Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-08-18 · Heft 33 (18.8.1869) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 33 (18.8.1869)
Date
1869-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447428--07501-2463105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

646 heit.. Daß dieses jedoch die rinzigrichytze Erklärung derselben sei, beweist, daß dieser unmittelbar vdroki noch zwei andere, mit dieser in .ähnlichem Verhältnisse stehende Gebetsformeln vorangehen, und zwar zuerst 'Ui 'svy „daß er mich nicht zum Heiden werden ließ". Denn da dieser wegen seiner falschen Religionsrichtung der Gottheit so fern, der Israelit hingegen wegen der in seiner OfftnbarungSlebre so klar und deutlich ausgeprägten Einheit und Anerkennung Gottes ihr so nahe steht: so wird eine in diesen Worten ausgesprochene Danksagung als keine Ungebührlichkett erscheinen. Dasselbe gilt auch, wenn auch in niederem Grade, von der andern Gebetsformel -QV ■»Jpy. Denn der Sclave steht zwar in Betreff seines ihm zu Theil gewordenen Looses über die Anschauung Gottes auf einer weit höhern Stufe als der Heide oder Götzendiener. Da aber auch dieser durch seine unfreie Stellung an der Ausübung religiöser Pflichten so vielfach behindert wird: so enthält die Dank- und Lobpreisung des Israeliten für die ihm gewordene Freiheit in jeglicker Begebung gewiß nichts Absurdes und Anstößiges. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpon denzen. Deutschland. Mainz, den 12. August. Wir schätzen uns glücklich, unfern geehrten Lesern mittheilen zu können, daß wir wiederum achthundert Thaler denNothleidenden in Westrußland übersandt haben, und zwar 500 Thlr. an das Comitv in Memel 200 Thaler an das in Königsberg und 100 Thaler an das in Gumbinnen.! Die Summe der von uns in diesem Jahre zu dem erwähnten Zwecke gesammelten und übermittelten Gelder beträgt nunmehr 11,800 Thaler. — Düsseldorf, 6. August. Dieser Tage hat die Wahl des Herrn Moritz Selig zum Handelsrichter (dieselbe ward von den Notablen des hiesigen Handelsstandes vollzogen) die Bestätigung von Seiten des Königs erhalten. Herr Selig ist jüdischer Confession und so erlangt mit dieser Bestätigung die verfassungsmäßige Bestimmung von dem gleichen Anspruch aller Conffssionen aus die Besetzung der Staatsämter, waö das Amt eines Handelsrichters anbetrifft, praktische Geltung. Der Kreis derjenigen, aus denen die in der Rheinprovinz bestehenden Handelsgerichte besetzt werden können, ist damit um eine nicht unbedeutende Anzahl intelligenter Leute vergrößert. Aus WesspHalen. Schon oft haben wir in diesen geschätzten Blättern über den Stand und die Verhältnisse der iSr. Schulen Westphaleüs Bericht erstattet und nachzuröeiftn uns bernühtt, daß iftr grl ] Theil derselben durch die jetzt eAstir^ndvir, Orter - i Auspicten und der Aegide Friedlänkep's .und j#* ganz in dessen Geiste fortwirkenden Nachfolger ai " bildeten aus der Vereinsfchule zu Münster hervo^! gangenen Lehrer verdorben und heftig erschüttert wer den sind; daß solche, wie in Rede stehende Lehrer di Quelle des Verderbens der jüdischen Gemeinden, ei, Ruin der Zukunft des Iudenthums seien; *) daß diese, schlechten Gesinnungen entgegengetreten und dahin z« strebt werden müsse, solche gesinnungslose Lehrer dun einen gesinnungstüchtigen, für unsere h. Religion un ihre Institutionen wahrhaft begeisterten Nachwuchs z ersetzen, damit das jüd.-rel. Leben endlich einmal um gekehrt und umgestaltet und an Stelle der Verderb lichen Neologie und Lethargie und des noch grfähr lickeren Indifferentismus echtes, wahrhaftes, frische Leben athmendes Iudenthum aufgebaüet werde. Da dieses recht bald geschehen würde, glaubte man au der vor Kurzem in Münster in Angriff genommen« Um- und Neugestaltung der früheren VereinSschuli jetzt Marks-Haindorf'schen Stiftuüg, besonderab, aus dem Umstande, daß man einen, wie man hörte, ai orthodoxem Standpunkte stehenden Seminar - Direct, berufen und, in Verbindung hiermit, den beiden fti Hern, der Neologie huldigenden Lehrern, Vr. Steil berg und Lehrer Treu gekündigt hatte, mit volle *) Für diejenigen, die da alauben, daß wir bei der Sch derung der rel. Zustände Westphalens zu schwarz sehen und i zu dunkeln und grellen Farben zeichnen, «ollen wir hier zu d bereits in verschiedenen Artikeln geliffertrn Beweisen noch eini hinzufügen Auf der im Anfänge dieses Sommers in Ber abgehaltenen allg.-deusichen Lehrerversammlung haben sich eini jüo. Lehrer aus Westphalen dadurch besonders ausaezeich« (?) daß sie sich am C7ip rac mit Cigarrenrauchen und and r>:it ’ii'p amüsirt und — von College», die eine entgegengesk Richtung befolgen, darüber zur Rede gestellt, — sich, diesen Trotz, gegenseitig solche zuwarfen, die denn auch, wie sich deni läßt, gemüthlich verdampft wurden. — Der augenblicklich n im Amte stehende Lehrer Löwenstein zu Dortmund will dasel eine höhere Töchterschule gründen und fordert durch Anno« in verschiedenen Zeitschriften jüdische Eltern auf, ihm ihre Tö! ter anzuvertrauen. Wir, um i-ie-n tdpB zu sein, warnen i I Israeliten, denen an der rel. Erziehung und Bildung ihrer Ti t er noch Etwas gelegen ist, dieses zu thun. Genannter hat, in Gez wart eines mit uns befreundeten Eollegen am heilige» n-n Abend ungenirt Licht angezündet und auSgelöscht und soll fl Haupt ein ■mtm vnip'vb sein. — Ein anderer Lehrer dieses G ges, dessen von Philippson in der Zeitung des Judenthums i bezeugte Lehrtüchtigkeil und Pflichttreue hauptsächlich da besteht, daß er NIL'IV nbsfin Mettwürste u d. h. zu verconst ren und einen tresttkm Haushalt zu führe» weiß, will jüti! Zöglinge in Pension nehmen. Daß sich Gott erbarme! dieser Lehrer hat, als in einer Versammlung von Collegenüber La Tod und Unsterblichkeit gesprochen wurde, geäußert, daß et, i wann ihm Luch seine Kinder alle absterben, keine Thräne st lassen würde!! Der Glaube an Unsterblichkeit der Seele I der Auferstehung der Todten sei purer Unsinn (?) worauf > dann erwidert wurde, baß gerade er, für den doch nach Tode Alles verloren sei, am meisten Ursache habe» den der ihm theuer gewesenen Angehörigen zu beklagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.