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Der Israelit · 1869-08-11 · Heft 32 (11.8.1869) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 32 (11.8.1869)
Date
1869-08-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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626 ieitutt hsnacbrichten unö Eorrespondenzen. Deutschland. Ulm a d D- -- Z^^m Zwecke deö Synagogenbaues wird jetzt das große und schöne Vorderhaus der hiesigen isr. Gemeinde niedergerissen und an dessen Stelle ein prachtvoller Tempel Eingestellt werden, der auf 100,000 fl. komme»: dürfte. Das wird aber auch alles fein, was mau hier dem EnltuS nun Opfer bringt. Für alle anderen wichtigeren Ansprüche der Religion, hat man kein Ohr mehr; nur die neue Synagoge beschäftigt die Gemüther. Doch sehen jetzt manche der Actionärc ein, daß die Zeichnung für den Lurnsbau künftig als ein großer Fehler wird angesehen werden müssen, wenn der einstige moderne Eantor und besondere Kanzelredner ihre Funktionen vor leeren Bänken werden verrichten müssen. Der Gottesbau wird auch am rottf zur Ehre des Gottes fortgesetzt, der beim Ban der Stistshütte in der Wüste ausdrücklich befohlen hat: rcirn hn OS Allein hier ist keine einzige Stimme, die gegen diese Sabbatschändung auch nur ein Wort einzuwenden wüßte. Ein größerer, geldve geudender Unsinn wird nicht leicht irgendwo Vorkommen. Q-iosn:: «sr. Königsber g B r t e f e v o n M. A l m o ni (M. Freystadt l3r.) Erster Brief vom 26. Juli 1869. Widrige Verhältnisse aller Art hielten mich lange Zeit davon ab, für Ihr geschätztes Blatt regelmäßige Eorrespondenzen zu liefern. Ueberdies bietet mir die bissige liberale „Hartung'sche Zeitung^ Gelegcnbe't genug dar, mich über jüdische Interessen darin hinlänglich auszusprechen, während ich andererseits kein großer Freund von leidigen Wiederholungen bin. Dazu kommt, daß Sie nur in Folge meines letzten September-Schreibens, in daö sich nebenbei .gesagt, estrige wesentliche Jrelhümer eingeschlichen, am Rande desselben eine Art von Mißtrauensvotum ertheilt haben, die mich ein wenig rndignirte. Denn ich schreibe die Wahrheit, und nur die Wahrheit . und wenn ich auch hier und da Anstoß erregen sollte. Tie Sache, die ich meine, betrisst das ehemalige ostpreußische Nothstandscemito zu Schippeubeil, welches aus Tausenden von Thalern ein jüdisches Waisenhaus zu gründen beabfichige," welche Angabe Sie in einer eigenen Anmerkung zu Nr. 39 geradezu bezweifelten. Nun, ich will darüber jetzt etwas ausführlicher sein; denn soviel steht jedenfalls fest: ich habe damals eher zu wenig als zu viel gesagt. Jenes Comite erklärt selbst in einer voriges Jahr gefertigten Denkschrift ausdrücklich, daß ihm vvn den zahlreich herbeigeflosfencn Spenden eine Summe von etwa 5000 (schreibe fünf Tausend) Thalern übrig geblieben ist, und glaubte recht im Sinne der Wohlthäter zu Handel», wenn es theils aus den Zinsen des Stammkapitals, das neuerdings wieder durch das Berliner HilsS-Comite um 3000 Thlr. vermehrt worden, also im Ganzen aus 8000 Thaler angewachsen ist, theils and eigenen Mittel: Beiträge, Geschenken und Sammlungen eine Anstalt dauernd unterhält, welche unbemittelten israelitischen Waisenkindern beiderlei Geschlechts aus den Regierungsbezirken Königsberg und Gumbinnen unentgeltlich Pflege und Erziehung gewährt und die neue Fürsorge der Eitern möglichst ersetzt. Sofort wurde ein provisorisches Pensionat in Schippenbeil evriduet. Vier Waisenkinder und zwar die beiden Kinoer des in der ostpreußischen Stadt Nordenburg ermordeten Handelmanns Rosenberg, sowie die beiden Kinder deS in unserm Nachbarstädtchen Zinten der Cholera erlegenen Handelsmanns Lewin wurden demnächst bei einer anständigen jüdischen Familie, den Kaufmann Abramowsky'schen Eheleuten untergebracht. Für die beiden ersteren war schon früher durch mildthätige Hände eine Summe von etwa 200 Thalern gesammelt, und diese nebst den Zinsen des vorhandenen Kapitals wurden für den Unterhalt der Waisen bestimmt. Die Einführung derselben und hiermit die Eröffnung des provisorischen Waisenhauses erfolgte am ersten Nenjahrstage (17. September 1868) nach beendigtem Gottesdienste in feierlicher Weise in Gegenwart der Schippenbeiler Gemeindemitglieder und der dortigen städtischen Behörden, welche dem Unternehmen ihre bereitwilligste Unterstützung zusicherten. Seitdem wurde bin und her debattier, wo denn eigentlich das Waisenhaus selbst später definitiv zu errichten sei; denn Schippeubeil hat weder ein Gymnasium noch eine höhere Realschule und ist deßhalb nicht der geeignete Platz für das projcctirte Institut. Die wiederholten Anträge ans Anschluß an die bereits in Königsberg bestehende ähnliche Israel. Stiftung sind entschieden von der betreffenden Commission zurückgewiesen worden. Mari fürchtete — abgesehen davon, daß das Schippenbeiler Eemitv mit unserm, Alles nivellirenden Gcmcindcvorstand früher in Eonflict gerathen war — daß Königsberg, das allein fast ein Drittel der jüdiscken Seelen, der Provinz enthält, während der übrige Theil in mehr als 80 Gemeinden zersplittert ist, vollständig mit seinen Interessen dominircn würde. Und so ward denn endlich in voriger Woche beschlossen, die projectirte Anstalt nach — Lyck in Masuren, wo die hebräische Zeitschrift „Hamagid" erscheint, zu verlegen. (Luoä ckeu8 optimus maximus bene vertat 1 Alles sehr schön! wiederholen wir, aber was hat diese neue Wohlthätigkeitsanstalt mit dem oftpreußischen Nöthstande zu thun? Warum hat man nicht lieber das viele Geld seiner Bestimmung gemäß verwendet, warum hat man so viele arme honette Familien hier und in der Provinz seit 'einem Jahre an den Bettel-

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