Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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6?7 stab kommen lassen, anstatt sie hinlänglich zu unterstützen und ihnen wieder aufzuhelien? Wir Juden wollen doch nicht jenem sogenannten Heiligen gleichen, der überall das Leder stahl und für die Armen Schuhe machen ließ? Doch vergessen wir den Ursprung der Stiftung ~*an mso) und wünschen wir ihr dennoch Glück und Segen! — Wir werden uns bald auf ganz andere Dinge in Ostpreußen gefaßt machen müssen. Denn seine Haupt- und Restdenzstadt Königsberg — höre Israel und staune! — erhält nächstens gleich Berlin — eine Orgel- Synagoge und damit wird das alte ehrwürdige, wahrhaft gläubige und rechtschaffene Iudenthum zu Grabe georgelt. — I t a l r e n. Ankona Den verflossenen März waren in Ankona in Folge neuausgelegter Communalsteuer Unruhen ausgebrcchen. Der Bürgermeister hatte hieraus seine Demission gegeben und die Eintreibung der Steuern wurde bis zum 1. Mai, welcher auf einen Samstag flel, suspensirt. Der Präfect der Stadt erwartete neue Demonstrationen, er befürchtete, daß die Läden an diesem Tage geschlossen bleiben würden, und um dieses zu vermeiden, veranlaßte er ganz strenge Verordnungen. Einige Tage vorher berief er den Oberrabbiner Vivante zu sich und wollte ihn dazu drängen, den Israeliten zu erlauben, an diesem Samstag ihre Geschäfte offen zu halten, ihn ihm Falle der Verweigerung mit Strafen bedrohend. Der Rabbiner schlug dieses Ansinnen natürlicherweise mit Entschiedenheit zurück, indem er sogleich bemerkte, daß Jedermann in der Stadt weiß, daß die Geschäfte der Israeliten am Samstag stets geschlossen sind. Aber der Präfect verharrte bei seinem Befehl und selbst die energische Intervention des Vorstandes der jüd. Gemeinde bll'eb fruchtlos. Glücklicherweise öffneten an diesem Tage säwmtliche christliäun Kaufleute ihre Geschäfte, so daß der Präfect seine strengen Maßregeln, die gegen die Gewissensfreiheit gerichtet waren, nicht ausführte. Donaufürstenthümer. Bukarest, 6. Juli. Als die unter dem Regime Ivan Bratlano's stattgehablen uumenschlicken Verfolgungen der rumänischen Israeliten seinerzeit im Auslande bekannt wurden, als man dort von den Cchubcolonnen in Eisen, von den Noyaden in der Donau, den Gräuelscenen in Bakeu und Verlad rc. Kunde bekam, da war es Ein Schrei der Entrüstung, welcher in allen civilisirten Staaten wiederhallte. Die Grsammtpresse des gebildeten Auslandes bemächtigte sich des Stoffes, nahm in der beredtsten Weise sich der verfolgten und mißhandelten Israeliten an und vertrat mit gleicher Wärme und Energie die Sache des Rechtes und der Menschlichkeit. Die Großniäcble saben sich veranlaßt, energische Vorstellungen bei der rumänischen Regierung zu Gurrst: n der armen Israeliten zu machen, welche dahin führten, daß die Verfolgungen während einer Spanne Zeit sistirt wurden. - In Folge äußerer Einwirkung mußte Ioe.n Bratiano, dessen abenteuerliche und aggressive Politik die freundlichen Beziehungen Rumäniens zu den Westmächten unmöglich machte, und mit ihm die sogenannte Actionspartei vom großen Schauplatze abtreten, und andere Männer, die wenigstens das Verdienst haben, keinen Utopien nachzujagen, traten an der Spitze der Regierung. . Die Manifeste, welche das Ministerium Ghika- Cogalnitschiano hei seinem Regierungsantritt erlieft, strotzten von den schönsten Versicherungen und berechtigten nach jeder Richtung zu vernünftigen und guten Erwartungen. In erster Reihe bekannte sich die neue Regierung zu den strengsten Principren des Rechtes und der Humanität. Kurz darauf, nachdem jene Actenstücke der Oeffentlichkeit übergeben, die dem Anscheine nach an diePväfecten und Behörden, in Wirklichkeit aber an und füt das Ausland adressirt und berechnet waren, kurz darauf erließ der Minister des Innern, Herr Michel CögSlnitscheano, ein Decret an alle Präsecten, welchem durchaus nicht die gleiche Absicht wie den mit humanül Phrasen gespickten Manifesten zu Grunde lag und dessen Zweck es war, streng befolgt zu werden. Der ministerielle Besebl lautete, „allen Israeliten auf den Dörfern, welche Pachtungen, Einkehrhäuser, Schankwirthschasten rc. halten (die ausschließlichen Erwerbszweige der jüdischen Dorfbevölkerung), sobald ihre Contractzeit abgelaufen sei, sowie auch im Falle die Conlracte selbst nicht gerichtlich legalisirt wären, den ferneren Aufenthalt in den Dörfern zu versagen und sie daraus zu entfernen. Durch dieses oller Billigkeit, allen Rechtssinnes und aller Menschlichkeit entbehrende ministerielle Decret, welches mit der größten Strenge in der ganzen Moldau gehandhabt wird, sind bereits viele hundert Familien brot> und obdachlos geworden! in Jahresfrist werden es Tausende sein! Ein größer e Anzahl der vertriebenen moldau'schen Israeliten Hot sich in ihrer Roth und Bedrängniß grn die „All. Ier." nach Paris gewendet, um durch derm Vermittlung den Schutz des Kaisers der Franzosen zu erbitten. Marquis Lavalette nahm von den Klagen der moldauischen Juden Notiz und richtete an den hiesigen französischen General - Consril zur Bekanntgebung an die Minister des Fürsten Karl eine Note, in der es beiläufig heißt, daß die bezüglichen Mittheilungen aus Rumänien bei der Negierung des Kaisers peinliche