Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1869)
- Date
- 1869-08-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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$07 Israeliten Bayerns und durch ihren moralischen Eindruck für die Judenheit überhaupt von großer Wichtigkeit, auch durch ihre einzelnen und durch die sie begleitenden Umstände von allgemeinem Interesse sein dürste. Ich meine die Wahl des Herrn Dr. Frankenburger in Nürnberg als Abgeordneten zu der bayrischen Ständekammer. Derselbe wurde einstimmig gewählt - - gleich seinen beiden College« — als Vertreter des Wahlkreises Nürnberg (Ätadt und nächste Umgebung), von 200 Wahlmännern. Bei den Parteikämpfen unserer Tage wurden schon vor den Urwahlen die Abgeordneten ausersehen und so haben über 4000 Urwähler indirect, aber mit Bewußtsein, ihre Stimmen zu Gunsten des Herrn Dr. Frankenburger abgegeben. Herr Dr. F. gehört mit Leib und Seele der (nationalliberalen) bayer. „Fortschrittspartei" an; Seine wenig zahlreichen Gegner — c. 560 Urwähler — gehörten theils der conservativen,theils der „Volkspartei" an strotz ihrer Vereinigung ad hoc und trotz der glänzenden Reden, die — unter Anderen auch von dem jüdischen Arzte Herrn Dr. Maas — auf Seite der letzteren gehalten wurden, brachten sie es nicht zur Durchsetzung auch nur eines einzigen Wahlmannes. Gerade das umgekehrte Verhältniß fand hier in Fürth statt. Hier war die „Volkspartei" in der starken Majorität von 1378 Stimmen gegen c. 640 der „ Fortschrittspartei " und sämmtliche 45 Wahlmänner der hies. Stadt gehörten dieser Majorität an. Waren sich so die beiden Nachbarstädte in ihren pol. Ansichten (und zwar besonders in Beziehung auf „nationale Einigung") diametral gegenüberstehend, so war es die große Mehrheit der Israeliten in beiden Städten nicht minder und, wie in Nürnberg theilweise, so waren in Fürth die Hauptagitatoren der Wahl Israeliten. Es waren dies hier vorzüglich die Herren Dr. Morgenstern, der von seiner Thätigkeit als bayerischer, wie als Abgeordneter zum Frankfurter Parlament (1848) und auch durch neueres politisches Wirken rühmlichst bekannte Jurist (seiner bürgerlichen Stellung nach Kaufmann,) ferner Dr. Landmann, pract. Arzt und Rechtsanwalt Kronacher, Vorstände des hiesigen (demokratischen) Volksvereins und ebenfalls tüchtige Redner. Die Agitation, durch Flugblätter, Wahlversammlungen u. s. w. 3 Wochen hindurch mit einer Lebhaftigkeit geführt, die auch den Gleichgiltigsten zu politischer Erregtheit brachte, konnte im Anfänge der Sache der genannten Herren nur einen ganz geringen Eriolg versprechen, und ihre fortschrittlichen Gegner behaupteten noch im Verlaufe dieser polit. Thätigkeit, dieselben resp. die Männer der Volkspartei würden noch vor dem Beginne der Wahlen die Waffen strecken." Freilich waren auf Seiten des „Fortschritts" gleich Anfangs die Namen der angesehensten Männer, iör. wie christl. Kaufleute und namentlich hervorr«gende Mitglieder der Gemeindecollegien. Allmählich jedoch brachten es die Herren Dr. Morgenstern u. s. w. durch klare Auseinandersetzung ihres Programmes, sowie durch vollständige Rechtfertigung ihrer politischen Ansichten gegenüber den Verdächtigungen Seitens ihrer Gegner — man hatte sie nicht mehr und nicht weniger, als des Communismus (Theilung des EigenthumS!) bezüchtigt *- dahin, daß ihr Wahlcomitv nicht minder klangvolle Namen der hiesigen Bürgschaft, sowie ihre Partei bedeutenden Zuwachs erhielt und die Aussicht auf „ Waffenstreckung" war wohl am Vorabende der Urwahl nicht mehr gegeben, als Herr Dr. M. in einer von circa 6OO Männer besuchten Versammlung der Volkspartei die Frage vorlegte, wen man denn als wirklicher Abgeordneter erwählen wolle und darauf von allen Seiten einmüihig der Name Kronacher erscholl. Auch die Gegenpartei hatte einen Israeliten, Herrn Max Ullmann (Hopfenhändler) als Candidaten aufgestellt, der jedoch nie vorher eine hervorragende politische Thätigkeit entfaltet hatte oder zur Zeit der Wahl entfaltete, weßhalb böse Zungen behaupteten, es sei diese Ausstellung nur zum Schein gemacht worden, der werthvollen Stimmen der Israeliten wegen, und würde zur gehörigen Zeit wohl in ein nationalliberales Compromiß übergehen. — Zur selben Zeit, als Herr Kronacher, wie oben erörtert, als Candidat der Volkspartei ausgerusen ward, glaubte-Herr Dr. Frankenburger, der sein Mandat als Abgeordneter schon so gut wie in der Tasche hatte, durch feurige, anerkannt große Beredtsamkeit den Fortschritten des „ Fortschritts" auch in hiesiger Stadt möglichst Beistand leisten zu sollen. Eine Einladung hiesigerseits folgend, hob er im Verlaufe seiner Rede die Verdienste der „Fortschrittspartei" um die Besserstellung der Verhältnisse der Israeliten hervor und damit schlug er nun freilich eine Seite an, die, waren seine Worte ebenso unwiderleglich als schön, im Herzen der Israeliten Fürth's mächtig nachklingen und noch in letzter Stunde der von ihm vertretenen Sache zahlreiche Anhänger verschaffen mußte. Aber die eben ausgestellte Bedingung erfüllte sich mindestens nicht ganz. Jedermann weiß nämlich, daß die Emancipatiton der Juden Bayerns nicht den Ultramontanen, sondern den Freisinnigen überhaupt zu verdanken ist, mögen diese den Namen Fortschrittspartei oder irgend einen sonstigen geführt haben. Aber nicht um den Gegensatz von „reactionair" und „freisinnig" handelte es sich in Fürth bei den Wahlen, eine reactionäre Partei, also seinerzeit Gegner der Juden, gibt es hier so wenig wie in Nürnberg. Die hiesigen Gegner der Fortschrittspartei sind, der Hauptsache nach, die „Demokraten," die ja an Freisinnigkeit weder früher noch jetzt hinter den Männern ihrer genannten Gegner zurückstehen. In der That hat auch Herr Dr. Morgenstern bereits 1648, nicht minder auch Herr Dr. Arn-