Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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624 durchsetzen wollen, waS vielleicht schon morgen für ihn /' außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt. Bastl II. starb bald darauf, seinen Bruder Konstantin VIII. im Alleinbesitz des Thrones zurücklassend. Konstantin überlebte seinen Bruder nur um drei Jahre. Aus dem Sterbebette vermählte er seine älteste Tochter Zoe mit dem Patricier Roman Argyropolus. Roman hatte ein edles Weib, Namens Helena, von der er sich nickt trennen wollte. Als aber Konstantin ihn mit dem Tode bedrohte, wenn er sich weigere, so begab sich Helena freiwillig in ein Kloster. Die Vermählung wurde vollzogen, Konstantin starb, und Roman bestieg, als der Dritte dieses Namens, den kaiserlichen Tbron. Kaiser Roman III. war ein schwacher Mann. Ohne hervorragende Eigenschaften, war er auch un- ' glücklich im Kriege gegen die Saracenen. Jetzt war die Zeit des Eunuchen Johann gekommen. Er stellte seinen Neffen Michael der Kaiserin vor, die zu dem schönen Manne von Liebe entbrannte. Kaiser Roman III. wurde vergiftet und als das Gift nicht schnell genug wirkte, wurde er in einem heißen Bade erstickt. Noch an demselben Tage wurde Michael zum Kaiser - ausgerufen, mit dem Purpur bekleidet, auf den Thron gesetzt und so dem Volke gezeigt. Am Sarge des ermordeten Kaisers mußte der Patriarch Alexius die Trauung Zos'S mit dem Emporkömmling Michael vollziehen. Als Michael IV., der Paphlagonier, den Thron bestieg, den Rabbi Gerschom auf Geheiß des Kaisers Bastl II. so kunstvoll erbaut hatte, schwiegen die Thiere und Vögel und erheben sich auch nicht. Das Volk sah darin eine Folge des furchtbaren Verbrechens, des ^Kordes Romans III. Unstreitig war am Räderwerk tztwas zerbrochen. Die geschicktesten Künstler wurden herbeigerufen, um das Kunstwerk wieder herzustellen. "Allein es gelang ihnen nicht; der Einzige, der es vermocht hätte, lebte fern in Deutschland an dm Usern des Rheins und hütete sich wohl, nach Konstantinopel, wo jetzt sein Feind, der Eunuch Johann Alles galt, zurückzukehren. Als späterhin der Kaiser Geld brauchte, schickte er das Kunstwerk Rabbi GerschomS in die Münze. Der Eunuch Johann stand jetzt auf dem Gipfel der Macht; er hatte seinen Neffen zum Kaiser gemacht, und Michael IV. war ihm — so schien es — ganz ergeben. Die Juden des oströmischen Reiches zitterten. Wer sollte sie nun vor der Macht ihres Feindes schützen? Doch die Frevler vernichten sich selbst. Johann regierte das Reich, während er Zoe wie eine Gefangene behandelte. Michael ergab sich einem ausschweifenden Leben. Johann wollte auch Patriarch werden und ließ den Patriarchen Alexius ermorden. Schon sah er sich am Fiele seiner Wünsche, da bemächtigte sich ein anderer Oheim Michaels, Namens Konstantin, des Vertrauens des ohnmächtigen Kaisers, wußte ihn gegen seinen Wohlthäter einzunehmen und den Eunuchen Johann des Htchverraths zu verdächtigen. Johann wurde verhaftet, angeklagt, von den Richtern, feilen Creaturen Konstantins, zum Tode verurteilt und in den Hungerthum gesperrt, aus dem zu entrinnen ihm nickt gelang. Er starb eines qualvollen Todes. Die Kaiserin Zcö hatte mit Freude das Ende des Eunuchen Johann vernommen; sie glaubte nunmehr wieder Theil an der Regierung nehmen zu können; das aber lag n-cht im Plane des ehrsüchtigen Konstantin; er ließ vielmehr die Prinzessin Tbeodora in ein Kloster sperren nnd auch Zoö ließ er auf eine Insel bringen, ihr das Haar abfchneiden, um sie hinter Klosiermaucrn zu vergraben. Da empörte sich das Volk; es befreite die beiden Kaisertöchter und rief sie zu Kaiserinnen aus. Michael nnd sein Oheim Konstantin wurden gefangen genommen, geblendet undin's Gefängniß geworfen, wo sie nach Jahren voll unsäglicher Leiden, von Gewissensbissen gefoltert, ihr elendes Leben beendeten. So erfüllte sich an Michael der Fluch Melitta's wie an ihr der Fluch Michaels bereits lange vorher in Erfüllung gegangen war. Rabbi Gerschom lebte unterdeß, fern von allen diesen Gräueln, seinen Studien und seiner Gemeinde. Er vollendete seinen großen Talmudcommentar. Auch segnete Gott seine Ehe mit der edlen Deborah, die ihm, als er es kaum noch erhoffte, Söhne und Töchter gebar. Rabbi Gerschom's Ruhm erfüllte die ganze Welt; man nannte ihn Möor Hagolah, d. h. das Licht des über die Welt zerstreuten Israel (Diaspora) Zehn Jahre vor seinem Tode berief er eine Versammlung von bundert durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit hervorragenden Rabbinen nach Worms. Alle folgten bereitwillig dem Rufe des großen Rabbinen von Mainz. Don dieser Versammlung wurden viele Beschlüsse zur Erhaltung und Kräs tigung der Frömmigkeit und Gottesfurcht beschlossen, die auch bei allen Juden des Occidents Gesetzeskraft erlangten. Der wichtigste unter diesen Beschlüssen war die Einführung der Monogamie. Seit jener Zeit nimmt der abendländische Jude nur eine Frau Das ist der berühmte Cberem de Rabbenu Gerschom Meor ha Golab, d. h. der Bann, mit welchem die Vielweiberei belegt hat Rabbi Gerschom, das Licht der Diaspora. Hierzu zwei Bellagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandluna. von I. Gottsleben in Mainz. — T» Dampf - Schnellprefsendruck