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Der Israelit · 1869-08-04 · Heft 31 (4.8.1869) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 31 (4.8.1869)
Date
1869-08-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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609 dem Bahnhof an. Schon lange vor der Ankunft hatte sich hier eine sehr große Menschenmenge ^versammelt, welche den Bahnhof und die angrenzenden Straßen bedeckte. Eine lange glänzende Wagenreihe (über 40 Wagen welche größtentheils von den Honorationen Crefelds zur Verfügung gestellt wurden), wie wir dieselbe bei ähnlicher Veranlassung kaum je so groß gesehen, gab dem Einziehenden das Ehrengeleite bis zu seiner Amtswohnung. Die Straßen, welche der Zug passirte, sowie noch mehrere andere, erschienen bereits am Morgen des Festtages im schönsten Flaggenschmucke, dem verehrten Herrn von allen Seiten ein freudiges Willkommen bietend. Der stattliche Zug durch die dicht mit Zuschauern besetzten Straßen gewährte zumal bei dem herrlichen Wetter einen prächtigen Anblick. Beim Eintreten in die Amtswohnung, wo geschäftige Hände fürsorglich schon früher thätig gewesen, in sinniger und reicher Ausstattung dem neuen Bewohner ein freundliches Heim zu bereiten, erscholl ein unter Leitung des Herrn Lehrer Wallerstein frisch und schwungvoll ausgeführter mehrstimllliger Kindersang als erste Begrüßung des neuen Hirten. In freudig bewegten Worten dankte der hochw. Herr, mit dem Talmud die Bedeutung der Jugendbildung ehrend. „Es sei einst ein Fremder in eine Stadt gekommen und man habe tJ)tn alles Sehenswürdige und auch die Führer der Stadt vorgestellt. Der Fremde habe jedoch erwidert, daß diese die Führer nicht seien. Als man ihm Lehrer und Jugend vorgeführt, habe er gerufen: Dassind die Führer." So — schloß der Redner — sei auch er der Ansicht, daß das Gedeihen der Stadt, das sittliche und geistige Wohl des Einzelnen wie der Gesammtheit, von dem Wirken res Lehrers bedingt werde. Herr Oberbürgermeister Ondereyck begrüßte den Herrn Oberrabbiner in herzlicher Weise, damit den Wunsch verbindend, wie der selige Oberrabbiner Bodenbeimer lange Jahre im Leiden Bürger der Stadt gewesen, so möge sein Nachfolger viele Jahre als gesunder, rüstiger Bürger zum Segen seiner Gemeinde wirken. Der Begrüßte erwiderte, daß es sein eifrigstes Bestreben sein werde, sich die Achtung seiner neuen Mitbürger zu erwerben, hierin seinem würdigen Vorgänger nacheifernd. Die ihm von allen Seiten gewordene herzliche Aufnahme, die schön geschmückten Straßen hätten ihm wohl gethan und ihm gezeigt, daß es sich in einer Stadt gut wohnen lasse, wo der Geist der Eintracht walte, wo ein so würdiger Vertreter und würdiger Bürger Allen vorangebe. Nachdem Herr Jnspector Viedebantt, sowie die Herren Direetoren d<w Provinzial-Gewerbeschule und der höheren Lehranstalten vorgestellt worden, erschien eine Deputation der evang. und Mennomten-Gemeinde. Der Sprecher derselben, Herr Pastor Schmidt begrüßte den Herrn Oberrabbiner als geistliches Oberhaupt der isr. Gemeinde darauf hinweisend, wie er selbst vor 19 Jahren bei seiner Einführung von dem sel. Oberrabbiner Bodenheimer in herzlicher Weise empfangen worden. Lange habe man dem bekannten Wägelchen nachqeschaut, worin der sel. Bodenheimer durch die Straßen gefahren worden. Dieser Mann, ein wahrer Hüter der Eintracht unter den verschiedenen Confessionen, werde sicherlich auch seinem in jugendlicher Kraft dastehenden Nachfolger als Muster gelten. Der Herr Oberrabbiner erwiderte. Ein bekannter Dichter vergleiche die verschiedenen Religionsgesellschaften mit den Sonnenstrahlen. Alle seien Ausflüsse eines Centrums. Wie sie alle von Gott ausgehen, so führen sie auch alle wieder zu Ihm hin, wenn sie auch in den verschiedensten Richtungen auseinander streben. In diesem Sinne betrachte er das ihm anvertraute Amt und werde er in diesem Geiste der Bruderliebe mit Gott den wichtigen Posten verwalten Den Schluß des offiziellen Empfanges bildeten die Herren Pfarrer sämmtlicher katholischer Gemeinden, welche ihre Wünsche in derselben herzlichen Weise dem Gefeierten entgegenbrachten. Zu dem Festessen, welches Nachmittags in dem Saale der Königsburg stattsan^, hatten sich 230 Personen eingefunden; darunter außer den Behörden, der Geistlichkeit und den Vertretern der höheren Lehranstalten, die angesehensten Bürger der Stadt und aus der Umgegend die Repräsentanten der vielen zu dem Creselder Sprengel gehörigen Gemeinden. Gleich nach d Uhr wurde der neue Oberrabbiuer H.rr Dr. Horowitz durch das Festcomite in den Saal geführt und von der Versammlung mit Jubel begrüßt. Damit war das Zeichen zum Beginn des Mahles gegeben und Jeder machte von der guten Gelegenheit Gebrauch, sich eine ersehnte Stärkung angedeihen zu lassen. Rach einigen Gängen eröstnete der Herr Oberbürgermeister die Reihe der Toaste, um der schönen alten Sitte nachzukommen, dem Könige das erste Hoch;n bringen, unserem Könige, der vor Kurzem das Gesetz erlassen habe, welches die Gleichberechtigung der Confessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung verkündet. Herr I. L. Herzog ergriff darauf das Wort. Er schilderte die Gefühle, welche dem neuen Führer der Gemeinden entgegengebracht würden, mit warmen Worten. Sein Hoch galt dem Herrn Oberrabbiner Dr. Horowitz. In längerer schöner Rede erwiderte der Letztere. Den geistlichen, geistigen und weltlichen Spitzen der Stadt dankte er für ihr liebevolles Entgegenkommen und zog aus dem Principe: „Der beste Mensch hat die beste Religion," die schönste Richtschnur für ein fördersames, friedliches Hand in Hand gehen. Herr C. Koumen aus Kempen wandte sich in seinem Trinkspruch an die Stadt- und Kreisbehörde, an die Geistlichkeit, kurz an die Ehrengäste^ RamenS seiner katholischen Amtsbrüder schloß sich Herr Oberpfarrer Huthmacher den Worten eines Vorredners an, der die Stellung der Gemeinden zu einander auf

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