Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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628 Eindrücke hervorgebracht, daß die französische Regierung die guten Beziehungen mit der rumänischen erhalten wolle und deßhalb wünsche, man möge den JSraeUten wenigstens jene Rechte gestatten, welche „die Convention vom Jahre 1858" und die Constitution des Landes gewährleisten, und zuvörderst jenes berüchtigte Ministerial-Decret zurücknehmen." Die Vertreter Englands und Oesterreichs haben sich den Schritten des französischen General - Consuls in der Angelegenheit der verfolgten Moldau'schen jüdischen Dorfbewohner angeschlossen. Der Vollgenuß der Civilrechte, worunter die beliebige Wahl des Aufenthaltes, vie ungestörte Ausübung eines jeden bürgerlichen Berufes und die Erwerbung beweglichen und unbeweglichen EigenthumS wohl selbstverständlich inbegriffen sind, wird den rumänischen Israeliten durch den Wortlaut der Pariser Convention gewährleistet. Die Verleihung der „politischen Rechte" aber an „die nichtchristliche Bevölkerung" haben die Mächte den gesetzgebenden Körpern beider Länder überlassen, da sie keineswegs voraussehen konnten, daß ein junger Staat, der seine Freiheit und Unabhängigkeit weder durch Thaten noch durch Opfer errungen, sondern sie von den Wrstmächten als ein Gnadengeschenk erhalten hat, daß ein solcher Staat intolerant und rücksichtslos genug sein könne, einem Bruchtheil seiner Bevölkerung, weil dessen Glauben ein anderer ist, die Gleichberechtigung vorzuenthalten. In Folge der ernsten Vorstellungen des Herrn Mellrnet, der auf das Verdienst Anspruch hat, zu wiederholten Malen sich der Sache der Isaeliten mit Wärme angenommen zu haben, hat Cogolnitscheano in der Form einer Broschüre geantwortet, die den Titel trägt: „Rote des Ministers des Innern an den Präsidenten des Minifterrathes," und die dem französischen General-Consul von Letzterem zugestellt wurde. Die kleine in französischer Sprache erschienene Broschüre, welche der Oeffentlichkeit bis nun vorenthalten blieb und selbst den Consuln der anderen Regierungen noch nicht zugesendet wurde, ist mir zu Gesichte gekommen. Sie ist ein aus hohlen Phrasen, seichten Argumenten, unbegründeten und unwahren Behauptungen zusammengestelltes Machwerk und kann als ein mißlungenes, aller Logik entbehrendes Schriftstück des sonst gewandten und nicht geistlosen Verfassers bezeichnet werden. Die Hauptmomente, welche diese in ihrer Form eigenthümliche „Note" enthält, sind folgende: „Die Judenfrage sei eine innere, und folglich stehe es fremden Regiernngen nicht zu, sich hineinzumischen; Rumänien habe seine vollkommene Autonomie, die es zur Zeit, als die türkische Herrschaft am stärksten gewesen, selbst dem Suzerän gegenüber zu wahren gewußt habe. Die Frage sei nicht religiöser, sondern ökonomischer Natur, denn die Rumänen waren zu allen Zeiten tolerant; die Juden schädigen nationale Jntereffen, sie „nagen" förmlich am Lande, sie besitzen keinen Patriotismus, feien nach wie vor ein fremdes Element im Staate und hätten sich nicht wie ihre Glaubensbrüder in anderen Ländern nationalisirt; sie stehen auf zu tiefer Stufe der Bildung. Es wird ihnen zum Vorwurfe gemacht, daß sie bei jeder Gelegenheit, anstatt sich vertrauensvoll an die Regierung zu wenden, fremden Beistand anrufen und an die „All. Jsr." nach Paris sich wenden — ein Umstand, der ihre Lage nur verschlimmere. Die Verfügungen des Ministers, die Juden von den Dörfern auszuweisen, seien gesetzlich, weil ihnen der Aufenthalt auf dem Lande untersagt ist. Cogolnitscheano billigt das Borgehen Bratiano's gegen die Juden; er wie seine Nachfolger könnten nicht anders handeln, weil ein constitutionelles Ministerium den Wünschen des Volkes Rechnung tragen müsse, und wie dessen Vertreter über die Lösung dieser Frage denken, beweise die Kammerverhandlung vom 22. Mai d. I., in welcher nicht einmal der Antrag, eine Commission zu bilden, welche die Iudeirfrage gründlichst studiren, ernstlich untersuchen und der Kammer darüber Bericht zn erstatten habe, zur Abstimmung kommen konnte." Die Pointe dieser erbaulichen Darstellung läuft darauf hinaus, daß sich der Kaiser der Franzosen und alle übrigen Potentaten Europas um die Wirtschaft der Rumänen nicht weiter zu bekümmern haben, daß Letztere in ihrem Lande thnu und unterlassen können, waS ihnen gutvünkt, und daß das fernere Loos von einer Vrertelmillion Menschen der Gnade oder Ungnade des hochgebildeten souveränen rumänischen Volkes und seiner erleuchteten Minister anheimgestellt bleiben müsse. Da man im Auslände über das Wesen und die Stellung der rumänischen Juden nicht genau unterrichtet ist und daher versucht sein könnte, den officiellen Darstellungen und Behauptungen der Minister, die eben nur an die Adresse des Auslandes gerichtet zu sein scheinen, einigen Glauben zu schenken, wollen wir, die wir die Verhältnisse gründlich kennen, ans einzelne der in der erwähnten „Note" angeführten Hruptmomente beleuchtend eingehen. Die versuchte neue Taktik, aus der Judenfrage eine „ökonomische," eine „nationale" machen zu wollen, ist eben so ungeschickt wie unklug. Abgesehen von der weit geringfügigeren Anzahl christl. „Fremden", vertreten die Juden ausschließlich den Handwerker¬ und Arbeiterftand im ganzen Lande und beschäftigen sich nicht nur mit der Ausübung leichter, sondern aller Gewerbe. Zu jeder Art Arbeit und Dienstleistung ist man in den Städten und auf dem Lande in der Moldau auf die Juden angewiesen. i Wahr ist er, daß die Juden in der Moldau am einer niedrigeren Stufe der Bildung stehen, als ihr!