Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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623 war dieses Schreiben sowohl innen als außen mit einem Todtenkopf. Und so kam es, daß einige Israeliten in Münchengrätz „zur Verherrlichung des Tabor" ihre Häuser schmückten! Donaufürstenthümer. Bukarest Einige interessante Daten in Betreff der Sterblichkeit in Bukarest wurden jüngst von rumänischen Blättern veröffentlicht. Wir ersehen aus denselben, daß während bei den Griechen, Krtholiken, Protestanten und Armeniern im Jahre 1868 4404 Geburte und 4782 Todesfälle verzeichnet sind, haben bei den Juden 464 Geburte und 248 Todesfälle stattgefunden. Niemals waren Zahlen beredter; denn von denselben ist zu entnahmen, daß während bei den Christen die Zahl der Todesfälle die der Geburte übersteigt, bei den Juden die Geburte zu den Todesfällen wie 2: 1 sich verhalten. Feuilleton. Ass Licht der Araspora. (Schluß.) XVI. Taget dem Gerechten, wenn er gut ist, daer die Frucht seiner Lhaten verzehren wird,, Wehe dem bösen Bösewicht, nach dem Lyun seiner Hände wird ihm gethan. Das Schiff, welches Rabbi Gerschom und Deborah trug, kam glücklich im Hafen von Venedig an. Hier stiegen sie an's Land, und der Rabbi sprach öffentlich in der Synagoge das Dankgebet, zu dem er diesmal doppelt verpflichtet war. War er doch dem Kerker entronnen und hatte glücklich die Seefahrt überstanden. Große Freude herrschte in Main;, als Rabbi Gerschom mit seiner Gattin dort ankam. „Jetzt will ich gerne sterben," sprach der greise Rabbi Lion, „da Gott mich meine Kinder noch einmal hat schauen lassen." Als er dann auch bald darauf starb, wurde Rabbi Gerschom von der Gemeinde zu seinem Nachfolger bestimmt. Unterdeß hatte man in Konstantinopel, nachdem die festgesetzte Frist verstrichen, den Hungerthurm geöffnet, um die Leiche des Rabbi in ehrenvoller Weise zu bestatten. Allein der Rabbi war verschwunden; statt seiner fand man die Ueberrefte seineungetreuen Weibes am Fuße des ThurmeS. Dieses Ereigniß erregte ungeheures Aufsehen. Selbst der Kaiser kam, um sich von der Wirklichkeit des unglaublich Scheinenden zu überzeugen. „Sagte ich es nicht immer," sprach der Eunuch Johann, „der Jude ist ein Zauberer!" „Nein," erwiderte der Kaiser, „er ist kein Zauberer; er ist ein weiser Mann wie kein zweiter auf Erden. Ich werde nicht Ruhe finden, bis ich erfahren, wie er seine Rettung bewerkstelligt hat." Der Kaiser ließ sich darauf erkundigen, wohin Deborah gekommen und erfuhr, daß sie in ihre Heimath zurückgekehrt sei. Mit Recht vermuthete Basil, daß sich auch Rabbi Gerschom dahin gewandt habe. Um diese Zeit kam ein Gesandter des deutschen Kaisers Heinrich II. nach Konstantinopel, um den Tod des jungen Kaisers Otto HI. und die Thronbesteigung Heinrichs anzuzeigen. Otto III. hätte die Prinzessin Theodore heirathen sollen, allein der Tod hatte ihn in früher Jugend ereilt. Auf des Kaisers Wunsch schrieb der Gesandte, ein Graf von WittelSbqch, an den Erzbischof von Mainz und sandte den Brief durch einen eigenen Boten. Der Erzbischof ließ Rabbi Gerschom zu sich kommen und zeigte ihm den Brief des Grasen. Dieser berichtete, daß der Kaiser die Verurtheilung des Rabbi bereue, ihm seine volle Gnade zusichere und ihn bitten lasse, ihm daS Geheimniß seiner Flucht zu enthüllen. Rabbi Gerschom schrieb darauf an den Kaiser einen ausführlichen Brief, in welchem er Alles erzählte. Der Bote brachte den Brief nach Konstantinvpel. Der Kaiser verwunderte sich gar sehr ob der mitgetheilten Ereignisse. Sofort ließ er den Thurm untersuchen, und siehe, eö fand sich Alles, wie Rabbi Gerschom er angegeben hatte; da ließ der Kaiser das künstüche Dach entfernen und durch ein anderes ersetzen. Aber dann eine Gesandtschaft nach Bamberg an Kaiser Heinrich II. schickte, um diesem zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen, sandte er auch reiche Geschenke nach Mainz an Rabbi Gerschom; zugleich ließ er den Rabbi bitten, daß dieser nach Konstantinopel zurückkchre, um der vollen Gnade de- Kaisers theilhaftig zu werden. Rabbi Gerschom schrieb dem Kaiser einen D<mkbrief, in welchem er jedoch die entschiedene Weigerung, nach Konstantinopel zurückzukehren, aussprach. Als Basil den Brief empfing, rief er: „Ich werde nicht ruhen und rasten, bis ich diesen Mann wredergewonnen habe. Der deutsche Kaiser herrscht über Barbaren, ich herrsche über civilisirte Nationen — allein in der Beziehung übertrifft jetzt sein Reich da» meinige, daß er den weisesten Menschen zu seinen Unterthanen zählt, den ich in unverständiger Weise auS meinen Landen vertrieben habe. Doch, ich will und darf es nicht dabei lassen; ich werde ihn wiedergewinnen. und er wird das schönste Juwel meiner Krone sein!" Der Mensch denkt und -Gott lenkt! Selbst der mächtigste Kaiser kann nicht mit Bestimmtheit etwa»