Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1869)
- Date
- 1869-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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658 Der Verein macht LS Ach zu seiner Aufgabe, auf die reichen Leute einzuvUke», damit diese sich der Armen und namentlich der Oersthämten Arnmn nnnchmen; der Verein wird die nichtige Verthellung der Mmosen überwachen, für Ausstattung armer Bräute sorgen und durchreisende Arme unterstützen, namentlich wenn diese Gelehrte sind und dem heiligen Lande entstammen. Der Verein bestellt aus seiner Mitte Männer, welche die Aufgabe haben, in die Synagogen zu gehen, um die Zizijoth und Tephillin zu untersuchen, ebenso sämmtliche Mesusoth in a-im Häusern (und zwar von drei zu drei Jahren) zu prüfen. , Der Verein wird in jedem Jahre vor dem Hüttenfeste weise und erfahrene Männer damit beauftragen, sämmtliche Fest-Hütten in Bagdad zu bestchtigen und zu prüfen, ob dieselben den religiösen Vorschriften entsprechen; ebenso wird er die rituellen Tauchbäder beaufsichtigen und bei Wassermangel solche Herstellen lassen; in gleicher Weise wird er vor dem Peßachfeste das Backen der Mazzoth überwachen und zur Zeit der Ernte dafür sorgen, daß der für die dp nisto bestimmte Waizen trocken eingeheimft werR-; er wird ferner aus seiner Mitte Männer beordern, welche die den religiösen Vorschriften gemäße Bereitung des Käses überwachen. Ein besonderes Augenmerk wird der Verein auf 'die richtige und angemessene Vertheilung der Steuern haben; er wird aus allen Handwerken und Geschäften vertrauenswürdige Männer wählen zur Abschätzung der Steuerfähiqkeit der Steuerzahler; er wird ferner aus seiner Mitte glaubhafte Männer bestimmen, welche unentgeltlich und ohne Kosten die Steuern ergeben sollen. Der Verein wird ferner auch das sittliche Verhalten der Gemeinde-Glieder in Obhut nehmen und allen Ausschreitungen in dieser Beziehung, soviel in seiner Macht steht, Vorbeugen. Der Verein wird alle Gemeindebeamte überwachen und dahin wirken, daß diese ihre Geschäfte redlich und gewissenhaft besorgen. Der übrige Theil der Statuten beschäftigt sich mit dem Ein- und Austritt der Mitglieder, mit den Beiträgen, Einnahme und Ausgaben und mit der Mrwattung des Vereins. Wir heben daraus nur dm folgendm Paragraphen hervor: „Zu Vorstehern des Vereins können nur solche Mitglieder erwählt werden, die da treu und "fest an Gott und Seiner Lehre halten, Seine Gebote beobachten und die ihr Volk lieben wahrhaft «nd vollkommen." Unsere geehrten Leser sehen, daß der Verein „Schomre Mizwah" zu Bagdad sich eine große und erhabene Aufgabe gestellt hat, daß er das Größte und bas Kleinste, insofern es die'Erhaltung und Beförderung der Religiosität betrifft, in seinen Bereich gezogen. Wir wünschen ihm eine gute und gedeihliche Entwickelung. Möge auch das gegebene Beispiel dazu imregen, daß cmdertwo ähnüche Vereine in's Leben gerichm werden; wir^agen „Ähnliche", weil ganz gleiche für unsere Verhältnisse sich nicht eignen möchten. Daß aber durch Inslebenrufen derartiger Vereine auch in vielen Gemeinden Deutschlands viel Gutes gestiftet werden könnte, das liegt außer allem Zweifel. Wir empfehlen diese Erwägung umsomehr, da in dm herannahenden heiligsten und wichtigsten Tagen des Jahres das jüdische Gemüth besonders für die Verwirklichung des Guten empfänglich ist. Jüdische MeratUchriese. Von Dr. Gustav Earpeles. IV. Lüe verlangen, werther Freund, meine Ansicht über das soi äisant Institut zur Förderung der (nicht) israelitischen Literatur, um sich selbst darnach bei fernerem Abonnement zu richten? Wohl würde ich gerne Ihnen diese verlangte Ansicht geben, würde gerne hem Jahre lang niedergehaltenen Zorn gegen dieses Derwaudtschaftsmstitut freien Raum lassen — zuckte nicht über meinem Haupte das Damoklesschwert der löblichen Redaction, die ihren Mitarbeitern und Correspondenten ebenso ruhig als entschieden die Aufnahme ihrer Arbeiten gegen die Synode und ihre Matadore verweigert, wiewohl ich so ühn bin, zu behaupten, daß mir diese Maßregel ganz unbegreiflich vorkömmt, wiewohl ich nicht absehe, wie man bei den in der gegenwärtigen Judenheit scharf ausgeprägten Individualitäten nur daran denken kann, die Person von der Sache zu trennen, und die Sache zu bekämpfen, während man die sie vertretmde Person ignorirt*)- Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew'ger Bund zu flechten, And das UrHÜick schreitet schnell und wirft schließlich noch diesen Artikel auch in den gähnenden Papierkorb des „ Israelit" zu den unzähligen Gesellen, die dort -seit Jahren der ewigen Seligkeit entaegmschlummern! Also wie gesagt, mit meiner Ansicht über das Literaturinstitut ist es nichts; die würde ich Ihnen wohl in einem Privatbriefe auseinandersetzen müssen, wäre nicht glücklicher Weise ein Umstand eingetreten, der mir die Aussprechung und Detaillirung meiner Ansicht über dieses Institut ermöglichte. *) Anin. der Red.: Unser geehrter Mitarbeiter scheint uns nicht verstanden -u haben; mir wissen wohl, daß man nicht immer die Sache von.der Person trennen tonn; wir »erlangen jedvch eine maßvolle Pölemik.