Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1869)
- Date
- 1869-08-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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608 heim sel., Bedeutendes zu Gunsten Eder Emancipation geleistet und diese kam allmählig zu'Stande, ziemlich lange bevor die „Fortschrittspartei" als solche — in Folge der Ereignisse von 1866 -- sich von ihren früheren Gesinnungsgenossen trennte. Diese Erwägungen drängten sich denn auch den hies. Israeliten, d. h. der Mehrheit derselben, auf und da die Fortschrittsp. als ihk Hauptziel den Eintritt in den norddeutschen Bund unter der Führung Preußens hinstellt, dieses aber seinen Israeliten die - wenn wir nicht irren — auf dem Papiere größtentheils längst vorhandenen Rechte gar so spärlich zumißt, während Oesterreich seine verdienstvollen Israeliten mit hohen Auszeichnungen belohnt — so waren die disbezüglichen Bemühungen des Herrn Frankenburger ziemlich vergeblich: Die Juden in ihrer Mehrheit wählten zu Gunsten der Volkspartei und verhalfen dieser durch ihre Anzahl wie durch moralischen Einfluß zu dem nie geahnten, eklatanten Wahlsiege, bei welchem, wie oben gesagt, die fortschrrttl. Minderheit auch nicht einen Wahlmann durchsetzen konnte. (Unsere Glaubensgenossen in Nürnberg scheinen von obigem Verhältnisse der Juden in Preußen wenig Notiz genommen zu haben.) Herr Advokat Kronacher hatte also nicht geringe Aussicht Abgeordneter zu werden, trotzdem in den auswärtigen Bezirken des hiesigen TVahlkreiseS die Fortschrittsp. die herrschende war. Noch am Vorabende der Wahl (19. Mai) glaubten in Erlangen, dem Orte derselben, Freunde und Feinde der „Volkspartei" stark an dem Siege der letzteren; denn Herr Kr. und ihre sonstigen Candidaten und Führer hatten daselbst ihre Grundsätze mit überzeugenden Worten und unter sichtlichen Eindruck auf die Wahlmänner entfaltet. Da nahmen des andern Morgens die Herren von der Gegenpartei — darunter mehrere Uuiversltätöprosessoren — zu Mitteln und Manövern ihre Zuflucht, die — wie der Corr. v. u. f. D." hierüber treffend bemerkt — nur mit dem Aufgeben auch nichtpolitischer Grundsätze möglich waren, und so ist eö ihnen denn gelungen, den Sieg an sich zu reißen mit einer Majorität von etlichen 30 Stimmen bei 185 Wahlmännern, von denen 73 für Kronacher waren' Wäre es anders gegangen, so hätten wir das in Bayern gewiß höchst interessante Schauspiel gehabt, 2 Israeliten, noch dazu aus den beiden Schwesterstädten, beide von ihren refp. Städten einstimmig gewählt und beide die heftigsten politischen Gegner, als Abgeordnete zu sehen. Es sollte nicht sein, und es ist wohl so besser; denn „wer weiß, was in der Zeiten Hintergründe schlummert!" Bei der jetzigen Zusammensetzung unserer Kammer, wo „ultramontan" und „liberal" sich die Wagschale halten, aber 22kath. Geistl. (gegen nur 2 protestantische) ihre Beredsamkeit wahrscheinlich mit Erfolg aufbieten werden, dürfte Herr vr. Frankenburger — so nämlich diese Kammer nicht durch Auflösung und Neuwahlen vielleicht geändert wird — als der einzige Jude eine nicht beneidenswerthe Stellung haben; aber gar zwei Juden (die in freisinnigen Fragen, namentlich gegenüber den gemeinsamen Gegnern, doch wohl ziemlich harmonirt hätten) als Abgeordnete und politische Gegner sich gegenüber zu haben, das würden die Herren Reactionäre nicht leicht haben verschmerzen können und der Geist der Unduldsamkeit (myan) würde neue, den Israeliten Bayerns verderbliche Nahrung erhalten haben. Wenn wir in obiger Schilderung der hiesigen und Nürnberger Wahlvorgäuge unö ausführlicher verbreiten haben, als es vielleicht mancher der geehrten Leser des „Israelit" für geeignet finden mag, so sind wir von der Ansickt ausgegangen, daß es einem Organ des orthodoxen Judenthums nicht minder als einem der Neologie wohl ansteht, zu einer Zeit, wo der Uttramontanismus in Bayern sein Haupt erhebt und dieses Land gar zu gerne, im Hinblick auf das bevorstehende Coucil, zu einem seiner Hauptsitze machen und folglich auch seine Tendenzen in diesem Lande möglichst wiederum ausbreiten möchte, in solchen Zeiten ausführlich zu berichten von dem Einflüsse, der unseren Glaubensgenossen in den beiden weltberühmten Städten Nürnberg und Fürth, in letzterem freilich mehr im Verhältnisse der Änzahl, z» Gebote steht, von der Achtung, die sie daselbst genießen, sowie anderseits von der toleranten Gesinnung, die hier die verschiedenen Confessionen gegenseitig beseelt, wovon ein spreckendereS Zeugniß, als durch die einmüthige Stimmabgabe der Wahlmäuner Nürnbergs undFürth's zu Gunsten der resp. Herren vr. Frankenburger und Kronacher, sickerlich nicht gegeben werden konnte. Möchten nur auch diese Herren und ihre engeren politt Freunde mosaischer Confession — unter welchen, leider! nicht ein Anhänger des orthodoxen Judenthums zu verzeichnen wäre — nie vergessen, daß der Ewige, der Gort Israels, es ist, von dem allein alles Gute kömmt, der erhöht und — aber auch erniedrigt, der sein Volk durch tausend Gefahren geführt und geleitet zu dessen jetzt so erfreulichen Lage. "di Dy rntnn^ "21 bn nsya nrpo Aus dem Crefelder Rabbinatssprengel. Noch nie dürfte wohl in Deutschlands Gauen die Jnstallirung eines Rabbiners so von allen Confessionen gefeiert worden sein wie dieses den 22. d. M. bei der Jnstallirung unseres Oberrabbiners Herrn vr. Jacob Horowitz der Fall war. Wir lassen daher die betreffende Mittheilung dieser denkwürdigen Feier aus der Crefelder Zeitung folgen: Nachdem Herr vr. Horowitz bereits in Düsseldorf von einer Deputation des Vorstandes des Synagogenbezrrks begrüßt worden, langte derselbe in Begleitung des Herrn Rabbiners vr. Feilchenfeld von Düsseldorf gegen 3 Uhr auf