Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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659 Sch hat sich nämlich, angeregt durch die Mehrfachen Artikel deS „Israelit" und „Ieschurun" gegen M Institut, eine Gesellschaft junger — und fügen wir hinzu — orthodoxer Literaten zu dem Zwecke vereinigt, den schlechten, für die Entwicklung der jüdischen Literatur geradezu verderblichen Einflüssen entgegenzutreten, und das Publikum des Literatarvereins in den politischen Blättern und Journalen — wo ja die Herren von der Reform ihren Haupthumbug treiben — über die Ziele und Zwecke dieses Vereins und seiner Leiter genügend aufzukläre«! Alö erstes Product dieser Gesellschaft wird schon in den nächsten Wochen eine Broschüre: „Das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur, eine unparteiische Skizze", erscheinen, die höchst interessante und wahrheitsgetreue Ausschlüffe über die Thätigkeit des Instituts durch 13 Jahre, über seine Werke, über seine Rechnungsablegung und seine administrative Leitung bringen wird. Die Stimme dieser gesetzestreuen Männer - deß bin ich gewiß — wird nicht ungehört verhallen; sie wird ein Echo finden in den Herzen aller wahrhaft glaubenstreuen Juden, und wird Von hoffentlich die erste Anregung zu gedeihlichen Neugrüudungen im orthodoxen Geiste geben! Nach dieser ziemlich erfreulichen Nachricht kann ich wohl schließen, da über diesen Gegenstand mehr zu sprechen wohl nicht gerathen wäre, und Thaten reden lassen gewiß geeigneter sein dürfte. Nur einen Umstand, der mir erst kürzlich ausgefallen, kann ich mich nicht enthalten, Ihnen zu Ihrem Ergötzen noch mitzutheklen. Er mag zugleich beweisen , wie es mit der vielgerühmten Litexaturkenntniß unserer Reformherren, die ihnen gar keine Zeit zur n-idj ließ, bestellt ist. Im Jahre 1866 edirte das Institut ein Buch: „Biographische Skizzen," enthaltend die Biographie des bekannten Reformheros Gotthold Salomon — beiläufig gesagt der erste jüdische Prediger, der sich öffentlich über das Ceremonialgcsetz hinaussetzte — von Phöbus Philipson. Wie fast jeder Biograph, so hat sich auch Herr Or. Phöbus Philipson die Aufgabe gestellt, seinen Helden ganz übermäßig zu gloristciren, und hat statt einer objektiven Biographie eine parteUiche Panegyrik geliefert. Doch darüber wollen wir hier weiter nicht rechten, da dieser Literaturbrief keine Kritik jener Makulatur-Biographie beabsichtigt, sondern einzig und allein die Unwissenheit unserer jüdischen Reformheroen characteristren soll! — In dieser Biographie wird u. A. auch ein längst verschollenes Buch: Erinnerungen an das Seebad Helgoland im Jahre 1834" von G. Salomon rühmend hervr^gehobey, und zur Bekräftigung bringt Herr Dr. PMns Philipson iw Anfänge zwei Gedichte, .zu denen die r«üzende Lage Helgolands den selige» Solomon begeistert haben soll, und die ausdrücklich anziehend genannt werden. Wie erstaunte ich, als ich sofort im ersten Gedichte die treffliche Poesie Theodor Körnens, des deutschen Classtkers, von Wort zu Wort abgeschrieben erkannte. Wahrlich, einen solchen Betrug hätte ich keinem Menschen, selbst einem Reformator nicht, zugetraut! Ich bitte Sie, lieber Freund, sich selbst zu überzeugen! Das Gedicht lautet: „Des Sängers Lied zu den Sternen." befindet sich in der Groitschen Ausgabe von Körners Werken auf Seite!39 und in der Biographie Solomons von Philipson iun. auf Seite 194. Gotthold Salomon war bekanntlich der Dichter der Reform par excellence! Seine Gedichte haben iu vielen Duodezgemeindchen unsere uralten kräftigen und poetischen Gebete verdrängt; wer weiß, wie viele davon aus unbekannten Gedichtsammlungen christlicher Pastoren excerpirt sind .... Denn wenn ein Gedicht abgeschrieben ist, wer bürgt mir für die Originalität der übrigen? Freilich das nou* otso -on nawn gilt für die Herren nicht mehr, die von dem Kothurn ihrer erlogenen Gelehrsamkeit gar vornehm auf den Talmud herabschauen, und daß das treffliche Perekworth: mmn ptn bv bvn bv sich auch auf geistigen Diebstahl bezieht, das hat wohl Herr Vr. Salomon nicht gewußt. Doch was rechten wir da mit Salomon; heißt es doch äs mortui« nil nisi bene und ist doch der milde Grundsatz unserer Weisen, daß der Tod sühnt. Möchte ihm Gott vergeben, was er dem Judenthum Schaden zugefügt! — Unsere Anklage ist nur gegen den Biographen und gegen die Leiter des Instituts, die die Manuskripte doch durchlesen, oder wenigstens durchlesen sollen, gerichtet. Wenn Salomon im Jahre 1834 Körners Gedicht abgeschrieben hat, nun denn, vielleicht rechnet« er auf den geringen Blldungsgrad seiner Glaubensgenossen. Aber diese Herren, die von gelehrten Phrasen triefen, die mit Schiller und Lesstng und Göthe in einem fort um sich werfen, die sollten doch wohl Körners Gedichte kennen? Aber nein, der Biograph citirt ein Körnersches allgemein bekanntes, beliebtes, oft in Musik gesetztes Gedicht als treMche Poesie SalomonS, und die gelehrten Herren vom Literaturverela geben ihre ddudh darauf! Und so wird heutzutage Literatur gemacht. . . .