Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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einem gottgefälligen Werke sowohl an den Tag zu legen, als auch um zu zeigen, daß man noch Gefallen habe an göttlichem Wort und an echt religiöser Erziehung. Es offenbarte fick deutlich, daß der Kreis derjenigen, die sich um Gott schaaren und für Sein heiliges Wort zu Opfern bereit sind, kein kleiner sei, Und daß es gottlob noch gar Viele gebe, die an dem Bestand unserer heiligen Religion Gefallen finden. So füllte sich bald der der Feier gewidmete Raum. Zur festgesetzten Zeit bestieg Herr Dr. Auerbach als Director der Anstalt die Tribüne und legte in gewohnter Meisterschaft den Versammelten den Zweck der Schule und die Erfordernisse für die Heranbildung zum Beruf (hier vorzüglich für den commerciellen) dar. Es würde mich zu weit führen, wollte ich auch nur kurz den Inhalt der Rede, die mehr als eine Stunde währte, skizziren; so reichlich waren die Gedanken und so vielerlei die Gesichtspunkte, die der Redner hervorhob. Ich will daher nur emige Sentenzen anführen, die nickt allein für hiesige Verhältnisse angemessen sind, deren Wahrheit auch dem allgemeinen Wohle dienlich ist. „Nicht das speeielle Heranbilden zu einem Berufe ist die Bestimmung der Schule, obwohl es in jetziger Zeit der Berufsschulen in Menge gibt, sondern neben einem ausgedehntern Unterricht in besonderer Fachbildung vorzüglich allgemeine Bildung durch ethische Wissenschaften; nicht das ist der Maßstab für eine Schule, was der Zögling später mit dem Erlernten erwerben kann, sondern die Bildung zum Menschen, daß der Schüler, wenn er in das Leben eintritt, sich zu drehen und zu wenden weiß. Und der Jude als solcher, dessen ganzes Leben durchdrungen sein soll von göttlichem Hauche, dessen Handlungen alle als GotteS-Gebote geschehen sollen — Dtp'? vcr> •ve'JJD b2 D'Dip — sein Unterricht soll ein derartiger sein, daß die Kenntniß der ne tyam □rrszr mir. nicht allein zu seinen Disciplinen gehöre, sondern daß der Gesammt- Unterricht seine Ergänzung und Begränzung finde durch die Religion. Und wenn in solcher Weise eine Schule eine rein konfessionelle ist, so kann und darf ihr Streben doch kein anderes sein als — allgemeine Menschenliebe zu erwecken, wie bekanntlich Hillel dieses Gebot als die Wurzel aller andern jenem Heiden mit- Iheilte." Anreibend an diese Worte sprach sodann Herr Rabbiner Dr. Löwi innige Wünsche für das fernere Gedeihen der Anstalt aus und hoffte, daß mit der Zeit das neue Haus sei ein did to ri'2, das hervorgebracht religiös-sittliche Männer. Zum Schlüsse richtete noch Herr Stadtpfarrer Lehmüs einige Worte an die Versammlung, in denen er seine Zustimmung aussprach zu den Grundsätzen, die von dem ersten Herrn Redner entwickelt waren. Aus die Zuhörer hatten die von Herzen zu Herzen gesprochenen Worte einen sichtlichen Eindruck hervorgebracht, und Jeder ging mit dem Bewußtsein fort, daß es sich bei der Wahl einer Schule für die Erziehung seines Kindes nicht darum handele, in welcher Schule am meisten für den später» Beruf desselben geschieht, sondern lediglich darum, wie die Lehren ihnen beigebracht werden, die sie zu wahrhaften Menschen heranzubilden geeignet sind. — nox. Aus Württemberg. Aus dm „erneuerten Aufruf aus Memel," we^ chen Dr. Rülf im Aufträge des Unterstützungscomite? für die Israeliten der benachbarten russischen Grenze im Lause dieses Monats abermals erlassen hat, und den die württ. politischen Blätttcr, namentlich „der Beobachter" und „die Neckarzeitung" sofort unentge.'tlich in ihre Spalten ausgenommen haben, erboten sich in Stuttgart und in Heilbronn je drei Herren zur Annahmt von Beiträgen und die Redaction wiederholt ihren Ruf um so dringender als es den Christen gegenüber der erprobten Mildthätigkeit der isr. Mitbürger Ehrenpflicht scheine, mit ihnen ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe zu kommen. Möge der Erfolg überall ein erfolgreicher sein und überall Geber und Empfänger sich beeilen, rasch und kräftig zu helfen. Oberdorf im Ries. Der für den hiesigen RabbinaiSbezrrk zum Delegirten gewählte Rechtsanwalt Nördlinger in Stuttgart soll sich nach einem Gerüchte von seinem Schwiegervater Rabb. Dr. Löwy in Fürth haben bestimmen lassen, sein Mandat niederzulegen^ noch ehe die Delegation vom Ministerium einberufen ist. Der demokratische Jurist ist dem reformistischen Theologen unterlegen; der Materialismus hat das Ideal besiegt, welches der Rechtsfreund gegenüber dem Bureaukratismus aufzuftellen 'verheißen hatte. Hoffentlich wird die Lücke ausgefüllt werden. O österreichischer Kaiscrstaat. VVien. Der Kaiser von Oesterreich hat den Präsidenten der n. ö. Handels- und Gewerbskanrmer Simon Winterstein, Mitglied des Herrenhauses, als Ritter des Leopold-Ordens den Ordensstatuten gemäß in den Ritterstand erhoben. Mün^hengrätz. Zur Agitatationschronik theilt die „Pr. Ztg." folgendes Schreiben mit, das den Munchengrätzer Israeliten vor dem Meeting am Muczfky- Berge zugesandt wurde. Es lautet: „Juden! Ihr lebt von unserem Blute wie die Blutegel. Werdet Ihr nicht mit uns gehen, so erwartet das Schlimmste, schreibt Euch es aber selber zu. Zum Tabor, daß Ihr dekorirt! (sonst denkt an die Kreuze! Die Mitglieder der geheimen Ncuionalrcgierung hier." Geziert