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Der Israelit · 1869-08-18 · Heft 33 (18.8.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 33 (18.8.1869)
Date
1869-08-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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*47 Mchte folgern zu dürfen. Und wirklich soll sich auch seit der Anstellung des neuen Direktors, in M. ein merklicher Umschwung zum Bessern, ein etwas besserer Heist kund thun und sollen die Zöglinge, so viel am Director liegt, strenge zu einem wahrhaft jüd.-religiösen Leben angehalten werden. Trotz alldem versprechen wir uns, — so sehr wir auch das löbliche Streben des Herrn vr. Kroner zu schätzen wissen, von dessen Bemühungen nicht eher einen günstigen Erfolg, hiS man solche Lehrer, die auf ganz janderem religiösen Standpunkte, als der Director, stehen, ganz anderen rel. Principien und Anschauungen huldigen als jener und deren eifrigstes Bestreben es ist, diese ihre den religiösen Ansichten des Direktors diametral entgegengesetzten Anschauungen vom Judenthume und seinen Institutionen ihren, ihrer Obhut und Leitung anverirauten Schülern bei jeder sich darbietenden, passenden Gelegenheit einzupflanzen, ihre Ansichten bei ihnen zur Geltung zu bringen und den weisen Anordnungen des Direktors entgegenzuwirken, von der Anstalt entfernt und durch andere, passendere, in rel. Beziehung mit dem Leiter der Anstalt auf gleichem Standpunkte stehende Kräfte ersetzt *) und an Stelle einiger Curatoriumömitglieder, wie z. B. des Ober- Rabbiners Cahn zu Trier und des Lehrers Blumenfeld zu Essen — beide waren Mitglieder der zu Leipzig abgehalenen berüchtigten, nunmehr selig (?) entschlafenen Synode und des Gemeindetages, durch welchen Umstand deren religiöser Standpunkt schon hinlänglich gekennzeichnet wird — andere, auf religiöserem Standpunkt stehende Männern gewählt sind.. Oder denkt man vielleicht in Münster daran, das alte Schauspiel fortzusetzen? Und glaubt man etwa, dadurch, daß man neben einem aus orthodoxen Standpunkte stehenden Director neologe Lehrer in ihren Stellen belaste, allen rel. Parteien gerecht zu werden? - Dann werden nach wie vor Zwittergeschöpfe, Skeptiker und Indifferente aus der Anstalt hervorgchen, und solche Lehrer, die, aller rel. Ueberzeugung baar, ihre Farbe nach der Wetterfahne richten und sich tu rel. BezieKlna nach den Launen und der Willkür der Vorsteher ver Gemeinden accommodiren, wellen weder die orthodoxen noch die neologen Gemeinden, sondern man will überzeugungstreue, charakterfeste und entschiedene Männer. Oestrich. M. Rosenwald. Lehrer. *) Es schien uns auch von vorn herein die Kündigung der beiden in Rede stehenden Lehrer nur ein Schein-Manövre zu sein — daß diese erst auf wiederholtes Drängen des Directors und nach heftigem Widerstande des Curatoriums von letzteren! beschlossen wurde, läßt sich leicht denken — in welcher Meinung w»r übrigens erst dann recht bestärtt wurden, als wir hörten, daß man dense'ben gleich hei der Kündigung das Recht eingeräumt habe, bei der vorzunhmenden Neuwahl mitparlicipiren M tönncst. Und wirklich find dieselben, wie wir aus zuverleisstger Quelle erfahren hoben, auch wieder gewählt worden! — Oefterreichischer Kaiser sraat. Wien f 6. August. Der Vorstand der tSrael. Cultusgemeinde hielt gestern Nachmittags unter dem Vorsitze des Herrn Ritter von Königswarter eine öffentliche Sitzung ab, in welcher verschiedene Cultusangelegen heilen zur Berathung kamen, vr. Kompert referirte über einen Erluß der Statthalterei, welcher aus Anlaß von mehrfach an bas Unterrichtsministerium gelangten Beschwerden den Vorstand interpellirte, in welchem Maße und mit welcher Wirkung bei dem israelitischen Religionsunterricht für Volks- und Mittelschulen der hebräische Sprachunterricht als obligatorisch gilt und ob die dieSfälligen Einrichtungen sich auf bestimmte Anordnungen der Behörde oder nur auf einen vom Vorstände eingeführten Usus stützen. Der Referent legt eine detaillirte Beantwortung dieser Frage mit besonderer Hervorhebung des Umstandes vor, daß der Unterricht in der hebräischen Sprache nicht als Sprach-, sondern als Religionsunterricht für israÄitische Schüler zu betrachten ist. Gleichzeitig wirb am Schlüße dieser Beantwortung die Hoffnung auögedrückt, das Unterrichtsministerium werde einen unmittelbaren Eingriff in den Lehrstoff nicht im Schilde führen. Herr Brach regt die Frage an, ob die Kenntttiß der Bibel in der Urd. h. hebräischen Sprache von den Schülern unbedingt gefordert werden soll. Die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder erklärt sich entschieden für die Kenntnis? der hebräischen Sprache bei den Prüfungen. G -R. Frankel wünscht in der Erwiederung an die Statthalterei das Befremden des Vorstandes darüber ausgedrückt zu sehen, daß das Unterrichtsministerium Auskunft verlangt, wer die hebräische Sprache für israet. Schulen als obligatorisch eingesnbrt hat, da dies den Behörden doch schon seit 50 Jahren, bekannt sein muß. Die Eingabe wird hierauf en bloc angenommen. Vr. Engel reserirt über den Antrag des GemeinderatheS betreffend die Exmittirung eines israelitischen Religiostslehrers an das Leopoldstädter Ober-Realgymnasium. Der Vorstand wollte, nachdem 3/5 der Schüler Der Lehranstalt Israeliten sind, aus diesen Antrag eingehen, verlangte aber eine Beitragsleistung zur Honorirung des Lehrers. Der Gemeinderath jedoch erklärte, keine wie immer geartete Honorirung oder Subvention leisten zu wollen. Der Vorstand glaubt aber eine solche Subvention gesetzlich fordern zu können und der Referent dehm die Frage insoweit aus, daß seiner Ansicht nach der Gemeinderath verpflichtet ist, für den Religionsunterricht nicht nur am Leopvldsiädter Ober-Realgymnasium, sondern an allen Schulen eine Generalsubvenlion zu leisten. G.-R. Frankl unterstützt den Antrag und will denselben zur Grundlage einer neuerlichen Eingabe an den Gemeinderath gemacht wissen. Der Antrag bezüglich der Beanspruchung einer Generalsubvention wtzrde nach längerer Debatte angenommen.

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