten, noch in

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