Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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661 hat, wie man zu sagen pflegt, den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist durchaus nothwendig, noch in der zwölften Stunde abermals an das Vorsteheramt und die Gemeinde zu appelliren und die Hoffnung nicht ganz aufzugeben, es werde dieser Appel in Ihrem Hierlands vielgelesenen Blatte von Erfolg begleitet sein. Das Vorderhaus ist aus dem Abbruch sehr ungünstig um 4000 fl. verkauft worden und doch will der Käufer gewisser Umstände wegen den Kauf nicht halten. Ergreifet, wackere Ulmer, diese Gelegenheit, den ganzen Plan fallen zu lassen. Der größte Theil der Gemeinde ist mit dem Neubau nimmer einverstanden, obwohl er dafür Actien gezeichnet und theilweise einbezahlt hat. Wie es eben bei solchen Dingen zu gehen pflegt: der Eine wurde überredet, den Andern verleitete die Eitelkeit, der Dritte wollte seinen Edelmuth zeigen. Man kann jetzt mit Bestimmtheit annehmen, daß die Hälfte der Actionäre ihre Zeichnung bereuen und heute 2/3 gegen den Neubau votiren würden, wenn abgestimmt werden wollte. Man fürchtet die kolossale Last; man sieht ein, daß das Unternehmen Luxus ist und nichts O'vL/ geschieht; man fühlt die Fehler, die gemacht wurden und sieht ein, daß die größten Böcke erst Nachkommen. Noch ist zu helfen: gebt den Plan auf, neu zu bauen! haltet ein und überleget es noch einmal mit euerer Gemeinde, ihr Vorsteher, und ersparet euch die Vorwürfe, die nicht ansbleiben können Ihr lasset eines der schönsten Häuser der Stadt niederreißen, um an dessen Stätte einen Bau aufzuführen, der bald und immer mehr den Unfrieden bringen wird. Man frage sich, ob eine Gemeinde, und wenn sie noch so viele Mittel besäße, berechtigt ist, ein solches Luxusgebäude zu errichten, während sie seit ihrem etwa 20jährigen bestehen nicht die Mittel gefunden hat, die ersten rituellen Einrichtungen einer jüdischen Gemeinde zu beschaffen. Was wird wohl der Minister von Golther sagen, wenn einer der Delegirlen in der Sitzung Ulms Zustände als Beispiel aufführen, und dieO.-K. Behörde auf diesen Wege interpelliren würde?! Nicht Angst vor den größeren Ausgaben, nicht Geldliebe lüktiren diese Worte, welche es versuchen wollen, eine nochmalige Ueberlegnng des Gegenstandes zu erwirken. Ueberleget und berathet es mit euerer Gemeinde, ihr Herren Vorsteher, laßt einmal förmlich abstimmen, wie es bisher schon öfters vergeblich verlangt wurde, ob eine Mehrheit für den Neubau sich ausspricht. Die Majorität sei kompetenter Richter! — Aber bei der gegenwärtigen zweifelhaften Gemeindestimmung, ist es wahrhaft mehr als gewagt, energisch sortarbeiten zu lassen. Lasset euch auch nicht bethvren, als vb die Befürchtung vor der Einführung der Orgel diese Zeilen erzeugt hätte. Die Orthodoxen sind dieser Angst nicht zugänglich. Auch dem Einzelnen genügt es, seinen Gott zu Hause anznbeten, wenn ihn die neue Gottesdienstordnung ärgern sollte; er weiß, daß man auch ohne jeglichen derartigen Synagogenbesuch ein guter Jehudi sein kann. Nur die Einsicht, daß große Fehlgriffe gemacht werden, erläßt diesen Mahnruf. Die einzelne Gemeindegenossen mögen reich und willig sein; die Kasse der jungen Gemeinde ist klein; deßhalb muß mit Spenden, Gaben, Aktien und Schulden eine Synagoge gebaut werden, ein Prachtgebäude, das kein Bedürfniß ist. Erle mit Weile! Warten wir und sammeln wir und sammeln wir in solider Weise, bis wir größere Mittel zur Verfügung haben und rufen wir unfern Gott einstweilen in einfacheren Räumen an. na »nfyn rra »naar» *6 »a pipoai ^naa *pnne rpnsn O'^sod (2. Sam. 7,1 - 7.) Berlin. Nach einer vor Kurzem erschienenen statistischen Tabelle wohnen in Berlrn 630,271 Protestanten. 40.922 Katholiken und 27,565 Juden. 358 Familien halten sich Hauslehrer und von diesen Familien sind 243 protestantischer, 12 katholischer und 100 jüdischer Religion. Bei den christlichen Confessionen kommen 15 % uneheliche Geburten vor, während es bei den Juden nur 2 % sind, bei den Christen sterben 4 %, bei den Juden nur 1 %. Bei den christlichen Consessionen sterben von den Kindern bis zum 5. Jahre 25 %, bei den Juden 10 %. (Nationalzeitung.) Cius. Der geistvolle Chef-Redacteur des „Un.Jsr.", Herr S. Bloch aus Paris, war im Monat Juli im Bade Ems zur Kur. Dem in seinem Blatte über den Aufenthalt daselbst gegebenen Bericht entnehmen wir folgende Stelle: „Wir haben Gelegenheit gehabt, uns mit Rabbinern, Predigern und sonstigen Leuten, die der Reformpariei angehören, zu unterhalten. Sie zeigten in ihren Unterhaltungen eine völlige Entmuthigung, eine trostlose Niedergeschlagenheit. Sie gestanden mit Traurigkeit ein. daß ihr Werk ganz manaelhaft ist, daß ihre Tempel, obgleich in denselben alle eitlen Neuerungen, Vocal- und Instrumentalmusik, Chorgesang von Mädchen, deutsche Gebete, rationalistische Predigten u. s. w. eingeführt sind, fast das ganze Jahr hindurch und oft auch an den hohen Festtagen leer, wie traurige Wüsten, sind; daß in den Häusern der Reformer die reinen und heiligen Sitten unserer Väter, die strengen Tugenden und das gemächliche Familienleben des alten Judenthums immer schwächer werden, immer mehr verschwinden. Braucht man noch mehr Beweise, um diese reformistische Arbeit zu verdammen und zu verabscheuen? Oefterreichischer Kaiserftaat. Wien. Wie das dahier erscheinende „Fremdenblatt" schreibt, wird nach den nunmehr sanctionirten Beschlüssen des isralitischen Kongresses Ungarn und Siebenbürgen mit Rücksicht auf die israel. Bevölkerung