Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-09-01 · Heft 35 (1.9.1869) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 35 (1.9.1869)
Date
1869-09-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447430--07548-2463154
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

687 den letzten Wochen den Unterricht zu ertheilen; und dieser Unterricht war, wie sein ganzes Wesen, geistig durchdacht und geistig anregend. Er war ein Muster eines Geistlichen. Sein Name bleibt auch i« ehreuder Erinnerung in unser AVer Herzen. Aus MeckleuHurg Der mecklenburgische Adel war von jeher gewohnt, das Seebad Doberan mit dem heiligen Damm als seine Domäne zu betrachten und fand sich daher unangenehm berührt, daß diesmal auch Bürgerliche, namentlich Berliner Bankiers, Rentiers, Schriftsteller rc., meistens mosaischen Glaubens, welche auch hinsichtlich des Geldbeutels ihm die Spitze boten, dort eine Rolle spielten. Namentlich soll es dem hohen Adel mißsallen haben, daß das verehrungswürdige Publikum jüdischer Consession für die Verunglückten im Plauen'schen Grande den etwa zwanzigfachen Betrag dessen collectirt hat, was dem Ersteren aufzubringen gelungen ist. Auch das Gefühl, daß nunmehr die Juden in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung dem christl. Adel gleichgestellt sind und durch Ankauf eines ritterschaftlichen Gutes landstandschaftsfähig werden können, mochte eine etwas bittere Stimmung erweckt haben. Genug, diese explodirte nun dadurch, daß ein Edelmann seinem gepreßten adeligen Herzen durch nachstehendes geistreicke Epigramm Luft machte und dasselbe im Gesellschaftszimmer des Kurortes niederlegte: Eins thut am heiligen Damm mir leid : Me JUven machen sich gar zu breit; Sie machen es sich io bequem, Man denkt, man sei schon in Jerusalem. Dieser Vers ist nun dem Redacteur des „Kladderadatsch" Herrn Dohm, welcher sich dort aufgehalten hat, in die Hände gefallen und hat derselbe dem Epigramm als Antwort hinzugefügt: Am heiligen Damm wär's ohne Tadel, Beschämte nicht ein hoher Adel Durch Geistesarmuth und durch Zopf Den mecklenburg'schen Ochsenkopf *) (Didaskalia.) <&d)flperttu Der Vorstand der hiesigen isr. Gemeinde fordert alle Juden in Mecklenburg aus Dank für die Emanzipation auf, Geldsammlungen voranstÄten zu wollen, mit welchen er ein wohlthätiges Institut unterhalten will. (Hamagid.) Mtona, 19. August. Wie den Lesern Ihres geschätzten Blattes bekannt, ist vor einiger Zeit Herr vr. Caro zum Honorarprofessor an d r Breslauer Universität ernannt worden imd Iiesd Ernennung von dem norddeutschen Bundeskanzleramt, nicht, wie man vermuthete, vom preuß. Cultusministerimn ausgegangen. Ein weiterer Beweis, daß in der Oberleitung des norddeutschen Bundes eine größere Unbefangenheit in confessioneller Beziehung als an andern Centralstellen sich kungibt, ist uns in diesen Tagen bekannt worden. Es hat nämlich Graf Bismark in seiner Eigenschaft als Kanzler des norddeutschen Bundes einen aus Hamburg gebürtigen, jetzt in England ansässigen Israeliten zum Consul von Sunderland ernannt. Der Erwählte heißt M. D. Wiener; derselbe genießt, wie sich leicht ermessen läßt, in seiner neuen Heimath die höchste Achtung sowohl in allgemein humaner als in merkantilischer Beziehung. Holland. Arnstterdar«. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß die jüdischen Soldaten vom 2. September bis 1. Oktober, in welche Zeit die jüdischen Feiertage fallen, beurlaubt werden. Herr L. Pincoffs von Rotterdam wurde vom Könige von Holland zum Ritter des niederl. Löwenordens ernannt. (N. I. W.) Frankreich. WerHenburg. Am 15. d. feierte die isr. Gemeinde von Weissenburg (Elsaß^l die Grundsteinlegung einer neuen Synagoge. Der Ober-Rabbiner des Centralconststoriums, sämmtliche Civil- und Militärbehön den der Stadt, sowie zahlreiche Eingeladene wohnte» der Feier bei. Der Ober-Rabbiner durfte sich in seiner Rede mit Recht zu der vollkommenen Eintracht Glück wünschen,, welche zwischen den verschiedenen Confesiionen im Elsaß herrscht. Rußland. Wilna, 15. Aug. Ein Erlaß vom 7. v. M. befiehlt, sämmtliche Pachtverträge, welche zwilchen Juden und christlichen Besitzern von Ländereien seit dem Jahre 1860 abgeschlossen worden und nach denen Inden in Pachtbesttz von Ländereien sich befinden, zu eontrollren und streng darauf zu halten, daß diese Verträge nur noch bis zu einem Termin, der vön öörn herab noch näher bestimmt werdm wird, Giltigkeit haben, dann aber aufgehoben werden, falls nicht eine andere Bestimmanll ötS dckhin erschienen ist. Wo sich etwa die Vermuthung Herausstellen sollte, daß der Vertrag ein fingirter und das Geschäft in Wirklichkeit ein Kaufgeschäft sein könne, ist sofort Anzeige zu machen. (Schl. Ztg.) ES scheint, daß man auch die noch nicht gänzlich verarmten russischen Israeliten allmählich dem Hungevtode entgegentreiben will. *) Der Ochsenkopf ist nämlich das meckleubargisty« Wapipcm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.