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Der Israelit · 1869-08-11 · Heft 32 (11.8.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 32 (11.8.1869)
Date
1869-08-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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618 das leidige Vorwalten von Nützlichkeitsrücksichten — mit einem Worte: die wassersuppige Breslauer Principienlosigkcit nicht schaden, durchaus nicht schaden; ihre Hohlheit und Leerheit und Halbheit muß bald an's Tageslicht kommen und in sich selbst zerfallen; aber gefährlich ist die Vereinigung dieser armen Breslaujünger ihnen selbst und den Gemeinden, die so glücklich sind, von Breslau aus mit Rabbinen versorgt zu sein. Es ist eine ergenthümlichs Erscheinung dieses Breslauer Seminar, das von vornherein die Principienlosigkeit zum Princip erhoben hat' In der neusten Nummer der Breslauer Monatsschrift wird das Programm des jüdisch - theologischen Vereins in folgende Worte zusammengefaßt: „Er darf sich rühmen, einen Mann an seiner Spitze zu haben, der schon seit einem Menschenalter die Ueberzeugung vertritt und verficht, daß nur auf dem Boden der Wissenschaft und in pietätsvoller Verehrung des Alten, durch ein Continuum °der Vergangenheit mit der Gegenwart eine Neugestaltung möglich, erlaubt und ausführbar sei. Wer kann « verkennen, daß das eben ein festes Programm ist?" Schauen wir dieses angebliche Programm ein wenig nähkr an und betrachten wir zunächst den Mann an der Spitze. f Herr Direktor Dr. Frankel ist ein Gelehrter rin Lämdon, aber leider kein fester Character. Ein Schüler des Chatam Sopher nahm er gegen -diesen zu Gunsten eines Alexandersohn Partei. Ein sich conservativ nennender Rabbiner betheiltgte er sich -an der sogen. Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M., setzte sich neben Philippson, Holdheim und Geiger, um — die Versammlung mit Eclat zu verlassen. Zn seinen schriftstellerischen Werken herrscht nichts als Zweideutigkeit; über seine Einleitung in die Mischnah entspann sich vor einigen Jahren ein heftiger Streit, 'weil Herr F. sich nicht herbeilassen wollte, zu erklären, daß er die Tradition als von Gott stammend anerkenne; in andern Werken kommen Sätze vor, die sich von denen Holdheim's und Geigers nur wenig untere scheiden, so wird das „Volksbewußtsein" als höchste Instanz für die Halachah proclamirt; es wird nämlich behauptet, eine religiöse Institution sei als erloschen zu betrachten, sobald das Volksbewußtsein sie abrogirt habe; in andern Stellen hingegen wird wider die Orgel und derartige Reformen heftig opponirt. Dieser Mann nun steht seit 16 Jahren an der Spitze einer Rabbinerschule; er hat dieselbe derart zu gestalten gewußt, daß die darin gebildeten Rabbinen in den fortgeschrittensten wie in den stabilsten Gemeinden friedlich fungiren können, daß sie in der einen 'Gemeinde die Orgel und die weitgehendsten Reformen gutheißen und in der andern erklären können, sie würden niemals barein willigen, daß der Aufruf zur Thora i mir Namen abgeschasit werde, denn dieses fei im Ss- I har [tre u; verpönt! | Neben Herrn Dr. Frankel lehrt als erster Lehrer i am Breslauer Seminar Herr Dr. Grätz, der in sei-! nem Geschichtswerke so feindlich gegen den Talmud! und gegen die Talmudisten aufgetreten ist wie nur ir- , gend einer. Einst lehrte dort auch Herr Dr. Joel, der spater der Nrchfolger Geiger's in Breslau wuroe, dessen Liturgie acceptirte, unbeschnittene Kinder conftrmirte, und dabei nicht aufhörte, der Seminarcoterie anzugehören. Seine die ganze Richtung characterisirenden Vorschläge zur Reform des Gottesdienstes haben wir schon besprochen. Sie seien hier kurz wiederholt: es gibt bekanntlich gegenwärtig Juden, die an das, was im Gebetbuch steht, glauben und solche, die nicht daran glauben; für die erste Klasse mögen die alten Gebete stehen bleiben, für die zweite seien neue zu fabriciren und neben die alten zu stellen; dann könnten die Gläubigen die alten, die Ungläubigen die neuen Gebete still für sich beten, während die laut zu betenden Stücke des Vorbeters so einzurichten seien, daß sie die Gläubigen in ihrem Sinne und die Ungläubigen in ihrem Sinne deuten könnten!! Danennen die Breslauer „ Wistenfchast", das ist ihnen „pietätSvolle Verehrung des Alten", das heißen sie „Continuum der Vergangenheit mit der Gegenwart, durch das eine Neugestaltung möglich, erlaubt und ausführbar sei!?" Neugestaltung? Was verstehen wohl die Herren unter Neugestaltung deS Judenthums? Verstehen sie darunter, daß einzelne unästhetische Angewöhnungen, wie sie die lange Zeit des Drucke» hervorgebracht, abgelegt werden, wie z. Bda» Schwatzen in der Synagoge, das unharmonische Durcheinanderschreien, das laute Jejascher-Koach -Rufen, die Opernmelodien in Jigdal oder Lechrh Dodi rc. rc. — wahrlich, um das Alles aus unfern Synagogen zu entfernen, dazu bedarf es keines großen Apparats von Wissenschaft und theologischen Vereinen. Verstehen aber die Herren darunter Umwandlung von Jkre Hadath, von Ehe- und Speise- und Rrinheitsgesetzen, so verweisen wir Sie auf den Ausspruch des Talmuds, daß niemals die Weisen das Verzehren eines Raben für erlaubt oder den Genuß der Taube für verboten erklären können. Freilich liegt zwischen dem Angeführten noch gar Vieles, was weder in die Kategorie des Einen oder des Andern paßt; aber alle Wissenschaft der Welt ist nicht im Stande, auch nur einen Jssur Derabbanon zu entfernen, ohne mit dem Judeuthume zu breche« — aber gesetzt auch, die Herren schritten darüber hinweg, hüllten sich in ihre Wissenschaftlichkeit und gäben sich für ein pnai noana diia rva für einen Gerichtshof, groß an Weisheit und Mrtglieverzahl, au«:

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