Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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666 vor «irrigen Jahren in Liebe zu einem jugendlichen jüdischen Mädchen und scheint auch Gehör gründen zu haben. Die orthodoxen Eltern des Kindes wollten freilich von einer Verbindung ihrer Tochter mit einem christlichen Jüngling nichts wissen, verlobten dieselbe mit einem jungen.Israeliten und dieser Tage sollte die Hochzeit gefeiert werden. Einstweilen schickten sie das Mädchen zu einem Anverwandten in das obbenannte Dorf. Sonntag Nachts nun wurde die Hütte, in welcher das Mädchen sich aufhielt, plötzlich umzingelt, die altere Frau unter Drohungen und Mißhandlungen gezwungen, ihre Schutzbefohlene auszuliefern, worauf sich die etwa 20—30 Mann zählende Bande mit der Geraubten auf einen berertgehaltenen Wagen in der Richtung nach Krakau schleunigst entfernte. Der Kutscher sagt aus, er habe die Entführer sammt dem Mädchen bis zur Krakauer Wechselbrücke gefahren, dort seien dieselben abgestiegen unv hätten das" Mädchen ins hiesige Visiterinenkloster geführt. Bereits ist der Bergmann und einer seiner Mitschuldigen in Wieliczka zur Haft gebracht. Die Familie der Geraubten aber irrt hier von einer Behörde zur andern und erhielt von der Polizei die Erklärung man müsse beim Bischof sich verwenden, um die „Taufaspirantin" im Kloster aufsuchen zu können. — Gestern Abends erhielt der Vater des entführten Mädchens, ein gewisser Perlberg, einen Brief von seiner Tochter, worin ihm dieselbe anzeigt, daß sie von ihrem Entführer in das Kloster der Bisiterinen gebracht wurde und verzweifelnd um schleunige Befreiung aus ihrem Kerker steht. Der arme Vater konnte sich nicht langer halten, er raffte einen Haufen Glaubensgenossen, die bekanntlich hier auf den Straßen häufig zu finden sind, zusammen und begab sich ins Kloster. Auf dem Wege .dahin wuchs der Haufe zu einer ganz ansehnlichen Schaar heran, welcher sich auch viele Christen, besonders Studenten anschlossen. Die Oberin war, wie es scheint, der Haltung des Volkes eingedenk und führte dm Vater des Mädchens nach kurzem Parlamentiren zu demfelbm. Als dasselbe unter Thränen erklärte, den unfreiwilligen Aufenthalt sofort verlassen zu wollen, die Oberin aber in die Freilassung nicht «iSigio, rief der Mann seine Glaubensgenossen herbei, und im Nu war das Mädchen unter dem Iubelgeschrei der Menge in die Höhe gehobm und in Freiheit gesetzt. Dies geschah zwischen 7 und 8 Uhr Abmds und die Befreite wurde sofort in ihre Heimath Wirliczka gebracht. Krakau, 17. August. Die Entfuhrungsgeschichte eines jüdischen galizischen Mädchens wird von einem Correspondenten der „Wiener Abendpost" folgendermaßen dargestellt: „Montag, den 9. d. M. Abends, lief bei der Krakauer Statthalterei Abtheilung die Anzeige des Bezirksvorstehers in Wiekiezka ein, es fei das Zudenmädchen Feigel Perlberg in der verflossenen Nacht aus dem Hause ihrer Verwandten in Bogucice (Mieliczkaer Bezirk) von einigen verkleideten junge« Männern, worunter ihr Liebhaber sich befand, entführt und ohne Zweifel nach Krakau gebracht worden. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen ergaben das Resultat, daß in der That Montags ein junges Mädchen mit zwei Männern nach Krakau kam und im Kloster der Visiterinnen untergebracht sein dürfte. Auf die sofort an die Oberin des Klosters gestellte Anfrage, ob sich factisch dasbezeichnete Mädchen im Kloster befinde, sandte dieselbe die bereits fertige Meldung der Perlberg ein mit der ganz aus freien Stücken gemachten Eröffnung, daß sie, die Oberin, gerne bereit sei, das Mädchen, das blos einer Liebelei halber Zuflucht im Kloster gesucht, unverzüglich ihren Verwandten auszusolgen. Dem Vater des Mädchens, das übrigens schon 17 Jahre zählt, wurde Seitens der Behörde sofort eine Unterredung mit demselben verschafft, welcher hierauf mit seiner Tochter, ohne den geringsten Widerstand von Seiten der Klosterfrauen, das Kloster verließ. Bei dieser höchst einfachen Sachlage war von der Nothwettdigkert einer Revision jenes Klosters absolut keine Rede. Gegen die Entführer des Mädchens, von denen sich zwei in Haft befinden, ist die ftrafgerichtliche Untersuchung eingeleitet." Syrien. Wie unfern Lesern bekannt, steht Herr Seligmann Weiskopf aus Wallerftein in Bayern, Sohn des dortigen Districts-Rabbinen, einer von ihm im Aufträge der Alliance Zsr. Univ. in Damaöcus gegründeten Schule vor^^Mr entnehmen einem uns vorliegenden FamilimbtH^RMselbm Folgendes: „Heute, den 26. IunMrfuhr ich früh Morgens durch Zufall, daß ein deutscher Baron angekommen sei; ich rieth sogleich auf S. Kgl. Hobeit den Prittzm Otto von Bayern und begab mich Mittags in'S viel. Dort erfuhr ich, daß man das Jncügnito des rinzen streng bewahrt hatte; ich wandte mich anseinen Cavalier Frhr. v. Prankl, welcher mir sehr freundlich erwiderte, daß ein Gras v. Wittelsbach angekommen fei. Ich ließ mich natürlich wenig einschüchtern, nannte ihm müneri Namen, den er sowie den unseres l. Vaters zu kennen angab, da er Wallerstein schon oft besucht hatte. Nach längerer herzlichen Unterhaltung meldete er mich beim Prinzen, dem er den Znhalt unserer Unterredung mittheilte. Sogleich empflng mich auf's Allerjrenndlichste der wirklich liebenswürdige junge KönigSsotzri, fragte mich nach dem Grunde meiner weiten Entfernung von der Heimath, über hiesige Verhältnisse rc., so verging eine halbe Stunde in angenehmem Gespräche, in welchem Prinz Otto mir sein Bedauern ausdrückte, mein« Schuke nicht besuchen zu können, da er morgen früh wieder abreise. „Das macht Ihnen viele Ehre," sagte