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Der Israelit · 1869-08-25 · Heft 34 (25.8.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 34 (25.8.1869)
Date
1869-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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66$ ster der Mormonen, daß er ihnen eines der großen Gebäude zur Abhaltung des Gottesdienstes vermiethen möge. Dieser gab ihnen das schönste derselben unentgeltlich. Zum ersten Male seit seiner Gründung wurde in Utha jüdischer Gottesdienst abgehalten. Sammtliche Glaubensgenossen hatten ihre Laden geschlossen. Als sie den Nothschrei aus Westrußland vernahmen, verastalteten sie eine Collecte. Sie haben jetzt auch einen besonderen Begräbnißplatz, der ihnen umsonst auf Befehl des Hohenpriesters von der Stadt gegeben wurde. Die Juden stehen überhaupt in großem Ansehen bei den Mormonen. Ihrer Richtung nach sind sie alle orthodox. Afrika. Aus der Sierra Leona-Küste wohnen.drei Juden. Vor einigen Monaten starb einer derselben, Herr D. H. Davidsohn, ein Kaufmann, welcher fast 30 Jahre auf dieser Küste gelebt hat. Wie man vernimmt, wurde er auf dem protestantischen Friedbofe, wo schon mehrere Glaubensgenossen ruhen, begraben. Wenn auch die Zahl der Juden daselbst zu klein ist, um einen eigenen Begräbnißplatz anzulegenj, so sollte man doch denselben einen besonderen Platz aus dem protestantischen Friedhofe anweisen. Australien. Melbourne. Auch dahier hat sich ein Comite gebildet, um für die Nothleidenden in Westrnßland Geld zu sammeln und sind bereits 1560 st. eingegangen. Feuilleton. Me Arrestasche. II. Der erste Brief. Nach vierzehn Tagen erhielt Frau Cers den ersten Brief von ihrem Sohne. Derselbe lautete: Meine heiß- und inm'ggeliebte Mutter! So bin ich denn seit vierzehn Tagen in dieser großen Stadt, von deren Größe und Schönheit ich vorher gar keine Vorstellung gehabthabe. Doch davon später; zuerst meine eigenen Angelegenheiten, weil ich weiß, daß diese das größte Interesse für Dich haben. „Ich bin wohl und munter hier angelangt und in einem bescheidenen Gasthofe, Hotel Boucherat in der rue St. Louis im Marais, eingekehrt. Am Montag suchte ich meinen neuen Principal, Mt. Bernaud auf, der mich stevndlich aufnahm und mich ersucht^ recht bald einzutreten, da er mich sehr nothwendig brauche. Ich habe mir dann eine Wohnung gerniethet und zwar — erschrick nicht liebe Mutter — sechs Treppen hoch. Aber ich habe junge Beine und diese Wohnungen Hoch oben sind billiger und auch gesünder. Meine Kost nehme ich bei einer frommen jüdischen Wittwe, die mir Herr Bernaud empfohlen Herr Bernaud ist ein sehr freundlicher, höflicher Mann und ein tüchtiger Geschäftsmann; aber, wiewohl er am Sabbat sein Geschäft geschlossen hat, halte ich doch nicht viel von seiner Religiosität; er äußert sich so wegwerfend über Dasjenige, was uns Juden heilig sein soll. Ich glaube, er feiert Sabbat und Festtage nur aus Rücksicht für seinen reichen Schwiegervater Mr. Richefort, der ein sehr frommer Mann ist. Doch chas kümmert mich nicht; es ist mir genug, daß ich den Sabbat so feiern kann, wie ich es bei Dir vor mir gesehen habe. Denke Dir, liebe Mutter, in dieser großen Stadt darf man am Sabbat „tragen;" denn die ganze Stadt ist mit Mauern umgeben. Louis Philipp hat sie befestigen lassen. Freilich hat ihm das nichts geholfen, da seine Feinde nicht von Außen kamen, da vielmehr das Volk von Paris gegen ihn aufstand. Run, die wenigen echt frommen Jehudim, die hier sind, haben doch diese Annehmlichkeit davon. Herrn Richefort, den Schwiegervater meines Principals, habe ich bereits den ersten Samstag besucht; ich traf dort mit einem sehr ehrenwerthen Herrn Rossignol und dessen Tochter Melanie zusammen. Es sind das sehr liebenswürdige Leute. Die Tochter ist noch sehr jung, aber geistvoll, schön und dabei bescheiden und anmuthig. Herr Rossignol gilt für reich, soll aber dabei sehr sparsam sein. Man spricht davon, daß er eine halbe Million Franken bei her Bank deponirt habe. Er lud mich ein, ihn in seiner Wohnung zu besuchen, die sich in der nie du temple befindet. Ich bin vorigen Samstag seiner Einladung nachgekommen und fand das Aussehen der Wohnung des Herrn Rossignol sehr bescheiden und einfach; er wohnt im vierten Stock. An Wochentagen habe ich gar keine Zeit; da muß ich den ganzen Tag im Laden stehen und verkaufen; auch Sonntags bin ick bei den Büchern beschäfftigt. So komme ich nur am Sabbat dazu, mich ein wenig in der Stadt umzusehen. O, liebe Mutter, was für eine Stadt ist das! Man braucht hier nur in den Straßen spazieren zu g'ehen, so hat man mehr zu sehen und zu hören, als wenn man anderswo Theater und Coneerte besuchte! Diese breiten, schönen Straßen, diese wundervollen, hohen prächtigen Häuser, die köstlichen Läden mit allem Schönen, was man stch kaum im Traume se schön vorstellen kann, dabei dieses Getümmel auf den

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