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Der Israelit · 1869-08-04 · Heft 31 (4.8.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 31 (4.8.1869)
Date
1869-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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598 Han sind, den Hungertod aufzuhalten und hinauszuschieben! Voilä tout! Es sind nun bald zwei Jahre, daß der Angstruf von Hunderttausenden verhungernder Brüder an unsere Öhren schlägt, und wir haben uns aufgerafft und haben Almosen gegeben: die Reichen blutwenig, der Mittelstand viel, die Armen verhältnißmaßig noch mehr, und wir haben wirklich in diesen zwei Jahren circa zweimalhunderttausend Thaler gesammelt und dafür erreicht, daß die Roth dieselbe geblieben ist, und daß wenn die Gaben eine Woche lang spärlicher ein- -ehen, neue und fürchterlichere Nvthrufe zu uns gelangen, und da erbarmen wir uns und fühlen Mitleid und geben wieder, der Eine 2 Thaler, der Andere 15 Sgr., der dritte 50 Gulden — wie lange noch? Ihr Brüder von nah und fern, Ihr Schwestern auf dem weiten Erdenrunde, Jsraelssöhne, Jakobstöchter — dageht nicht ferner so! Ehre Euren mitleidigen Herzen, Achtung vor Eurem weichen Gemüthe, aber mit dem Weggeben von ein paar Groschen ist nichtgeschehen, nichts, gar nichts! Thatkraft thut noth, die echte, rechte Thakraft. Wollen wir unsere Stammrsgenossen in Westrußland retten, so müssen wir ihnen Arbeit schaffen, echte, rechte, nährende, lohnende Arbeit! Nur die Kranken, die Greise, die jungen Kinder sollen Almosen empfangen; alle Arbeitsfähigen aber, Männer und Frauen und erwachsene Jünglinge und Mädchen sollen arbeiten und dafür ausreichenden Lohn erhalten. Es fehlt jetzt in der Welt an Arbeitskräften; es gibt eine große Menge leichter, oder doch leichtzuerlernender Handthierungen, die allüberall ausgeführt werden können. Wozu bedarf es da kostspieliger Auswanderungen, deren Erfolg ein unsicherer ist? An ihren Wohnorten müßte man den Hungernden Arbeit geben und diese Arbeit so lohnen, daß sie sich sättigen können. Von befreundeter Seite werden uns derlei Arbeiten namhaft gemacht: Spinnen von Wolle und Flachs, Stricken von Strumpfwaaren, alle Arten von Nähmaschinen-Arbeitrn, Korkschneiderei u. s. w., u. s. w. Zu diesem Zwecke müßte stch ein Comite bilden, einerlei wo; das Comitö müßte aus Mitgliedern bestehen, die den merkantilischen und industriellen Fächern angehören; das Comitö müßte Sachverständige an Ort und Stelle senden, die ermessen, in welcher Weise die Arbeit einzurichten sei; das Comite müßte die nothwendigen Capitalien, etwa durch Ausgabe unverzinslicher aber rückzuzahlender Actien, beschaffen und würde sie mit Leichtigkeit erhalten; diesem Comitö müßte dann ein zweites zur Seite stehen, das die Rohprodukte einkaufe, um damit die Arbeitenden zu versorgen, und den Verkauf der Maaren übernehme. ES wäre nicht gerade nothwendig, daß alle die dazu erforderlichen Kräfte unentgeltlich arbeiteten; es dürften Factoren, Secretäre, Buchhalter rc. besoldet werden. Was nun die Beschaffung des Geldes betrifft, so glauben wir, daß man, wenn etwa Actien von 10 Thalern ausgegeben würden, mit Leichtigkeit deren 50,000 unterbringen könnte, so daß ein Capital von 500,000 Thalern zu Gebote stünde, eine Summe, mit der in der angegebenen Weise Großes zu leisten wäre. . Brüder, Schwestern, Alle, -die Ihr ein fühlendes Herz habt für das Elend Eurer Stammes- und Glaubensgenossen — sollen wir müssig stehen bei der Gefahr der Unfern? Und wenn wir außer den gesammelten 200,000 Thalern noch einmal eine solche Summe sammeln und zur Vertheilung bringen, haben wir da die Noth gehoben? Wird nicht am Ende der Eifer erkalten und die Hand des Gebens müde werden und der schreckliche, bis jetzt mühsam hinausgeschobene Hungertod dennoch jene Elenden hinwegraffen? nm nyan iD^y rmp »», Mancher erwirbt sich das ewige Leben durch einen einzigen, erhabenen, großen, folgewichtigen Entschluß! Gibt es in Israels Mitte Keinen, der Kraft und Muth, und Sachkenntniß und Energie und Aufopferungsfähigkeit genug besitzt, um an die Rettung von hunderttausend Nachkommen unseres Vaters Abraham seine ganze Persönlichkeit zu setzen? O, möchte stch ein solcher finden, ein Mann von Vermögen, von Einfluß, Wissen und practischer Kenntniß, möge er nur noch drei oder vier gläch opferbereite Männer mit stch vereinen, die dann einen Theil ihrer Kraft und ihrer Zeit der guten Sache widmen — und die Hilfe wäre unter göttlichem Bestände nicht mehr fern. Wir wollen unsere im Vorstehenden dargelegten Gedanken nicht als maßgebend betrachten, wir wollen sie nur der Prüfung und dem Urtheile der Leser vor-., legen; aber Eins betrachten wir als nothwendig: daß nämlich außer den Sammel- und VertheilungS-Comite'en sich ein Comitö bilde — aber, um unnöthige und die Sache in die Länge ziehende Schreibereien zu vermeiden, an einem und demselben Orte — etwa in Frankfurt a. M. oder Berlin oder in sonst einer großen Gemeinde, welches sich ernstlich mit der radikalen Abhilfe der Noth befasse, alle Vorschläge prüfe und endlich einen Plan realistre, daß dieses Comits sachverständige Männer in die NothstandSgegenden sende, sich mit ehrlichen und kenntnißreichen Männern in den dortigen Gegenden in Verbindung setze, deren Vorschläge entgegennähme und so Abhilfe schaffe. Es muß etwas Ersprießliches geschehen, und wir wiederholen eS: nicht durch bloßes Almosengeben kann ausreichend geholfend werden. Und Du, allgütiger Gott, erwecke die rechten Männer für die rechte That y^ttnn oy oy nm 'v! Ai

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