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Der Israelit · 1869-08-04 · Heft 31 (4.8.1869) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 31 (4.8.1869)
Date
1869-08-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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60$ selben ernporfteigen. Bald saß Deborah neben ihrem Gatten im Innern des Thurmes. Als die beiden Gatten sich genugsam ihrer Wiedervereinigung gefreut hatten, erzählte Deborah Alle-, waS sie erlauscht hatte. Rabbi Gerschom wurde sehr trübe gestimmt. Diese Melitta, die er so sehr geliebt, war ein herzloses, schändliches Weib, das ihn zwiefach verrathen und das selbst durch die schmähliche Behandlung, die ihr von Seiten des Ritters geworden, nicht zur Reue hatte gebracht werden können. „Sie muß sterben!" sprach Rabbi Gerschom dumpf. „„Was sagst Du?"" fragte Deborah erschreckt. „Sie muß sterben, und zwar nicht allein zur Strafe für ihre todeswürdigen Vergehungen, sondern auch namentlich deßwegen, damit sie unsere Flucht nicht hindere. Ich würde ihr den Scheidebrief schreiben, wenn ich frei wäre. Das kann ich nicht unter den gegenwärtigen Umständen; auch kann ich das schlechte Weib nicht zurücklassen als eine verheirathete Frau; sie würde nur noch fortfahren, todeswürdige Verbrechen zu begehen. Sie muß sterben, sie hat den Tod zwiefach verdient." Deborah weinte. „Weine nicht," sprach der Rabbi, „sie verdient Dein Mitleid nicht. Jetzt aber höre, wie wir unsere Flucht bewerkstelligen wollen. Ich werde, bis der günstige Zeitpunkt zum Entfliehen da sein wird, hier im Thurme bleiben; ich bin hier am Sichersten. Du aber erkundige Dich, wann ein Schiff von Konstanttnopel abgeht, einerlei ob nach Frankreich, Italien oder Launen. .Dann miethe zwei Platze, angeblich für Dich Mw D*.. Wienerin. Nimm dann Alles, was wir an Werthsachen noch besitzen und bringe es auf das Schiff; mir aber bringst Du einen weiten Frauenmantel, damit ich in ihn gehüllt Dir als Dienerin folge; ich werde erst in der Nacht vor der Abfahrt das Schiff besteigen." „„Und Melitta?"" „Sage ihr in derselben Nacht, daß ich noch lebe; sage ihr, daß die Engel vom Himmel mich speisen und daß ich hier herrlich und in Freuden lebe; ihre Neugier wird rege werden und sie wird Dir hierher folgen." Deborah vollzog Alles, wie es Rabbi Gerschom angeordnet hatte. Bald erfuhr sie, daß ein Schiff schon nach drei Tagen nach Venedig absegeln würde. Sie nahm zwei Plätze und brachte ihre Habseligkeiten auf das Schiff. Alle Welt fand es natürlich, daß sie zu ihrem Vater nach Mainz zurückkehren wollte. Unterdeß hatte Melitta tausend Pläne für ihr künftiges Leben gemacht. Nichts war ihr erwünschter als die endliche Abreife ihrer Nebenbuhlerin; dann wollte sie frei und ungehindert ihr Lebe« genießen; tausend goldene Dareiken waren in jener Zeit ein großes Vermögen. „Melitta," sprach Deborah am Abend vor ihxpp; Abreise, „ich reise morgen. Laß unk nicht im Zorne von einander scheiben." „„Lebewohl, Deborah!"" entgegnen Melitta, „„Du wirst Dich wohl in Mainz wieder verheirathen?"" „Da sei Gott vor! Rabbi Gerschom lebt noch!" „„Du scherzest! Wie wäre das möglich?"« „Die Engel vom Himmel ernähren ihn wie die Raben einst dem Propheten Elijahu Speise und Wem brachten?" „„Und dennoch willst Du abreisen?"" „Auf meines Gatten Geheiß! Er wird mir bavd nach Deutschland folgen." „„Und wo hast Du den Rabbi gesprochen?"" „Im Thurme!" „„Kann man denn zu ihm gelangen?"" „Gewiß, ich war einigemal bei ihm." „„Noch einmal, Deborah, Du scherzest!"" „„Wolltest Du Dich vielleicht überzeugen?" „„Bei Gott, das möchte ich."" „So folge mir!" Als die beiden Frauen am Thurme anlangten, fanden sie die Sttickleiter schon niedergelassen. Rabbi Gerschom erwartete sie bereits. Deborah klomm an der Leiter empor und hieß Melitta ihr folgen. Melitta zögerte Anfangs; allein die Neugier überwog. Sie klomm die Leiter hinan und folgte dann Deborah in das Innere des Thurmes. Hier stand Rabbi Gerschom. Melitta wollte auf ihn zu eilen; allein sie erschrak ob des sinstern Ausdruckes seiner Züge, die eine aus dem Tische stehende, brennende Lampe — auch diese hatte ihm Deborah gebracht — schwach beleuchtete. „ Melitta," sprach der Rabbi, „wer hat meinen Feinden verrathen, wie man den Thron des Kaisers wägen kann?" Melitta erschrak. „Ich weiß es nicht," stammelte sie. „Kennst Du auch Michael, den Paphlagonier nicht?" entgegnete bitter der Rabbi. Melitta wurde blaß; ihre Knie schlotterten; doch faßte sie sich. „Ich kenne den Mann nicht!" sagte sie. „Wer," fuhr sie weinend zu reden fort, „wer hat mich bei Dir verleumdet, Gerschom?" „O, laß Deine falschen Thranen," sprach kalt der Rabbi, „sie tauschen mich nicht mehr; habe ich mich durch sie doch nur zu oft bewegen lassen! Melitta bekenne Deine Sünden und bereue Deine Schuld, damit Du Gnade findest vor dem ewigen Richter l" „„Vor dem ewigen Richter? Gerschom, was willst Du mir thun?""

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